Kanadische Premiere in der NBA

Toronto Raptors, Jakob Pöltls Exklub, entrissen Golden State Warriors den Meistertitel im US-Basketball – als einziger und erster kanadischer Klub. Die Eishockey-Nation jubelt.

Kawhi Leonard (l.) und Kyle Lowry jubeln über den ersten NBA-Titel der Toronto Raptors, dem überhaupt ersten eines kanadischen Teams – und über Leonards Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Finalserie.
Kawhi Leonard (l.) und Kyle Lowry jubeln über den ersten NBA-Titel der Toronto Raptors, dem überhaupt ersten eines kanadischen Teams – und über Leonards Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Finalserie.
Kawhi Leonard (l.) und Kyle Lowry jubeln über den ersten NBA-Titel der Toronto Raptors, dem überhaupt ersten eines kanadischen Teams – und über Leonards Auszeichnung als MVP, als wertvollster Spieler der Finalserie. – (c) Reuters

Wien/Oakland. Im Jurassic Park, der Fanzone der Toronto Raptors in der kanadischen Metropole, schwelgten die Fans im Siegestaumel. Konfetti wirbelte durch die Luft, Feuerwerkskörper stiegen über dem Ontariosee auf. Selbst in Montreal, Torontos ewigem Rivalen, brachen in einer historischen Nacht Jubelschreie aus. Premier Justin Trudeau twitterte: „So machen wir es hier im Norden.“

Die Eishockey-Nation war aus dem Häuschen über einen Triumph im Basketball. Für die Raptors war es ein Vorgeschmack auf ihre Heimkehr bei der Siegesparade durch Torontos Wolkenkratzerschluchten. Als erstes – und einziges – kanadisches Team in der 72-jährigen NBA-Geschichte hatten sie den Titel errungen.

Auf der anderen Seite des Kontinents, im kalifornischen Oakland, entriss Toronto um Superstar Kawhi Leonard den Golden State Warriors im Heimspiel in Oakland die Meisterschaft. Die Raptors besiegten in der Finalserie den Serienmeister souverän mit 4:2, nachdem ihnen zuvor in Toronto beim 105:106 der Titel durch die Finger geflutscht war: Ein Drei-Punkte-Wurf Kyle Lowrys – ein Buzzerbeater zur Schlusssirene – sprang vom Korbring ins Feld und gab den Warriors noch eine Chance.

 

Basketball-Euphorie

Eine Jury wählte Kawhi Leonard, den stoischen Zwei-Meter-Mann – den sie in der NBA „die Klaue“ nennen – zum MVP, zum wertvollsten Spieler der Finalserie. Für den bald 28-jährigen Kalifornier war es der zweite NBA-Triumph nach 2014 mit den San Antonio Spurs. Bei Jakob Pöltl, dem österreichischen NBA-Export, kam indes vermutlich Wehmut auf. Ihm kam nur eine lakonische Gratulation über die Lippen. Zwei Jahre hatte er in Toronto, seiner ersten NBA-Station, gespielt, eher er im Zuge einer Transferaktion im vorigen Sommer im Paket mit DeMar DeRozan ins texanische San Antonio wechselte – im Austausch gegen Leonard.

„Ich spiele, um zu gewinnen, und nicht, um Rekorde zu brechen“, lautet das Credo des Teamspielers. Wie wertvoll Kawhi Leonard für Toronto ist, bewies er vor allem in den Play-offs. Er führte die Raptors zu Siegen über die 76ers aus Philadelphia und den Milwaukee Bucks um Giannis Antetokounmpo, den griechischen Star mit den nigerianischen Wurzeln.

In Toronto, der multiethnischen Metropole, entfachten die Basketballstars eine Begeisterung, die auch die mehrheitlich weißen Eishockeyfans erfasste. Mehr als 50 Jahre ist es schließlich her, dass die Toronto Maple Leafs den Stanley Cup, die riesige NHL-Trophäe, in die Stadt geholt haben. Selbst Ex-US-Präsident Barack Obama, ein passionierter Basketballfan, kam zu einem Heimspiel in die Arena nach Toronto. Und Rapper Drake führte die VIP-Fanschar an.

 

Verletzungsserie bei Warriors

Eigentlich waren aber die Warriors als Favoriten gesetzt, die Raptors galten als Außenseiter. Zum fünften Mal in Folge waren sie ins NBA-Finale eingezogen, nur einmal verloren sie knapp gegen die Cleveland Cavaliers und LeBron James. Das kalifornische All-Star-Team um Stephen Curry und Klay Thompson, die „Splash Brothers“, sowie um Draymond Green und Kevin Durant hatte sich mit DeMarcus Cousins erneut verstärkt. Es schien unschlagbar, strauchelte indes bereits in der regulären Saison wie selten zuvor. Die Houston Rockets rückten zu ihren gefährlichsten Herausforderern auf.

Eine Verletzungsserie machte den Warriors einen Strich durch die Rechnung. Erst fiel Curry, der wichtigste Mann, wochenlang aus. Vor dem Finale traf es dann Kevin Durant. Als er am Montag in Toronto sein Comeback gab, zog er sich nach elf Minuten einen Achillessehnenriss zu. Vor dem Match in Oakland zollten ihm Fans und Mitspieler mit KD-Rufen und Trikots ihren Tribut. Durant verpasst womöglich die gesamte nächste Saison – und es ist ungewiss, ob er überhaupt in Oakland bleibt.

Zu Ende des dritten Viertels schied auch noch Klay Thompson mit einem Kreuzbandriss aus. Curry gelang es nicht mehr, sich gegen den 114:110-Sieg der Raptors aufzubäumen. Für die nächste Saison kündigte er bereits an, wieder um den Titel mitzuspielen – wenn die Warriors von Oakland in ihre neue Arena nach San Francisco übersiedeln, freilich wahrscheinlich ohne Durant und Thompson. Um Kawhi Leonard wird über den Sommer derweil ein Gefeilsche einsetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2019)

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