Marathon-Schallmauer soll in Wien fallen

Eliud Kipchoge hat im Oktober die Zwei-Stunden-Marke im Visier. Für Veranstalter Wolfgang Konrad ist das Event ein „Once in a lifetime"-Ereignis.

Hier auf der Prater-Hauptallee soll die Schallmauer fallen.
Hier auf der Prater-Hauptallee soll die Schallmauer fallen.
Hier auf der Prater-Hauptallee soll die Schallmauer fallen. – (c) Clemens Fabry

Wien. Im Oktober könnte in Wien eine der letzten großen Schallmauern in der Leichtathletik fallen. Niemand geringerer als Eliud Kipchoge startet bei der „Ineos 1:59 Challenge“ auf der Prater Hauptallee über 42,2 Kilometer. Die großen Ziele eines Sportlers wie Olympiasieg und Weltrekord (2:01:39) hat der 34-jährige Kenianer bereits abgehakt. So bleibt für ihn als offenes Karriere-Ziel nur mehr die Zwei-Stunden-Barriere, so John Mayock, Sportmanager von Ineos. Im Ringen um den Austragungsort konnte sich Wien gegen Kaliber wie London, Paris und Berlin durchsetzen.

Das optimale Streckenprofil auf der 4,3 Kilometer langen, windgeschützten Prater-Hauptallee mit maximal 2,4 Meter Höhenunterschied, die Stadtnähe, die vorhandene Infrastruktur sowie mit dem Vienna-City-Marathon ein erfahrenes Organisationsteam haben für Wien den Ausschlag gegeben. Auch die relativ kurze Flugzeit von Kenia nach Wien sei laut Organisatoren kein Nachteil gewesen.

Für Ineos-Vorstand Jim Ratcliffe ist Kipchoge der bestmögliche Kandidat für dieses Unternehmen. Der Kenianer befinde sich derzeit in ausgezeichneter Form. Im Gegensatz zum ersten Versuch vor zwei Jahren werde man das Publikum ganz stark miteinbinden, so Crotty. Kipchoge sei jedenfalls ein Läufer, der das Publikum brauche. Und hier in Wien sei auch aufgrund der Lage mit einem großen Publikumsansturm zu rechnen.

Eliud Kipchoge reveals plans to break two hour marathon record
Eliud Kipchoge reveals plans to break two hour marathon record
Eliud Kipchoge – REUTERS

Auslöser für Laufbewegung

„Es ist ein Projekt, das inspiriert und Mut macht, das scheinbar Unmögliche wahr zumachen“, freut sich Bürgermeister Michael Ludwig über den Zuschlag für die Hauptstadt. Das Spektakel werde das Image Wiens als Laufstadt ersten Ranges unterstreichen.

Für VCM-Chef Wolfgang Konrad ist das Event das Größte, was für den heimischen Laufsport möglich ist. „Bei den Marathons können wir nicht in der obersten Liga mitspielen. Die Ineos-Challenge ist das Höchste, was wir erreichen können“, so der Marathon-Profi. Sollte die Schallmauer in Wien fallen, könnte das eine Lawine auslösen, die den Laufsport im Land weiter voranbringen wird, glaubt Konrad.

Konrad zeigte sich sehr zufrieden, dass das Event in Wien stattfinden wird. „Wir dachten nach dem Antreten von Haile Gebresellassie und Paula Redcliff beim Wien-Marathon, mehr geht nicht mehr, und nun kommt dieses Spektakel nach Wien“, so der Tiroler. Es sei ein „Once in a lifetime"-Ereignis.

„Diese Aufmerksamkeit, die auf uns zukommen wird, können wir uns durch kein Geld in der Welt erkaufen. Wir bekommen durch dieses Event international eine ganz andere Bedeutung“, sagte Konrad im Gespräch mit der „Presse“. Überhaupt sei das Thema Geld überhaupt noch nicht auf den Tisch gekommen. Er selbst habe erst am 13. Juni von dem Projektplan für Wien erfahren. Für den Wien-Marathon könnte die „Ineos 1:59 Challenge“, egal wie sie ausgeht, einen neuen Schub an Interessenten bringen, so der VCM-Chef. Und sollte die Schallmauer durchbrochen werden, bringt das für Wien die Bestätigung, dass die Marathonstrecke zumindest teilweise ganz schnelle Zeiten zulasse.

Nicht als Weltrekord anerkannt

Das Event ist für 12. Oktober 2019 früh morgens geplant. Sollten die Wetterverhältnisse an diesem Tag keine Höchstleistungen zulassen, wurde ein Zeitfenster bis zum 20.Oktober als möglichen Austragungstermin festgelegt. Geplant sind viereinhalb Runden mit einem Kurs von 9,6 Kilometer, der Umrundungen von Lusthaus und Praterstern miteinschließt.

Bereits vor zwei Jahren gab es einen ersten geplanten Angriff auf die Zwei-Stunden-Marke. Damals hatte Kipchoge, Marathon-Olympiasieger in Rio 2016, den Rekord nur knapp verpasst, als er für die 42,195 Kilometer auf der Formel-1-Strecke in Monza 2:00:24 Stunden benötigte. Kipchoges Monza-Bestzeit wurde nicht als Weltrekord anerkannt, da Pacemaker ein- und ausgewechselt wurden. Das würde auch für einen etwaigen Rekord in Wien gelten, zirka 20 Pacemaker sollen sich während des Laufs abwechseln. Auch der eine oder andere Österreicher konnte sich in diesem Feld wiederfinden. Die Teamzusammensetzung sei noch nicht finalisiert, so Crotty.

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2019)

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