Die Tour de France sucht ihren Favoriten

Durch das Fehlen des viermaligen Siegers Chris Froome, Tom Dumoulin und Primoz Roglic ist die Ausgangslage vor der 106. Tour de France offen. Titelverteidiger Geraint Thomas überzeugt nicht, gibt es einen Außensietersieg? Gewinnt gar erstmals seit 1985 ein Franzose?

imago images / Mario Stiehl Inte

Durch das Fehlen des viermaligen Siegers Chris Froome, von Tom Dumoulin und Primoz Roglic scheint die Ausgangslage vor der 106. Tour de France offener als in den vergangenen Jahren. Mit dem heuer bisher noch nicht überzeugenden Titelverteidiger Geraint Thomas und Vincenzo Nibali stehen am Samstag in Brüssel lediglich zwei ehemalige Sieger der großen Schleife am Start.

Trotz der Abwesenheit von Froome, der wie der Vorjahreszweite Dumoulin an Sturzverletzungen laboriert, könnte das Ineos-Team dem Rennen um das Gelbe Trikot trotzdem neuerlich seinen Stempel aufdrücken. Denn neben dem bei der Tour de Suisse wegen eines glimpflich ausgegangenen Sturzes ausgeschiedenen Thomas verfügt der auf allen Positionen topbesetzte Rennstall mit Egan Bernal über einen herausragenden Co-Kapitän.

"Wir haben Chris verloren, aber wir haben Geraint und natürlich noch Egan. Das sind zwei gute Karten, die wir ausspielen können. Wir haben ein starkes Team", betonte Ineos-Sportdirektor Nicolas Portal. Der erst 22-jährige Bernal hat sich zuletzt bestens erholt von einem Schlüsselbeinbruch im Frühling gezeigt und Tour de Suisse gewonnen. "Natürlich ist unsere Ambition, das Rennen heuer wieder zu gewinnen", betonte Bernal und verwies auf die mit Thomas geteilte Führungsverantwortung.

Das Kletterleichtgewicht aus Kolumbien hat sich seit seinem Tour-Debüt im Vorjahr auch im Kampf gegen die Uhr verbessert, dem diesmal mit nur einem, nicht besonders langen Einzelzeitfahren (13. Etappe über 27 km) aber nicht so viel Bedeutung wie sonst zukommt. Das spielt auch Bernals Landsmann Nairo Quintana in die Karten, der auch wegen seiner Zeitfahrschwäche einem Tour-Sieg bisher noch nachfährt. Sein Movistar-Team bietet mit Altmeister und Ex-Dopingsünder Alejandro Valverde und Mikel Landa noch zwei weitere schlagkräftige Klassementfahrer auf. Landa hat wie Italiens Hoffnungsträger Nibali allerdings bereits den Giro d'Italia in den Beinen.

Frischer rollen hingegen Geheimfavorit Jakob Fuglsang (Astana) und Richie Porte (Trek) an die Startlinie. Fuglsang trumpfte heuer schon mehrfach auf und triumphierte unlängst beim richtungsweisenden Dauphine-Criterium. Bei der Tour ist der Däne bisher aber noch nie über einen siebenten Rang hinausgekommen. Auch der Brite Adam Yates (Mitchelton) zählt zum engeren Favoritenkreis.

Die Hoffnungen auf den ersten Heimsieg eines Franzosen seit Bernhard Hinault 1985 ruhen einmal mehr auf Thibaut Pinot (Groupama) und Romain Bardet (AG2R). "Heuer oder nie" titelte deshalb in Anspielung auf die großen Abwesenden und die auf die beiden Kletterer zugeschnittene Route die Sporttageszeitung "L'Equipe".

Die ersten Bergprüfungen beginnen diesmal auf der 6. Etappe in den Vogesen. Besonders hoch hinauf geht es dann in den Pyrenäen wie bei der Bergankunft auf dem Tourmalet (14. Etappe) und in der Schlusswoche in den Alpen. An den zwei Tagen vor der traditionellen Ziel in Paris (28.7.) warten die Bergankünfte in Tignes und Val Thorens.

Abseits des Kampfes um das Gelbe Trikot schicken sich Ex-Weltmeister Peter Sagan (Bora) und Julian Alaphilippe (Deceuninck-Quickstep) an, ihre Siege in der Punkte- bzw. Bergwertung zu verteidigen. Für Sagan wäre es der bereits siebente Gesamterfolg in der Sprinterwertung. Beim Auftakt in Belgien wird übrigens Eddy Merckx groß gefeiert, der vor 50 Jahren seinen ersten Tour-Sieg geschafft hatte.

 

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