Judo: Der Griff nach den WM-Medaillen

Weltmeisterschaften 2019 und Sommerspiele 2020 jeweils in Tokio - wer derzeit im Judo in seiner Hochform agiert, darf sich auf zwei Mega-Events in der Sportkarriere freuen.

OLYMPICS - European Games Minsk 2019
OLYMPICS - European Games Minsk 2019
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Großereignisse im Mutterland des Judo lösen nicht nur bei Sabrina Filzmoser, die 2010 in Tokio mit Bronze die bisher letzte ÖJV-Medaille bei einer WM errang, Gänsehautstimmung aus. Ein Topergebnis hilft auf dem Weg zu Olympia.

Tokio ist dieser Tage im Olympiafieber, schon am Flughafen weisen Plakate auf die Anlässe 2020 hin. "In den U-Bahnen sind in den Waggons Bildschirme, da werden alle Sportarten erklärt. Die olympischen und die paralympischen", berichtete die 39-jährige Filzmoser, die seit knapp einer Woche in Japans Hauptstadt ist und ihrer 14. WM entgegenblickt. Die renovierte, allehrwürdige Judo-Halle "Nippon Budokan" verspreche auch aufgrund der steilen Wände ein Hexenkessel zu werden.

Ein Hexenkessel, den sich Österreichs 12 Kopf großes und starkes Team auch für eigene Belange zunutze machen will. Die WM ist das bestbesetzte Judo-Ereignis überhaupt. Denn anders als bei Olympia dürfen pro Nation zwei Athleten je Nation und Gewichtsklasse antreten, bei den Sommerspielen nur einer.

Auf Kurs

Sechs ÖJV-Kämpfer liegen derzeit in den Olympia-Rankings auf einem Startplatz für die Sommerspiele. Mit 25. Mai 2020 wird abgerechnet, die Top 18 der bereinigten Ranglisten (nur einer je Nation) sind direkt für Olympia qualifiziert. Laut aktuellem Stand wären Filzmoser (bis 57 kg), Magdalena Krssakova (-63), Michaela Polleres (-70) und Bernadette Graf (-78) sowie bei den Herren Stephan Hegyi (über 100) qualifiziert, dazu käme Laurin Böhler (-100) über die kontinentale Quote.

ÖJV-Sportdirektor Markus Moser hat als Ziel ausgegeben, dass "eine Athletin oder ein Athlet aus Österreich am 1. September eine Medaille um den Hals hängen hat". Nach der Trennung des Verbandes von Damen-Nationaltrainer Marko Spittka betreut Moser bei der WM interimistisch die Athletinnen. Polleres ist als Weltranglistenvierte die am besten Gereihte. Nach dem hervorragend verlaufenen Jahr 2018, als sie u.a. EM-Bronze holte und im Masters Dritte wurde, landete sie heuer Ende Juli beim Grand Prix von Zagreb an dritter Stelle.

"Ich hatte eine sehr gute Vorbereitung in Ungarn und Wien, mit dem Podestplatz zuletzt hat es nochmals super gepasst. Jetzt müssen für Olympia noch ein paar Platzierungen her", sagte die 22-Jährige zur APA - Austria Presse Agentur. "Eine Medaille muss her", sind ihre Ziele für die WM hochgesteckt. Dass Judo "daheim" angekommen ist, wie es auch der Weltverband (IJF) twitterte, ist spürbar. "Die Japaner werden das groß aufziehen, es ist ein Volkssport, eine eigene Welt." Im ewigen Medaillenspiegel führt Japan mit 145 Goldmedaillen, dazu kommen 91 in Silber und 103 in Bronze, dahinter liegt Frankreich (52/35/74), Österreich hält bei 4/2/8.

Die Oberösterreicherin Filzmoser fühlt sich in Japan heimisch. "Deswegen bin ich überhaupt noch einmal in eine Olympia-Quali gestartet, weil die Spiele in Tokio sind." Es sei egal, wie lange ihr Medaillengewinn in Tokio her sei. "Es ist einfach ein sehr gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man es schon geschafft hat, in dieser Stadt auf dem Podest zu stehen." In der Stadt, in der Judo gelebt wird. "Ich habe hier den 95-Jährigen zugeschaut, wie sie Judo trainieren. Die stehen sich nicht nur gegenüber und verbeugen sich, die machen richtig Judo."

Hegyis Hoffnungen

Mit einer guten WM-Platzierung ist ein wesentlicher Schritt für die Olympia-Quali gemacht, weiß auch die Team-Älteste. "Da kannst du mit ein bisschen Polster in die anderen Wettkämpfe starten und mit den Kräften haushalten. Aber ausruhen ist nicht erlaubt", weiß Filzmoser.

So sieht das auch Hegyi, der die größte österreichische Hoffnung auf einen Spitzenplatz bei den Männern ist. Der Weltranglistenelfte kam im Februar in Düsseldorf als Dritter erstmals in seiner Karriere auf das Stockerl eines Grand-Slam-Turniers. Zweimal in Folge gewann er bei einer EM nun Bronze, dazwischen lag ein Kreuzbandriss. "Eine Medaille, darauf habe ich hintrainiert", heißt auch der Ergebnis-Fokus des 21-Jährigen, der damit einer der jüngsten Schwergewichtskämpfer bei der WM ist. Und mit 117 Kilogramm bei 1,86 m ist der Schützling von Trainer Axel Eggenfellner auch einer der leichtesten. Mit seiner Technik will er in der Masse bestehen.

(APA)

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