Volleyball: „Jetzt ist es Zeit zu ernten“

Österreich startet am Freitag in Belgien in eine historische EM-Endrunde, der Lohn für die kontinuierliche Arbeit. Teamchef Michael Warm und starke Legionäre prägen den Erfolgsweg.

Italien-Legionär Alexander Berger spielt in der stärksten Liga der Welt und soll das Nationalteam bei dieser EM anführen.
Italien-Legionär Alexander Berger spielt in der stärksten Liga der Welt und soll das Nationalteam bei dieser EM anführen.
Italien-Legionär Alexander Berger spielt in der stärksten Liga der Welt und soll das Nationalteam bei dieser EM anführen. – (c) APA/HELMUT FOHRINGER

Brüssel/Wien. Seit Monaten arbeiten Österreichs Volleyballer darauf hin, am Freitag ist es so weit: In Brüssel erfolgt für das Nationalteam der EM-Auftakt gegen Gastgeber Belgien (20.30 Uhr, live ORF Sport+). Es ist die sechste Teilnahme nach 1955, 1958, 1963 (jeweils per Nennung), 1999 und 2011 (als Gastgeber), erstmals hat sich die Auswahl von Teamchef Michael Warm sportlich qualifiziert und damit die eigene Entwicklung gekrönt. „Wir haben zehn Jahre investiert, jetzt ist es Zeit zu ernten“, betonte Sportdirektor Gottfried Rath, der den EM-Auftritt auch dazu nützen will, mehr Kinder zum Sport zu bringen. „Das ist leichter zu planen, wenn man erfolgreich ist.“

Der Aufschwung im heimischen Volleyball ist eng mit Teamchef Warm verknüpft. Seit neuneinhalb Jahren ist der Deutsche im Amt, hat in dieser Zeit Verband, Training und Mindset auf ein neues Level gebracht. Die Heim-EM 2011 kam noch zu früh, damals wurde Österreich wie zuvor schon 1999 ohne Satzgewinn und bei allen vorigen Turnieren Gruppenletzter. Diesmal sind die Ziele klar höher gesteckt, soll im Sechser-Pool ein Top-vier-Platz und damit der Aufstieg gelingen. Erstmals findet die Endrunde in vier Ländern (neben Belgien fungieren auch Frankreich, die Niederlande und Slowenien als Gastgeber) und mit 24 Mannschaften statt.

Der EM-Favoritenkreis wird von Weltmeister Polen und Titelverteidiger Russland angeführt, Österreich ist ohne Frage Außenseiter in seiner Gruppe: Neben Vize-Europameister Deutschland warten mit Belgien und Serbien zwei Halbfinalisten von 2017. Über den Aufstieg werden deshalb voraussichtlich die Partien gegen die Slowakei und Spanien entscheiden. „Sie sind nicht ganz so hoch wie die anderen einzuordnen“, erklärte Warm. Beide Gegner sind jedoch in der (nicht hochaktuellen) Weltrangliste vor dem Nationalteam (37.) gereiht. „Die Außenseiterrolle liegt uns“, so der 51-Jährige und mahnte: „Wir dürfen nicht zu weit vorausdenken.“ Körperlich sieht er seine Mannschaft für das dichte Programm mit fünf Spielen in sieben Tagen gewappnet, auch für den angestrebten sechsten Auftritt – im Achtelfinale.

 

Im Ausland gereift

Seit Ende Juli bereitet sich das Nationalteam geschlossen auf das Highlight vor, hat erst an der Athletik und zuletzt in den drei Testspiel-Doppeln gegen die Türkei, Rumänien und Nordmazedonien (zwei Siege) am Spielerischen gefeilt. Neben dem Verzicht auf Italien-Legionär Paul Buchegger, der nach einer Meniskusverletzung nicht rechtzeitig fit geworden ist (Warm: „Ein Volleinsatz wäre nicht verantwortbar“), fiel mit Lukas Kühl der Jüngste der Reduktion auf 14 Mann zum Opfer. „Er hat einen Start von null auf hundert hingelegt und wird sicher eine Zukunft im Nationalteam haben“, lobte der Teamchef den 19-jährigen Mittelblocker von Graz. Kühl ereilte das Schicksal, das Alexander Berger, Peter Wohlfahrtstätter und Philipp Kroiss vor der Heim-EM 2011 getroffen hatte.

Inzwischen ist das Trio aus dem Nationalteam nicht mehr wegzudenken und Vorreiter der neuen Volleyballgeneration. War Philipp Schneider vor acht Jahren der einzige Legionär im ÖVV-Aufgebot (diesmal als Co-Kommentator dabei), stehen heuer mit Nicolai Grabmüller, Maximilian Landfahrer und Thomas Tröthann lediglich drei Spieler bei Aich/Dob in der heimischen Liga unter Vertrag. Denn die Tiroler Alpen-Volleys treten mit deutscher Lizenz im Nachbarland an, die derzeit vereinslosen Max Thaller (zuletzt Rumänien) und Alexander Tusch (2. Liga in Italien) werden bei entsprechenden EM-Auftritten ebenso neuerlich im Ausland unterkommen.

Für Teamchef Warm könnte es indes die Abschiedsvorstellung sein, die Vertragsverlängerung ist angesichts seines Engagements bei Champions-League-Starter Friedrichshafen ungewiss. Für Österreichs Verband soll es hingegen der Beginn regelmäßiger Turnierteilnahmen sein, wie Sportdirektor Rath festhielt: „2021 wollen wir mit Männern und Frauen dabei sein.“

AUF EINEN BLICK

Österreichs EM-Spiele: Belgien (Freitag, 20.30 Uhr), Slowakei (Samstag, 20.30), Deutschland (16. 9., 17.30), Spanien (17. 9., 17.30) und Serbien (19. 9., 20.30 Uhr, jeweils live ORF Sport+).

Die Top vier jeder Gruppe steigen auf. Gespielt wird auf drei Gewinnsätze (25 Punkte, mindestens zwei Vorsprung), im fünften Satz auf 15 Zähler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2019)

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