Wimbledon-Wahnsinn zu Ende: Isner gewinnt 70:68

Nach über elf Stunden entschied John Isner das längste Tennis-Match der Geschichte für sich. Alleine der letzte Satz dauerte länger als das bisher längste Tennismatch der Geschichte.

John Isner
John Isner
(c) REUTERS (Suzanne Plunkett)

LONDON (mal). Beim Stand von 47:47 wurde es sogar der Anzeigentafel auf Court 18 zu viel. Sie gab ihren Geist auf. John Isner und Nicolas Mahut ging es nicht viel besser. Sie konnten sich auf Court 18 des „All England Lawn Tennis and Croquet Club" Mittwochabend nur mehr von Punkt zu Punkt schleppen. Das längste Tennismatch der Geschichte zu spielen ist schließlich kein Spaziergang.
Erst am Donnerstag, nach drei Tagen, setzte Isner den Schlusspunkt. Nach insgesamt elf Stunden und fünf Minuten war das epische Duell entschieden, der Amerikaner siegte mit 70:68.

Begonnen hatte das Duell zwischen Isner und Mahut schon am Dienstag. Da musste es beim Stand von 6:4, 3:6, 6:7, 7:6 wegen Dunkelheit abgebrochen werden. Als der Referee Mohamed Lahyani am Mittwoch die Bitten des Franzosen um einen neuerlichen Abbruch erhörte, stand es im fünften Satz 59:59. Alleine der letzte Satz hatte mit 7:06 Stunden schon länger gedauert als das bisher längste Tennismatch der Geschichte. Fabrice Santoro und Arnaud Clement hatten sich 2004 in Paris 6:33 Stunden lang malträtiert. „Auch wir zwei kommen wieder", sagte Mahut nach einer Spielzeit von zehn Stunden erschöpft. „Irgendeiner muss dieses Ding ja gewinnen."

„So etwas wird es nie wieder geben!", sagte der 2,06 Meter große Isner. Er hatte es mehrmals am Schläger gehabt, das Match zu beenden. Bei 10:9, 33:32 und 59:58 hatte er jeweils Matchbälle.

Quasi mit jedem weiteren Schlag haben Isner und Mahut einen neuen Rekord aufgestellt. Neben der Bestmarke für das längste Tennismatch der Geschichte haben Isner und Mahut auch den Rekord für die meisten Games in einem Match aufgestellt. Oder jenen für den längsten Satz bei einem Grand-Slam-Turnier. Oder jenen für die meisten Asse in einem Match. In britischen Wettbüros konnte man tippen, ob der schwedische Schiedsrichter im Laufe des Duells von Nummer 19 (Isner) gegen Nummer 148 (Mahut) einschlafen würde.

Andy Roddick, der am Mittwoch ebenfalls unter den Zuschauern war, fragte: „Muss den niemand aufs Klo?" Der US-Amerikaner spricht aus Erfahrung. Er verlor vor einem Jahr das Wimbledon-Endspiel gegen Roger Federer. Der fünfte Satz (16:14) ist immer noch der längste fünfte Satz in einem Grand-Slam-Endspiel.

Queen in der „Royal Box"

Auch am Donnerstag wurde das Match auf dem lediglich 782 Zuschauer fassenden Platz 18 fortgesetzt und nicht etwa auf den Centre Court verlegt. Dort nahm nämlich erstmals seit 33 Jahren Queen Elizabeth II. in der „Royal Box" Platz, um Andy Roddick bei dessen Sieg über Jarkko Nieminen zu beobachten (6:3, 6:2, 6:4). „Es war schon richtig, dass Isner und Mahut nicht auf dem Centre Court spielen mussten", sagte Tennis-Legende John McEnroe. „Hätten sie sich verbeugen müssen, sie wären nicht mehr hochgekommen."

Etwas schneller ausgeschieden, allerdings schon in der zweiten Runde, ist der Vorarlberger Martin Fischer. Der 23-jährige Qualifikant musste sich dem Brasilianer Thomaz Bellucci nach hartem Kampf 7:6, 6:7, 6:7, 2:6 geschlagen geben. Damit ist Jürgen Melzer der letzte österreichische Drittrunden-Einzelbeitrag in London.

Pulverisierte Rekorde

Längstes Match:

Bisher: 6:33 Stunden (Santoro-Clement 2004 Paris)

Isner/Mahut: 11:05 Std.

Die meisten Games:

Bisher: 112 (Gonzalez-Pasarell 1969 Wimbledon)

Isner/Mahut: 183

Längster 5. Satz bei Grand Slam (Games):

Bisher: 21:19 (Roddick-El Aynaoui 2003 Australien)

Isner/Mahut: 70:68 (8:11 Std.)

Längster 5. Satz in Wimbledon (Games):

Bisher: 20:18 (Philippoussis-Schalken 2000)

Isner/Mahut: 70:68

Längster Satz insgesamt bei Grand Slam (Games):

Bisher: 25:23 (Newcombe-Riessen 1969 US Open)

Isner/Mahut: 70:68

Einzel-Asse in einem Match:

Bisher: 78 (Ivo Karlovic, Daviscup 2009)

Isner 112, Mahut 103

Kombinierte Asse:

Bisher: 96 (Stepanek-Karlovic Daviscup 2009)

Isner/Mahut: 215

("Die Presse", Printausgabe vom 25. Juni)

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