Wien-Wahl: Dinko Jukić tritt für die ÖVP an

30.06.2010 | 16:26 |  Rainer Nowak (Die Presse)

Der Schwimmstar und Bruder von Mirna Jukić soll Stimmen aus der kroatischen Community bringen. Für die junge türkischstämmige VP-Gemeinderätin Sirvan Ekici ist kein Platz mehr auf der Liste.

Die Wiener Volkspartei hat lange gesucht und ihn nun endlich gefunden: einen prominenten Quereinsteiger, der ein Zugpferd für Wähler sein soll, die ursprünglich nicht aus Österreich stammen. Dinko Jukić, die österreichische Hoffnung im Schwimmsport, soll für Christine Mareks VP antreten. Der jüngere Bruder der bekannten Schwimmerin Mirna Jukić werde bei der Wiener Gemeinderatswahl an einem der vorderen Plätze der Liste – sie soll am 7. Juli erstellt werden – aufscheinen.

(c) APA (Roland Schlager) Dinko Jukić während eines Vorlaufes über 200m Schmetterling im Rahmen der Kurzbahn-Schwimm-EM in Istanbul

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Einst Schwimm-Star, bald Politik-Sternchen?

Im Jahr 1989 in Dubrovnik geboren, übersiedelte Jukić 1999 nach Österreich. Er besuchte das Bundesrealgymnasium Marchettigasse – aufgrund guter schulischer Leistungen konnte er dort eine Klasse überspringen und schon 2007 die Matura machen. Heute schwimmt er für den Verein SC Austria Wien. Seine bisherigen sportlichen Erfolge: 2006 gewann er bei den Schwimm-Jugend-Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro zwei Goldmedaillen (400 Meter und 200 Meter Schmetterling). Bei der Weltmeisterschaft 2009 verbesserte er im Vorlauf über 200 Meter Schmetterling seinen österreichischen Rekord. Im Finallauf konnte er diese Zeit nicht mehr erreichen und belegte den sechsten Rang. Bei der EM in Eindhoven und der WM in Manchester holte er vier Medaillen. Mit nur 21 Jahren ist er der bisher dritterfolgreichste österreichische Schwimmstar.

(c) APA (Georg Diener) Dinko mit Schwester Mirna Jukić im Jahr 2008 nach einem Wettkampf in Rijeka

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Kroatische Wähler im Visier

Die ÖVP will mit Jukić vor allem Wähler ansprechen, die aus dem kroatischen Raum stammen. Auf der Strecke bleibt dafür allerdings Sirvan Ekici – für die junge türkischstämmige VP-Gemeinderätin ist kein Platz mehr auf der Liste. Ein Angebot an türkischstämmige und muslimische Wähler weniger – diese Wählergruppe hat die SPÖ deutlicher im Fokus. Etwa mit dem irakischstämmigen Gemeinderat Omar Al-Rawi, der auch in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich als Integrationssprecher engagiert ist. Und die türkischstämmige Gemeinderätin Nurten Yilmaz, die versuchen soll, in ihrer Community Stimmen für die SPÖ zu holen.

Umworbene Ex-Jugoslawen

Aber auch bei den Kroaten haben die Sozialdemokraten immer wieder angeklopft. Besonders pikant dabei: Es kursierten immer wieder Gerüchte, die SPÖ versuche Mirna Jukić als Kandidatin zu gewinnen – bisher ohne Erfolg. Auch von einer eigenen Migrantenliste war immer wieder zu lesen. Um die Exilserben bemühen sich vor allem die SPÖ, die bei diesen traditionell stark ist, und die FPÖ. Deren Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache bemüht gerne die Achse zu den nationalistisch denkenden Serben. Zuletzt etwa mit der neuen FPÖ-Vorfeldorganisation „Christlich-Freiheitliche Plattform für ein freies Europa souveräner Völker“. Die von Konstantin Dobrilovic geführte Organisation ist nicht nur eine Kampfansage an den Islam, sondern auch der Versuch, die nationalistischen und orthodoxen Serben auf dieser Schiene zu gewinnen.

Abgesehen vom Kampf um die Migrantenstimmen sickern mittlerweile auch schon einige andere Namen von der VP-Liste durch: Wie berichtet wird der ursprünglich von den Grünen abgesprungene Gemeinderat Günther Kenesei nicht auf der Liste stehen. Franz-Ferdinand Wolf, Kultursprecher und ehemaliger Kurier-Chef, ist dagegen für seinen Bezirk Hietzing wieder mit von der Partie.

("Die Presse" Printausgabe vom 1. Juli 2010)

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