Jan Ullrich verurteilt: Ex-Tour-Sieger war gedopt

Radsport. Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne befand den Deutschen des Dopings schuldig und erkannte ihm alle Erfolg seit 1. Mai 2005 ab: Er bezahlte dem spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes 80.000 Euro für Doping.

Jan Ullrich
Jan Ullrich
(c) EPA (Bernd Thissen)

Lausanne. Jan Ullrich war einigermaßen genervt. Das Verfahren ziehe sich wie ein Kaugummi, hatte er noch am Wochenende gemeint. Donnerstagmittag beendeten die Richter des Internationalen Sportgerichtshofs CAS das jahrelange Warten mit einem Schuldspruch.
Die CAS-Richter befanden den 38-jährigen Deutschen des Dopings schuldig und sperrten ihn rückwirkend ab 22. August 2011 für zwei Jahre. Die Sperre dürfte Ullrich weniger berühren, er hatte bereits 2007 seinen Rücktritt vom Profisport bekannt gegeben und sich seither auf Hobbyrennen beschränkt. Schmerzlicher dürfte es für ihn aber sein, wegen der Nähe zum spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verurteilt worden zu sein. Der gebürtige Rostocker, der seit Jahren in der Schweiz lebt, hatte bis zuletzt jede Form von Doping geleugnet, die vorgelegten Beweise aber nie angezweifelt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ullrich spätestens seit 1. Mai 2005 zu Fuentes' Klienten gezählt, ihn mehrmals getroffen und ihm rund 80.000 Euro für Behandlungen überwiesen hat. Zudem hat die spanische Guardia Civil bei Blutbeuteln in Fuentes' Labor Ullrichs DNA festgestellt. Zu diesem Ergebnis war die Bonner Staatsanwaltschaft bereits 2007 gekommen und hatte das Verfahren 2008 eingestellt, weil Ullrich einer Strafe von kolportierten 250.000 Euro zugestimmt hatte.

Ullrich darf zwar den Tour-de-France-Sieg 1997 und die Olympische Goldmedaille 2002 behalten, alle Erfolge ab dem 1. Mai 2005 aber werden annulliert. Darunter fallen Ullrichs dritter Rang bei der Tour de France 2005 und der Sieg bei der Tour de Suisse 2006. Vom Start bei der Frankreich-Rundfahrt im Jahr 2006 war er wegen der vermuteten Dopingverwicklung von seinem Team T-Mobile kurzfristig zurückgezogen worden.

Die Entscheidung des CAS birgt für einige Beobachter zwei Überraschungen: Erstens, dass Ullrich für zwei Jahre gesperrt wird. Und zweitens, dass das Gericht dem Antrag des Internationalen Radsportverbandes UCI nicht nachkam. Die UCI hatte eine lebenslange Sperre gefordert, weil Ullrich im Jahr 2002 schon einmal wegen der Einnahme von Amphetaminen für sechs Monate gesperrt worden war.

Etappensieg für Lance Armstrong

Jan Ullrich wurde damit vom CAS ebenso verurteilt wie der Spanier Alberto Contador am Montag. Die dritte dominierende Erscheinung im Radsport der vergangenen Jahre feierte dieser Tage hingegen einen Etappensieg: Lance Armstrong. Bundesstaatsanwalt Andre Birotte ließ ausrichten, das Dopingverfahren gegen Armstrong sei eingestellt. Die Kritiker wollen sich damit nicht zufriedengeben. Sie sammeln weiter Beweise.

Kommentar zu Artikel:

Jan Ullrich verurteilt: Ex-Tour-Sieger war gedopt

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen