Lukas Königshofer: "Mit dem Ballgefühl der Mutter"

Sport liegt ihnen im Blut: Roland Königshofer gehörte zu den erfolgreichsten heimischen Radsportlern. Sein Sohn Lukas ist seit der Winterpause Stammtorhüter bei Rapid. Ein "Presse"-Interview.

Koenigshofer Ballgefuehl Mutter
Koenigshofer Ballgefuehl Mutter
Lukas Königshofer – (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Josef Bollwein)

Sport wird in der Familie Königshofer großgeschrieben. Roland Königshofer war wie sein Bruder Thomas Radsport-Profi, seine Frau Monika Handballerin bei Hypo. Ihr Sohn, Lukas Königshofer, beginnt heute in Wiener Neustadt die Frühjahrssaison als Einser-Tormann bei Fußballrekordmeister Rapid.

 

Herr Königshofer senior, wieso konnten Sie Ihren Sohn nicht für Radsport begeistern?

Roland Königshofer: Lukas hat gleich mitbekommen, dass Radfahren für ihn nichts ist. Einmal ist er bei der Österreich-Rundfahrt neben mir gestanden und der Reporter hat ihn gefragt, wann er mit dem Radfahren beginne. Er hat gesagt: ,Ich bin nicht blöd. Das ist viel zu gefährlich und da kann man nichts verdienen.“ Und gleichzeitig ist der Fußball aufgekommen.

Lukas Königshofer: Begeistert wart ihr nicht davon.

Roland Königshofer: Das ist übertrieben. Bei uns hat niemand was mit Fußball zu tun gehabt. Als Lukas ein Jahr alt war, habe ich ihn oft bis um vier Uhr früh beschießen müssen – auf einer Matte, mit Luftballons oder Schaumgummibällen. Durchs Kinderzimmer segeln war für ihn einfach das Coole. Das Ballsporttalent, das Ballgefühl hat er aber sicher von der Mutter.

Gab es eigentlich Nachteile, immer nur „der Sohn von Roland Königshofer“ zu sein?

Lukas Königshofer: Es gab schon eine Zeit, da kamen im Jugendbereich oft Vorwürfe der Begünstigung. Das ist mir ziemlich auf die Nerven gegangen. Das hat ein paar Jahre gedauert, aber dann war es mir schon komplett wurscht.

Roland Königshofer: Jetzt bin ich „der Vater von Lukas Königshofer“! Das wollten wir erreichen. Aber es gab auch andere Nachteile. Viele Trainer haben ihn nicht spielen lassen, aus Angst vor dem Vorwurf der Begünstigung.

Jetzt dürfen Sie spielen, haben im A-Team von Rapid debütiert und kommen als Stammspieler aus der Winterpause. Geht Ihnen der Aufstieg zu schnell?

Lukas Königshofer: Für mich ist eher immer alles zu langsam gegangen. Ich bin ein ungeduldiger Mensch, was sicher alle meine Trainer bestätigen können. Die mussten mich immer eher bremsen als bei mir Gas geben.

Sie haben sich bei Rapid gegen Helge Payer und Jan Novota durchgesetzt. Wie läuft ein Torwarttraining ab mit drei potenziellen „Einsern“?

Lukas Königshofer: Nicht anders als vorher. Jeder will das Beste aus sich herausholen. Die anderen trainieren nicht anders und ich schon gar nicht.

Seit einigen Jahren ist die Torwartposition auch eine Problemzone im Nationalteam. Wurde hier eine Entwicklung verschlafen?

Lukas Königshofer: Ein Problem sehe ich nicht, es hat immer gute Torleute gegeben. Es hat sich einfach nie eine fixe Nummer eins herauskristallisiert.

Sie wollen also in naher Zukunft auch die Nummer eins des Nationalteams sein?

Lukas Königshofer: Wenn man Einser-Tormann bei Rapid ist, dann wird sich das Thema sicher ergeben. Ob es jetzt, in einem halben oder in einem Jahr passiert, wird von mir abhängen.

Roland Königshofer: Angeblich hat er sich bereits vorgestellt, dass er 2014 im Flieger mit Marcel Koller mit einem Glas Champagner drauf anstößt, dass der ÖFB die Reise nach Brasilien zahlt...

Rapid wurde nach einer durchwachsenen Hinrunde Winterkönig. Was ist da für die Rückrunde noch drin?

Lukas Königshofer: Sicher ist die Hinrunde nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben, aber wenn man am Ende oben steht, kann man nicht alles falsch gemacht haben. Unser Ziel ist ganz klar: Wir werden Meister. Das muss immer das Ziel bei Rapid sein. Bis dahin ist es aber noch ein hartes Stück Arbeit. Salzburg hat ja wieder einen „Wunderstürmer“ verpflichtet.

War die Kritik in der Hinrunde zu hart?

Lukas Königshofer: Wenn es super läuft, hast du bei Rapid die meisten Schulterklopfer. Wenn es schlecht läuft, muss man auch mit Kritik leben. Es hat auch uns geärgert, dass wir teilweise einen Mist zusammengespielt haben. Aber Erster sind wir trotzdem.


Bereitet die Unruhe im Umfeld Probleme?

Lukas Königshofer: Wenn ein paar hundert Leute auf das Feld rennen, dann schon. Aber mit dem müssen wir leben, deshalb geht die Welt nicht unter.

Sie hatten schon Probetrainings bei Blackburn und West Ham. Haben Sie schon Auslandsengagements im Blick?

Lukas Königshofer: Ich denke manchmal darüber nach. Aber das sind langfristige Pläne. Jetzt gehe ich die Rückrunde bei Rapid an. Dann kann man weitersehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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