Dakar: Wenn Mensch und Maschine an Grenzen stoßen

Am Samstag startet der legendäre Rallye-Klassiker zum 34. Mal. In den folgenden 15 Tagen verlangen Südamerikas Sanddünen, Wüsten und Berge den Teilnehmern auf rund 8500 Kilometern alles ab.

Rallye Dakar
Rallye Dakar
Rallye Dakar – (c) APA JÜRGEN SKARWAN (JÜRGEN SKARWAN)

Lima/Wien. Sand, Hitze, unendlich viel Staub, Felsen, tausende Kilometer und kaum Schlaf – eindeutig, die Dakar-Rallye steht wieder auf dem Programm. Am Samstag erfolgt in Lima, Peru, der Startschuss zur 34. Ausgabe des Offroad-Klassikers, der für viele die größte Herausforderung darstellt, die der Motorsport zu bieten hat.

Auf rund 8500 Kilometern kämpfen sich Pkw, Motorräder, Quads und Trucks quer durch Südamerika. Mensch und Maschine erwartet ein Kampf gegen die Natur. Die vierzehn Etappen des legendären Rennens führen die Teilnehmer durch die Sanddünen Perus und Argentiniens, die chilenische Wüste sowie in die Anden und sorgen für eine gnadenlose Selektion von Mitläufern und potenziellen Siegern. Nur die wenigsten des Rekordteilnehmerfeldes von 459 gemeldeten Fahrzeugen aus 53 Nationen dürfen sich realistische Hoffnungen machen, 15Tage später auf dem Podium im chilenischen Präsidentenpalast in Santiago de Chile eine Hand an eine Trophäe legen zu dürfen.

 

„Alles andere als Spazierfahrt“

Neben den gewohnten Tücken wartet die diesjährige Streckenführung auch mit einer nostalgischen Neuerung auf. Zum ersten Mal seit die Rallye 2009 aus Sicherheitsgründen von Afrika nach Südamerika übersiedelt ist, wird sie in der traditionellen Nord-Süd-Richtung gefahren. Mit der Renneröffnung in Lima feiert in diesem Jahr auch Perus Hauptstadt ihr Rallye-Debüt. „Das wird alles andere als eine Spazierfahrt entlang der Küste zwischen Lima und Santiago. Die schwierigen Etappen garantieren uns einen hoch spannenden Wettbewerb“, sagt Renndirektor Etienne Lavigne.

Ein ständiger Begleiter der Dakar ist auch die Gefahr, insgesamt 61 Todesopfer hat die vielleicht härteste aller Rallyes gefordert – darunter ihr Begründer Thierry Sabine. Im Vorjahr verstarb der argentinische Motorradpilot Jorge Andrés Boero am ersten Tag nach einem Sturz. Ihren Reiz konnte dies der Dakar aber nicht nehmen; auch heuer werden wieder unzählige Schaulustige vor Ort erwartet, über zwei Milliarden Menschen in 189 Ländern das Rennen vor dem Fernseher verfolgen.

 

Wettrennen der Sieger

Für Spannung steht nicht nur die Strecke, sondern auch das hochklassige Fahrerfeld. Immerhin gehen gleich die Gewinner der vergangenen vier Jahre an den Start. Rekordsieger Stephane Peterhansel (sechs Titel auf dem Motorrad, vier im Pkw) nimmt die Titelverteidigung in der Pkw-Königsklasse für X-Raid erneut im Mini in Angriff. Nach leichten Regeländerungen ist die wahre Stärke des Franzosen jedoch ebenso schwer einzuschätzen wie die seiner wohl härtesten Konkurrenten: Rallye-Legende Carlos Sainz (Sieger 2010) und Nasser Al Attiyah (2011). Sainz, zweifacher Rallye-Weltmeister aus Spanien, gibt nach einjähriger Pause sein Comeback und setzt sich wie der Katari Al Attiyah für das Qatar Red Bull Rally Team hinter das Lenkrad eines selbst konstruierten Fahrzeuges. Auch der Südafrikaner Giniel de Villiers, Gewinner 2009, gilt mit Toyota als Sieganwärter.

Bei den Motorrädern will Neueinsteiger Honda mit Hélder Rodrigues dem elffachen Seriensieger KTM Konkurrenz machen. Das österreichische Team schickt mit Cyril Despres auch den Vorjahressieger ins Rennen, muss aber den Ausfall des dreifachen Dakar-Siegers und Vorjahreszweiten Marc Coma hinnehmen. Der Spanier leidet an den Nachwirkungen einer bei der Marokko-Rallye erlittenen Schulterverletzung und wird durch US-Neuling Kurt Caselli ersetzt. „Marc ist einer unserer Schlüsselfahrer. Wir sind enttäuscht, aber die Gesundheit geht natürlich vor“, sagt KTM-Manager Alex Doringer. Für sein Team geht mit Ferdinand Kreidl auch der einzige Österreicher ins Rennen. Der 45-Jährige erfüllte sich im Vorjahr mit der Teilnahme einen Herzenswunsch, ein technisches Gebrechen beendete damals jedoch den Traum der Zielankunft.

Bei den Trucks sinnt das Team Kamaz nach der letztjährigen Niederlage gegen Iveco auf Revanche. Obgleich kein Sieganwärter, sorgt der Japaner Yoshimasa Sugawara für Aufsehen: Der 71-Jährige verbessert seinen eigenen Rekord auf 31 Dakar-Teilnahmen.

Auch „externe“ Prominenz ist in diesem Jahr wieder vertreten. Ex-Skispringer Adam Malysz strebt bei seinem zweiten Antreten eine deutliche Ergebnisverbesserung an. Im Gegensatz zum ehemaligen Skirennläufer Luc Alphand, der bei seinem Debüt 2005 gleich Zweiter wurde und im Jahr darauf gewann, war der Pole bei seinem Erstantritt im Vorjahr in gleich drei Unfälle verwickelt und belegte am Ende Rang 37. Dennoch kam Malysz im Ziel ein Lächeln über die Lippen: „Es war ein Traum. Ein sehr anstrengender Traum.“

 

Moretti, Bloéb fahren in Afrika

Während in Südamerika noch des Startschusses geharrt wird, läuft auf der Stammroute der Rallye Dakar jenseits des Atlantiks bereits seit 27.Dezember das „Africa Race“. Als Nachfolgebewerb führt es seine Teilnehmer bis 9.Jänner zum fünften Mal über die Strecke von Paris nach Dakar. Der Herausforderung stellen sich auch die Schauspielbrüder Tobias Moretti und Gregor Bloéb auf dem Motorrad. „Brutal anstrengend und wunderschön zugleich“, lautete Morettis erstes Resümee, der nach drei von elf Etappen 18. der Gesamtwertung war. Bloéb lag auf Platz zehn.

Auf einen Blick

Die Rallye Dakar startet am Samstag zum 34. Mal. Aus Sicherheitsgründen übersiedelte das Rennen 2009 von Afrika nach Südamerika. In diesem Jahr stellt sich die Rekordzahl von 459 Pkw, Motorrädern, Quads und Trucks den rund 8500 Kilometern über Sanddünen, Wüste und Berge. Die vierzehn Etappen von Lima nach Santiago werden heuer erstmals wieder in der traditionellen Nord-Süd-Richtung gefahren.

Das Africa Race fährt seit 27.Dezember die ursprüngliche Strecke der Rallye Dakar von Paris nach Dakar ab. Die Schauspielbrüder Tobias Moretti und Gregor Bloéb lagen in der Motorradklasse nach
drei von elf Etappen auf Rang 18
bzw. zehn der Gesamtwertung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2013)

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