Alarmstufe Rot in der Formel 1

Ferrari droht aufgrund des ab 2021 geltenden Motorreglements mit dem Abschied aus der Königsklasse. Auch Mercedes und Renault sind unglücklich, es geht um Sound, Speed und Geld.

Mehr als nur ein Rücklicht, eher ein Warnsignal, das Ferrari an die Formel 1, ihre Rechteinhaber und den Automobilweltverband ausgeschickt hat.
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Mehr als nur ein Rücklicht, eher ein Warnsignal, das Ferrari an die Formel 1, ihre Rechteinhaber und den Automobilweltverband ausgeschickt hat.
Mehr als nur ein Rücklicht, eher ein Warnsignal, das Ferrari an die Formel 1, ihre Rechteinhaber und den Automobilweltverband ausgeschickt hat. – (c) APA/AFP/PEDRO PARDO

Maranello/Paris. Der eigentliche Sinn des Motorsports und Grund seiner Existenz ist das Streben der Industrie nach Entwicklung, Verkaufsplattformen und Markensicherung. Fahrer sind seit jeher die Versuchskaninchen, sie testen Errungenschaften wie ABS oder Airbags aus. Hersteller verdienen Milliarden damit, dass ihre Rennwagen (nicht nur) irgendwelche Kart- oder Tourenwagenserien gewinnen, sondern Werbung für die Marke machen. Besonders Sportwagenhersteller profitieren von Serien wie der Formel 1, für Ferrari ist die Königsklasse seit ihrem Ursprung der wahre Autosalon.

Seit Dienstag hängt wieder einmal der Haussegen schief zwischen Formel 1, Besitzer Liberty Media und dem Automobil-Weltverband FIA, der letztlich Interessen seiner Mitglieder (Automobilklubs) und Repräsentanten (Hersteller) umzusetzen versucht. Die Rahmendaten für das Antriebsreglement ab der Saison 2021 sorgten für Unruhe und Streit. Die Boliden sollen weiterhin von einem 1,6-Liter-Turbomotor befeuert werden, die Hybridlösung fällt weg. Um dennoch ein ähnliches Leistungsniveau zu gewährleisten, wird die maximale Drehzahl um 3000 Umdrehungen erhöht.

„Sollten wir Umstände vorfinden, deren Ergebnisse der Erhaltung von Marke und Markt nicht zuträglich sind“, polterte Ferrari-Präsident Sergio Marchionne, „und die die einmalige Position Ferraris nicht stärken, dann machen wir nicht mehr mit.“ Drohten zuletzt alternierend Renault, Red Bull und zeitweilen auch Mercedes mit einem Abschied, tritt nun das Flaggschiff gegen Bürokratie und Regelhüter an.

Marchionne warnte sogar eindringlich davor, die Rennserie drastisch zu verändern. „Wenn wir den Sandkasten so umbauen, dass er nicht mehr länger als Sandkasten zu erkennen ist, macht es weder Spaß noch Sinn. Wir wollen nicht weltweit Nascar spielen.“ Nascar ist eine US-Rennserie, die in den Staaten zwar begeistert, aber in Europa keine Emotionen weckt. Es galt auch als Seitenhieb auf Liberty Media, einen US-Konzern.

 

Verkauf, Strategie

Der Motor der Zukunft müsse einfacher, billiger und weitaus lauter sein als der umstrittene 1,6-Liter-V6-Hybridantrieb, entgegnet F1-Geschäftsführer Chase Carey allen Kritikern. Die aktuelle Lösung würde bedeuten, dass höhere Drehzahlen nicht mehr Power bringen, aber mehr Treibstoff verbrennen. Offen kommuniziert wurde das nicht, warum auch: Es ist keineswegs geschäftsfördernd in Zeiten umweltfreundlicher Verkaufsstrategien.

Ferrari ist noch bis 2020 an die Königsklasse gebunden, die Formel E noch keine Option, also der Absprung nicht sehr wahrscheinlich. Zumindest beim Verkauf der noblen Sportwagen fährt der italienische Autobauer auf Rekordkurs. Der Konzern aus Maranello meldete für das dritte Quartal 2017 ein Rekordergebnis, der Gewinn kletterte um 24 Prozent auf 141 Millionen Euro – ohne Titel in der Formel 1 seit 2007. Auch das dürfte ein Anlass gewesen sein, doch einmal nachzurechnen. „Wir können uns noch nicht ohne Formel 1 definieren. Sie ist Teil unserer DNA.“

Auch Mercedes und Renault äußerten Bedenken zum neuen Reglement. Beide Hersteller befürchten eine Kostenexplosion, ein Wettrüsten, sagt Mercedes-Sportchef Toto Wolff. „Wir müssen ein Konzept finden, das für alle funktioniert.“ Nur Honda, ab 2018 neuer Partner von Toro Rosso und ab 2019 von Red Bull Racing, gab noch keine Stellungnahme zum neuen Motorenreglement ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2017)

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