Moto-GP: Spielberg im Motorradfieber

Der Red-Bull-Ring erwartet wieder über 200.000 Fans, die Rennleitung ist für Andreas Meklau „kein Selbstläufer, aber schon Routine“. Ducati untermauerte seine Favoritenrolle.

Die Ducati-Piloten (im Bild der Spanier Jorge Lorenzo) sind auch in Spielberg die großen Gejagten.
Die Ducati-Piloten (im Bild der Spanier Jorge Lorenzo) sind auch in Spielberg die großen Gejagten.
Die Ducati-Piloten (im Bild der Spanier Jorge Lorenzo) sind auch in Spielberg die großen Gejagten. – (c) APA/ERWIN SCHERIAU

Spielberg. Es glich ein wenig der Ruhe vor dem Sturm. Kein Stau bei der Anfahrt zum Red-Bull-Ring in Spielberg am Freitag, auf dem Gelände herrschte reges Treiben, aber noch kein Gedränge. Das wird sich bis zum Rennen am Sonntag (14 Uhr, live, Servus TV, Eurosport) ändern, denn die Moto-GP wird auch heuer wieder über 200.000 Zuschauer in die Obersteiermark locken und ist damit die größte Sportveranstaltung im Land. „Gastfreundschaft, Landschaft und eine Rennstrecke in Topzustand“, weiß Andreas Meklau um die Vorzüge des Red-Bull-Rings. Seit acht Jahren ist er als Rennleiter in Spielberg für den reibungslosen Ablauf verantwortlich und schwärmt von seinem Arbeitsreich: „Wir sind die einzige Strecke auf diesem Level, die eine so saubere und gepflegte Anlage hat.“

Sechs Wochen nach der Formel 1 herrscht mit der Motorrad-WM wieder Hochbetrieb, stressen lässt sich Meklau aber längst nicht mehr. „Es ist kein Selbstläufer, aber schon Routine“, erklärt der 51-Jährige. 400 Mitarbeiter gilt es zu koordinieren, Unruhe kommt nur bei Stürzen auf. „Das ist das Risiko im Rennsport, das kann man nicht verhindern“, weiß der Ex-Profi. Die Sicherheit hat deshalb oberste Priorität, die Rettungskette ist bestens trainiert. „Da ist jeder Handgriff klar.“

 

Rossi begeistert

Am Nachmittag ergoss sich ein Wolkenbruch über Spielberg. Hartgesottene Fans harrten auch auf den unüberdachten Tribünen aus, die Moto-GP-Stars gingen nach einem Crash in der Moto 3 erst mit Verspätung auf die Strecke. Zuvor hatte es im Fahrerlager gewuselt, zahlreiche Fans versuchten, einen Blick auf ihre Idole zu erhaschen. Die größte Abordnung fand sich vor dem Yamaha-Bus ein, allgegenwärtig die Nummer 46 von Valentino Rossi. Eine Stunde lang mussten sich die Anhänger nach dem ersten Training gedulden, bis der italienische Altstar auftauchte und unter lautstarken „Vale!“-Rufen und zahlreichen Handykameras Autogramme schrieb. Teamkollege Maverick Viñales ging währenddessen unbehelligt im Motorhome ein und aus.

Auch für Meklau ist der 39-jährige Rossi nach wie vor eine der schillerndsten Figuren im Zirkus. „In diesem Alter noch um den Sieg mitzufahren ist nicht leicht und zeichnet ihn aus“, so der Steirer. Weltmeister Marc Márquez habe mit seinem riskanten Fahrstil und extremen Schräglagen das Level für alle gehoben. „Deshalb gibt es nur eine Handvoll Fahrer, die um das Podest mitfahren.“

Rekordweltmeister Rossi, obwohl in der laufenden WM Zweiter mit 49 Punkten Rückstand auf Márquez, wartet allerdings schon seit 20 Rennen auf seinen 90. Moto-GP-Sieg. „Wir sind derzeit nicht gut genug“, verwies „Il Dottore“ auf anhaltende Probleme mit seiner M1. „Wir brauchen Zeit, die Yamaha weiterzuentwickeln.“

 

Ducati hat Hattrick im Visier

In der Favoritenrolle sind die zuletzt in Brünn siegreichen Ducatis, denn auf der steirischen Berg-und-Tal-Powerstrecke kommen der PS-Vorteil sowie die Aerodynamik des italienischen Herstellers besonders gut zum Tragen. Seit dem Moto-GP-Comeback in Österreich triumphierte mit Andrea Iannone (2016) und Andrea Dovizioso (2017) jeweils ein Ducati-Pilot. Der Vorjahressieger markierte dann auch am Vormittag vor Teamkollegen Jorge Lorenzo die Trainingsbestzeit. „Sie fahren derzeit auf einem hohen Level“, hat auch Honda-Star Márquez anerkannt, der die WM-Führung in jedem Fall behaupten wird.

Ein spannendes Rennen scheint garantiert, den Ausfall der beiden KTM-Piloten Pol Espargaró und Mika Kallio bedauert jedoch auch Meklau. „Das tut uns allen weh“, erklärte der Rennleiter. Die Kombination aus Lederhose und orangem Leiberl war schon am Freitag gut vertreten, die Unterstützung der KTM-Tribüne gilt am Sonntag Bradley Smith. „Das Gute ist, dass sich die ganze Crew jetzt auf einen Fahrer konzentrieren kann“, meinte der Brite zum reduzierten Aufgebot. Davor darf das orange Fanlager sowohl in der Moto 3 als auch in der Moto 2 die Daumen drücken, die KTM-Fahrer Marco Bezzecchi bzw. Miguel Oliveira führen jeweils die WM an, in der kleinsten Klasse geht mit Maximilian Kofler, 17, dank Wildcard auch ein Österreicher an den Start.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2018)

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