Formel 1: Premierensieg in trauriger Andacht

Charles Leclerc fuhr in Spa zu seinem allerersten Sieg und dem ersten für Ferrari in diesem Jahr. Die Freude war jedoch wegen des Todesfalls von F2-Pilot Anthoine Hubert getrübt.

Sieger Charles Leclerc (Mitte) und seine Geste an den verstorbenen Anthoine Hubert.
Sieger Charles Leclerc (Mitte) und seine Geste an den verstorbenen Anthoine Hubert.
Sieger Charles Leclerc (Mitte) und seine Geste an den verstorbenen Anthoine Hubert. – (c) REUTERS (JOHANNA GERON)

Spa/Wien. Es war einer dieser Gänsehautmomente, als sich in Runde 19 alle Zuschauer entlang der Rennstrecke in Spa erhoben und lautstark applaudierten. Es war die letzte Ehre für den am Samstag im F2-Rennen verunglückten Franzosen Anthoine Hubert. Bereits vor dem Grand-Prix-Start wurde eine Schweigeminute abgehalten, schon am Vormittag hatten sich Mutter und Bruder des Verunglückten vor dem F3-Rennen mit allen Fahrern zu einer solchen eingefunden. Zudem gingen alle F1-Teams mit Stickern „Racing for Anthoine“ und dessen Startnummer 19 an den Start.

Am Ende fuhr Charles Leclerc aus der Pole-Position zu seinem und Monacos allerersten Sieg in der Formel 1 und dem ersten für Ferrari in diesem Jahr. Der 21-Jährige triumphierte vor dem Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Valtteri Bottas. „Schwierig an einem Wochenende wie diesem“, funkte Leclerc hörbar gerührt an die Box und blieb danach erst einmal noch im Cockpit sitzen. „Ich kann diesen Sieg nicht so genießen, wie ich gern würde“, gestand der 108. Sieger in der Geschichte der Motorsportkönigsklasse. Auf dem Podest hatte Leclerc in der einen Hand den Siegerpokal, mit der anderen zeigte er für Hubert gen Himmel.

„Ich freue mich für Charles, habe alles gegeben und nichts unversucht gelassen“, sagte Hamilton, der seinen WM-Vorsprung als Zweiter weiter ausbaute. „Es ist ein wackliges Wochenende gewesen, aber dann hatte ich ein solides Qualifying und Rennen, also bin ich sehr glücklich. Natürlich willst du immer gewinnen, aber wir können sie nicht alle gewinnen.“

 

Das Risiko fährt immer mit

Der Horrorcrash von Hubert hat der gesamten Motorsportfamilie die stets mitfahrende Gefahr drastisch in Erinnerung gerufen. Der 22-jährige Franzose ist das erste Todesopfer an einem F1-Rennwochenende seit 1994, als in Imola erst Roland Ratzenberger und später Ayrton Senna verunglückt sind. Jules Bianchi erlitt im Oktober 2014 beim GP von Japan schwere Verletzungen und erlag diesen neun Monate später.

„Alle diese Fahrer riskieren ihr Leben, sobald sie auf die Strecke gehen. Das muss mit mehr Ernsthaftigkeit anerkannt werden, denn das wird nicht getan“, schrieb Weltmeister Hamilton in einem emotionalen Instagrampost und fand starke Worte für den verunglückten Hubert: „Anthoine ist für mich ein Held, weil er dieses Risiko eingegangen ist, um seine Träume zu verwirklichen.“

Hubert war in der zweiten Rennrunde mit seinem Boliden nach einem Kontakt mit der Leitplanke auf die Strecke zurückgeschleudert und dann querstehend vom Wagen des Amerikaners Manuel Correa mit Höchstgeschwindigkeit gerammt worden. Correa ist trotz Überschlages mit Beinbrüchen sowie einer kleineren Wirbelsäulenverletzung davongekommen und befindet sich in stabilem Zustand auf der Intensivstation im Spital in Lüttich.

Während das F2-Rennen abgebrochen und das für Sonntag geplante Sprintrennen abgesagt wurde, kam eine Verschiebung des F1-GP für Veranstalter und FIA nicht infrage. „Wir machen das mit schwerem Herzen und tragen die Erinnerung an Anthoine in uns“, war vor dem Start auf dem offiziellen Twitteraccount der F1 zu lesen. „Genau wie für Anthoine ist Racing unsere Passion und unser Traum. Es definiert uns. Also fahren wir heute für Anthoine. Heute und für immer werden wir ihn ehren.“

Bitter endete der „Heim-GP“ für Max Verstappen, der in Belgien geboren wurde. Nach einer Kollision mit Kimi Räikkönen war das Rennen für den zweifachen Saisonsieger nach der ersten Kurve vorbei.

GP VON BELGIEN Ergebnis

1. Charles Leclerc (MON) Ferrari 1:23:45,710 Std.
2. Lewis Hamilton (GBR) Mercedes +0,981
3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes +12,585
4.
Vettel (GER) Ferrari +26,422, 5. Albon (THA) Red Bull +1:21,325, 6. Perez (MEX) Racing Point +1:24,448, 7. Kwjat (RUS) Toro Rosso +1:29,657, 8. Hülkenberg (GER) Renault +1:46,639, 9. Gasly (FRA) Toro Rosso +1:49,168, 10. Stroll (CAN) Racing Point +1:49,838.

WM-Stand: 1. Hamilton 268, 2. Bottas 203, 3. Max Verstappen (NED) Red Bull 181.
Konstrukteurs-WM: 1.
Mercedes 471, 2. Ferrari 326.

Nächstes Rennen: GP von Italien (8. September).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.09.2019)

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