Motorsport: Kubica droht nach Unfall Karriereende

Der F1-Pilot verunglückte als Gastfahrer bei einer Rallye in Italien. Kubica erlitt schwere Verletzungen. Seine Hand konnte gerettet werden, der Pole bangt nun aber um seine Karriere.

Motorsport Drama Robert Kubica
Motorsport Drama Robert Kubica
Auto – (c) AP (Roberto Ruscello)

Genua/Dat. Motorsport ist sein größtes Hobby, und daher wollte sich der Formel-1-Pilot Robert Kubica auch bei einer Rallye behaupten. Nach den letzten Testfahrten in Valencia für das Lotus-Team und Bestzeiten erteilte der Rennstall dem Polen die Freigabe für die Teilnahme an der Rallye „Ronde di Andora“ am Sonntag in Norditalien.

Mit einem Skoda Fabia S2000 wollte Kubica in der Allradszene aufhorchen lassen, so wie es vor ihm Motorrad-Champion Valentino Rossi oder sein ehemaliger F1-Konkurrent Kimi Räikkönen gemacht haben. Kubicas „Gastauftritt“ aber endete nach sechs Kilometern der ersten Sonderprüfung jäh.

Laut Angaben der Veranstalter war Kubicas Skoda in der Gemeinde San Lorenzo auf nassem Asphalt ins Schleudern geraten und gegen eine Leitplanke gekracht. Der Wagen wurde zurückgeschleudert und prallte mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Kirchenmauer. Während sein Beifahrer Jakub Gerber aus dem Wrack kletterte und unverletzt blieb, musste Kubica von der Feuerwehr  geborgen werden.

Rechte Hand zertrümmert

Der 26-Jährige wurde anschließend mit dem Hubschrauber in das Krankenhaus Santa Corona in Petra Ligure eingeliefert. Kubica erlitt mehrere Knochenbrüche und innere Verletzungen. Vor allem war seine rechte Hand  zertrümmert.

Bei der Erstversorgung im Spital war Kubica bei Bewusstsein, die Ärzte begannen sofort mit einer  Notoperation. Ein Spezialist für Handchirurgie wurde hinzugezogen. Die Operation dauerte sieben Stunden, der leitende Arzt Igor Rossello gab sich Sonntagabend "verhalten zufrieden". Der "Gazzetta dello Sport" zufolge hatte Robert Kubica sogar eine Amputation beider Hände gedroht. "Die Hand lebt", wurden die Ärzte in der Gazzetta zitiert. Sie schlossen aber weitere Eingriffe nicht aus und erklärten, es könne ein Jahr dauern, bis die Funktionsfähigkeit der Hand wieder hergestellt sei.

Es ist nicht der erste schwere Unfall, in den Kubica verwickelt ist. 2003 brach er sich bei einem Unfall mit seinem Privat-PKW einen Arm. Und in der Königsklasse des Motorsports, in der Kubica am 6. August 2006 in Budapest als erster Pole debütierte, hatte er 2007 einen der spektakulärsten Unfälle in der F1-Geschichte nahezu unverletzt überlebt. Im Grand Prix von Kanada in Montreal war er damals im BMW-Sauber im wahrsten Wortsinn abgeflogen. Der Wagen war mit 240 km/h frontal gegen die Leitplanke gedonnert und wurde dabei komplett zerstört. Der Pole blieb ohne Blessuren und trug „nur“ ein Schleudertrauma davon. Einen Tag nach dem Crash traf er sich schon wieder mit seinen Kollegen zum Abendessen und scherzte. Ein Jahr später feierte der Krakauer an gleicher Stätte seinen ersten und bisher einzigen Grand-Prix-Sieg.

Reiz der unbekannten Kurve

Mit dem Rallye-Unfall scheint seine Rennfahrerkarriere aber endgültig beendet. Es ist die Frage, warum das Lotus-Team dem Stammfahrer die Freigabe für den Gastauftritt erteilte angesichts des nahenden Saisonauftaktes am 13. März in Bahrain. Auch sind Rallyeautos, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen, bei Weitem nicht so sicher wie ein Formel-1-Renner. Zwar gibt es Überrollbügel, Sicherheitsgurte, Schalensitze und Airbags, aber noch kein die Fahrgastzelle schützendes Monocoque, das in allen Formel-Klassen längst zum Standardrepertoire zählt.

Robert Kubica war von den schnellen Rallyeautos fasziniert. In der Formel 1, erzählte er gern in Interviews, wisse er „zu 80 oder 90 Prozent, was passieren wird, wenn ich die Kurve anfahre. Bei einer Rallye weiß ich es nicht“. Der Pole betonte dabei stets das „Fragezeichen vor Augen“ – er suchte schlichtweg den Adrenalinkick. Nachdem er ihn auf der Rundstrecke nicht fand, suchte er ihn auf der Landstraße.

Wer Robert Kubica jetzt bei Lotus-Renault ersetzt, ist vorerst offen. Als Ersatzfahrer stehen jedenfalls der Franzose Romain Grosjean (24) und der Brasilianer Bruno Senna (27) zur Verfügung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2011)

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