Turnlegende Latynina traut Phelps Medaillenrekord zu

24.07.2012 | 11:42 |   (DiePresse.com)

Larissa Latynina hält bei 18 olympischen Medaillen und hat damit zwei mehr als Michael Phelps. Die 77-Jährige "bewundert sein Talent" und glaubt, dass der US-Schwimmstar in London ihre Bestmarke überbieten wird.

Schwimmstar Michael Phelps hat bei seiner letzten großen sportlichen Mission speziell noch einen wichtigen olympischen Rekord im Visier. Nachdem er nach der Anzahl an Goldmedaillen 2008 in Peking mit 14 Titeln zum erfolgreichsten Olympioniken geworden war, wäre er mit zumindest drei London-Podesträngen auch der Medaillenanzahl voran. Der 27-Jährige hat zusätzlich zwei Bronze verbucht, also 16 Medaillen. Rekordhalterin ist die Turn-Legende Larissa Latynina mit 18 Medaillen.

Die gebürtige Ukrainerin hat dies 1956 in Melbourne, 1960 in Rom und 1964 in Tokio geschafft. Sie brachte es für sich und die Sowjetunion auf insgesamt neun Gold-, fünf Silber- und vier Bronzemedaillen. Latynina erlebt das Großereignis in der britischen Hauptstadt als 77-Jährige und hat keinen Zweifel daran, dass Phelps sie in der nächsten Woche der Medaillenanzahl überflügeln wird. "Darüber wäre ich nicht verbittert", erklärte sie auf Anfrage. Rekorde seien dazu da, gebrochen zu werden.

Latynina: "Phelps ist ein netter junger Mann"

"Er ist ein großer Champion und ein sehr netter junger Mann. Ich wünsche ihm alles Gute, denn ich bin ein großer Bewunderer seines Talents. Ich liebe es, ihn schwimmen zu sehen." Latynina hat Phelps heuer bei einem Sponsor-Termin in New York erstmals getroffen. "Er sollte in London zumindest drei Medaillen gewinnen." Gut möglich, dass sie dem US-Ass dabei zusieht, ist die Pensionistin doch auf Einladung des Internationalen Turnverbandes (FIG) bei den Spielen.

Zieht man ihre Tätigkeit als Coach der Sowjet-Turnerinnen mit ein, könnte Latynina vor Phelps bleiben. Denn in Trainerfunktion brachte sie es bei den Spielen 1968 in Mexiko-City, 1972 in München und 1976 in Montreal auf weitere zehn Goldmedaillen, hält damit genau genommen bei 19 Titeln. Phelps müsste also fünf seiner sieben London-Rennen gewinnen, um gleichzuziehen bzw. sechs für die alleinige Führung. "Da hat er noch ein bisschen einen Weg vor sich", meinte Latynina lächelnd.

Schwanger zu fünf Mal Gold

An ihre eigenen olympischen Triumphe kann sich Latyinina noch gut zurückerinnern. Wenn sie daran denkt, leuchten ihre Augen. "Ich weiß noch alles. Jedes Olympia war ein Erlebnis für sich." Speziell auch die WM 1958 in Moskau, als sie im vierten Monat schwanger war und in sechs Bewerben fünf Gold und ein Silber geholt hat. Die Schwangerschaft hat sie übrigens damals allen inklusive ihrem Coach Alexander Mischakow verheimlicht. "Er hätte mich sonst nie antreten lassen."

Latyninas Fokus bei den XXX. Sommerspielen liegt allerdings nicht nur auf den Turnbewerben und Phelps. "Ich kann es nicht erwarten, Bolt laufen zu sehen. Er ist anders, nicht von dieser Welt." Auch Tennis-Ass Roger Federer wird von der rüstigen Seniorin bewundert. "Abgesehen von seinen herausragenden Ergebnissen spielt er mit soviel Würde und Stil. Er ist so ein gutes Vorbild und ein großer Athlet", sagte die neunfache Weltmeisterin bzw. 14-fache WM-Medaillengewinnerin.

Latyina glaubt nicht, dass sie um so viel talentierter war als ihre Konkurrentinnen in den Fünfzigern und Sechszigern. "Es war nur meine Zielstrebigkeit und mein Siegeswille. Ich hatte dieses Wettkampf-Gen in mir. Verlieren wollte ich nie, das habe ich gehasst." Mittlerweile verbringt Latyinina ihre Zeit häufig in ihrem Gemüsegarten in ihrer Bleibe außerhalb von Moskau und spielt gerne und viel mit ihren Enkelkindern.

(ag)

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