China: Hilft Pariser Konzern Peking bei Zensur?

Satellitenbetreiber Eutelsat drehte einen chinesischen Privatsender ab. NTDTV ist nun in ganz Asien nicht mehr zu empfangen. Offiziell seien technische Probleme für den Ausfall verantwortlich.

(c) EPA (Qilai Shen)

Wien (zoe). „Für Chinesen ist der TV-Sender das einzige Fenster in die Welt, das die Wirklichkeit zeigt“, schrieb ein besorgter Zuseher aus Fujian in China. Und dieses dürfe nicht geschlossen werden. Doch seit Mitte Juni ist der chinesischsprachige TV-Sender „New Tang Dynasty“ (NTDTV) mit Sitz in New York – der weltweit sendet, aber in China verboten ist – in ganz Asien nicht mehr zu empfangen. Der in Paris ansässige Satellitenbetreiber Eutelsat hat den unabhängigen Privatsender vom Netz genommen.

Die offizielle Begründung lautet, technische Probleme seien für den Ausfall verantwortlich. Doch die Betreiber von NTDTV sind der Meinung, dass Paris dem Druck Pekings nachgegeben hat und so als langer Arm der Regierung Zensur ausübt. Als „Verbrechen gegen Millionen Chinesen“ und als „schwere Verletzung der Pressefreiheit“ bezeichnete die NTDTV-Korrespondentin in Wien, Milene Wirth-Fernandez, bei einem Pressegespräch die Geschehnisse. Sie beruft sich auf bisher unveröffentlichte Gespräche, in denen ein Mitarbeiter von Eutelsat bestätigt, dass Peking zufriedengestellt und die Tür für lukrative Geschäfte mit der chinesischen Regierung geöffnet werden soll. Eutelsat-Chef Giuliano Berretta hat, nur kurz bevor der unabhängige Sender abgedreht wurde, einen Millionen-Deal mit China abgeschlossen.


Keine Kritik rund um Spiele

Die Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ ist davon überzeugt, dass knapp einen Monat vor Eröffnung der Olympischen Spiele keine Kritik erwünscht ist. Neben den von der kommunistischen Partei kontrollierten Sendern werde unabhängige Berichterstattung nicht geduldet. Erst Ende Juni wurde der Internet-Journalist Sun Lin zu vier Jahren Gefängnis verurteilt – offensichtlich wegen seiner Artikel über Machtmissbrauch im Vorfeld der Spiele.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2008)

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