Shaun White, König der Halfpipe

Freestyle-Snowboarder Shaun White ist seiner Favoritenrolle im Halfpipe-Bewerb gerecht geworden.

Pyeongchang 2018 Winter Olympics
Pyeongchang 2018 Winter Olympics
REUTERS

Snowboarder Shaun White ist mit seinem dritten Olympiasieg in der Halfpipe endgültig zu einer Allzeitgröße im Sport aufgestiegen. Der Multi-Millionär - das Nachrichtenmagazin "Time" schätzt sein Vermögen auf 40 Millionen Dollar (32,43 Mio. Euro) - hat am Mittwoch in einem hochklassigen Finale erneut seine Ausnahmestellung unter Beweis gestellt.

White vergoss nach seinem emotionalsten Sieg Freudentränen. Im Herbst des vergangenen Jahres verletzte sich der US-Amerikaner bei einem Sturz in Neuseeland schwer. Die Ärzte rekonstruierten sein zerfetztes Gesicht mit 62 Stichen. Am Tag danach erschien sein Coach Jarret Thomas mit einem Blumenstrauß und spielte dem US-Superstar auf dem Handy die Aufnahmen des Horrorunfalls vor - White drehte sich schockiert ab, er wusste: Der schlimme Unfall in der aufgeweichten Halfpipe von Cardrona hätte ihn das Leben kosten können.

Der heute 31-Jährige kämpfte sich zurück und sorgte bereits am fünften Tag der Spiele für wohl eine der prickelndsten Geschichten in Südkorea. "Wir haben das beste Halfpipe-Finale der Geschichte gesehen", ließ TV-Experte Gian Simmen, 1998 erster Halfpipe-Olympiasieger, keine Zweifel offen. Als das japanische Wunderkind Ayumu Hirano mit seiner perfekten Double-Cork-1440-Kombo vorgelegt hatte, ließ der Pipe-Maestro die makellose Kopie folgen - als Schluss-Fahrer und notabene erstmals in seiner Karriere mit zwei Vierfach-Rotationen hintereinander.

Seit eineinhalb Dekaden gibt er die Trends und Richtungen vor, seit seinem ersten von 13 Siegen bei den X-Games hat White nur eine schwere Niederlage hinnehmen müssen - jene in Sotschi vor vier Jahren, wo er sich mit Platz vier begnügen hatte müssen. In Turin und Vancouver sicherte sich der Kalifornier jeweils Gold.

Die Enttäuschung seines Lebens verarbeitete White in einer Art, die ihm niemand und er sich wohl selber nicht zugetraut hätte: mit Grandezza, ohne Verbitterung. "Ich habe bis dahin nie etwas Größeres verloren", bekannte er in einem Interview mit "USA Today". "Irgendwann habe ich gemerkt: Hey, ich bin ja immer noch am Leben, es geht weiter." Ihm seien die Augen geöffnet worden; danach verbrachte er einen Sommer mit Freunden, hatte Spass, fand neue Inspiration - und kam nach einer längeren Selbstreflexion zum Schluss: "Ich bin mit mir selber im Reinen."

Im Zirkus hat der Superstar nicht nur Freunde. Ihm wird teilweise vorgeworfen eine eigene Agenda zu verfolgen. Um die Boarder-Family kümmert er sich außerhalb von Aspen und Olympia in der Tat nur marginal. Die WM der FIS hat ihn nie interessiert, auf der Weltcup-Tour tauchte er seit 2001 exakt einmal außerhalb von Nordamerika auf. Dennoch hat der Superstar seinen Ruf als bester Halfpipe-Fahrer aller Zeiten erneut bestätigt.

(APA)

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