Pyeongchang: Absagenfluch und Windspiele

Der Winter in Korea kennt kein Erbarmen, aber vor Ort waren diese Verhältnisse bekannt. Verschiebungen von vier Skirennen irritieren, IOC und FIS kalmieren - es gebe genug Zeit. Jetzt kommen "Super"-Donnerstag und "Super"-Freitag. Ausfälle wären historisch, Verlängerung über den 25. Februar hinaus ist ausgeschlossen.

Pyeongchang 2018 Winter Olympics
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Pyeongchang 2018 Winter Olympics
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Pyeongchang. Der Wind ist bisher der wirklich große Spielverderber bei Olympia in Pyeongchang gewesen. Zuletzt fielen ihm nun am Mittwoch der Slalom und der Biathlon der Damen zum Opfer. Damit kommt es zu Verschiebungen und einem Termin-Chaos am Donnerstag.

Skirennen knackig eng hintereinander, das Warten bei Serviceleuten, Zögern bei Zuschauern und Ärgern bei Sportlern. Skirennen wurden prompt abgesagt, Skispringen und Snowboard-Halfpipe trotz Sturms durchgezogen. Es herrscht Ungleichheit in der Olympia-Welt.

Lockere Sprüche, noch

Der Veranstalter, das Internationale Olympische Komitee (IOC), sieht die dritte Absage beim vierten geplanten Alpin-Rennen relativ gelassen. „Wenn der Wind noch 15 Tage weiterbläst, dann haben wir ein Problem. Im Moment ist es okay. Der Ski-Weltverband FIS ist an Störungen durch Wind und Wetter gewöhnt“, sagt IOC-Sprecher Mark Adams.

Der „Super-Donnerstag“

Das „Zitat des Tages“ liefert im Gegenzug prompt FIS-Renndirektor Atle Skaardal: „Es hat einige Stunden gar nicht superschlecht ausgesehen.“ Angesichts der Vorhersagen und weiteren Prognosen mit bis zu 100 km/h Wind kam es etwas überraschend, dass der Damenslalom nicht gleich in der Früh abgesagt wurde.

Damit kommt es am heutigen Donnerstag zu einem Programm-Stau – so der Wind mitspielt. Um 2 Uhr (Mitteleuropäischer Zeit) sollte der erste Durchgang des Damen-RTL stattfinden. Um 3.30 Uhr die Abfahrt der Herren – mit Matthias Mayer nach dem Sturz in der Kombination. Um 5.15 Uhr startete der zweite Damen-RTL-Lauf. Und auch der Freitag erhielt den Status „Super“: Es wartet der Damen-Slalom (2/5.15 Uhr) und der Super-G der Herren (3 Uhr).

Am Sonntag startet noch der Herren-RTL (2.15/5.45 Uhr; es ist Marcel Hirschers zweite Goldchance). Wer Skirennen gerne live sehen will, muss derzeit also auf den Schlaf verzichten.

Verschiebungen, kein Olympia-Novum in Asien

In Korea ist man scharfe, eiskalte und sehr windige Winter gewöhnt. Die aktuellen Bedingungen sind ist keine Überraschung. IOC, Veranstalter und TV-Stationen wussten, was sie vorhatten bei der Planung. Dennoch: Entwarnung ist in Sicht, der Wind soll ab morgen abnehmen. Die Temperaturen sollen steigen. Olympia findet statt.

Dennoch, ein Bonmot: Wegen heftiger Sturmböen wurden Mittwochmittag die Sub-Pressezentren am Gangneung Oval der Eisschnellläufer und an der Gangneung Ice Arena der Eiskunstläufer geräumt. Die Pressezentren befinden sich in Zelten, die durch Stahlrohrkonstruktionen getragen werden und im Sturm ins Wanken gerieten. Alle Journalisten wurden aufgefordert, die Zelte zu verlassen.

A policeman stands next to a barricade which fell over due to high winds outside Gangneung Hockey Centre, in Gangneung
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A policeman stands next to a barricade which fell over due to high winds outside Gangneung Hockey Centre, in Gangneung
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Obwohl Gitter, Schirme und Absperrungen durch die Luft flogen, klingt es dennoch nach Entwarnung. Wenn der Wind wie vorhergesagt nachlässt, finden alle Rennen statt. „Wir haben dann Temperaturen von minus zwei bis minus sieben Grad“, beteuert Sung Baik You vom Organisationskomitee. „Bewölkt, aber kein Wind!“ Eine Verlängerung der Winterspiele von Pyeongchang über den 25. Februar hinaus ist ausgeschlossen. Findet ein Rennen nicht statt, ist es ersatzlos gestrichen.

Da war doch: 1998, Nagano!

Verschiebungen bei Winterspielen sind kein Novum. 1998 wurde die Abfahrt sogar um fünf Tage verschoben, auch der Super-G litt darunter – sehr zur Freude von Hermann Maier, der deshalb nach seinem Sturz starten konnte. Damals wurden in Japan insgesamt sieben Rennen verschoben. Ähnliches war von der Ski-WM in Morioka 1993 oder der Nordischen WM in Sapporo 2007 berichtet: Blizzarde sind im asiatischen Winter keine Seltenheit. Wetterwechsel ebenso.

Dazu steht dieser Tage das große Kofferpacken an: Freitagabend wechseln die Damen in das Abfahrts-Resort Jeongseon, die Herren gegengleich in das Technikgebiet Yong Pyong. Da werden Hirschers Serviceleute einen großen Lastwagen brauchen: er hat hier nicht wie kommuniziert 30 Paar Rennski dabei, sondern 92 Paar Rennski. Auch für den Konvoi mit dieser heiklen Fracht wäre es wünschenswert, wenn es windstill wäre.

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