Schwere Niederlage für Österreichs Abfahrtsherren

Österreichs Asse gehen in der Abfahrt von Jeongseon leer aus, es ist ein historisch schlechtes Ergebnis. Gold sichert sich der Norweger Aksel Lund Svindal.

ALPINE-SKIING-OLY-2018-PYEONGCHANG
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APA/AFP/ROBERTO SCHMIDT

Die Olympia-Abfahrt in Südkorea hat einen norwegischen Doppelsieg und eine Enttäuschung für Österreich gebracht. Aksel Lund Svindal triumphierte am Donnerstag in der alpinen Königsdisziplin 12 Hundertstel vor seinem Landsmann Kjetil Jansrud. Bronze sicherte sich 18 Hundertstel zurück am Donnerstag der Schweizer Weltmeister Beat Feuz.

Die vier Österreicher avancierten bei perfekten äußeren Bedingungen nur zu Nebendarstellern. Vincent Kriechmayr fuhr 0,94 Sekunden hinter Svindal als bester Österreicher auf Rang sieben. Der Olympiadebütant lag rund eine Dreiviertel Sekunde hinter Bronze. Der angeschlagene Titelverteidiger Matthias Mayer (1,21) als Neunter sowie Max Franz (1,50) und Hannes Reichelt (1,51) auf den Rängen elf und zwölf hatten mit der Medaillenentscheidung ebenfalls nichts zu tun. Das Quartett hat bereits am Freitag am Freitag im Super-G die Chance zur Revanche.

Ex-Weltmeister Svindal sorgte für den ersten norwegischen Abfahrtserfolg in der Olympiageschichte. "Ein Doppelsieg, das ist ein Riesentag für uns, das ist richtig schön", jubelte der 35-jährige nach seinem zweiten Olympia-Titel nach dem Super-G-Erfolg 2010. Vor acht Jahren war Svindal in der Abfahrt noch knapp an Gold vorbeigeschrammt.

Österreichische Enttäuschung

Jansrud durfte sich über seine zweite Abfahrtsmedaille nach Bronze 2014 freuen. "Man muss super zufrieden sein mit Silber. Für Aksel und mich ist das ein tolles Erlebnis, wir sind stark skigefahren, glaube ich", meinte der Silbermedaillengewinner. Der nach drei Weltcupsaisonsiegen als Topfavorit gestartete Feuz holte sich ein Jahr nach seinem WM-Titel sein erstes Olympia-Edelmetall. "Auf eine Art ist es sicher ärgerlich mit 18 Hunderstsel, aber es zählen die Medaillen, auf dem Podest zu stehen, ist auch etwas Unglaubliches", sagte der Schweizer.

Kriechmayr sprach dagegen von einem bitteren Ergebnis. "Natürlich wollte ich um eine Medaille kämpfen, es ist mir nicht gelungen, schade, dass es den Kollegen auch nicht gelungen ist. Es war nicht gut genug, gratuliere an Aksel", sagte der Oberösterreicher, zwischen dem und die Medaillenränge sich Dominik Paris (ITA), Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen (GER) und Peter Fill (ITA) gesetzt hatten. Er sei ganz gut gefahren, im Ziel aber "fast ein bisschen erschrocken", so Kriechmayr. Nun gelte es im Super-G zurückzuschlagen. "Natürlich ist das jetzt bitter, aber morgen ist eine neue Chance für uns."

Reaktionen zur Olympia-Abfahrt:

Aksel Lund Svindal (Olympiasieger): "Das ist richtig cool. Es gibt Sachen, die man im Kopf hat, die richtig cool wären. Die sind mehr ein Traum als ein Ziel. Heute ist so ein Tag. Ich habe Riesenrespekt vor dem der den Gesamtweltcup gewinnt, aber für den Augenblick ist das wunderschön. Ich bin richtig glücklich. Diese Olympiade ist noch nicht fertig. Ein bisschen genießen, aber dann muss man sich schon auf morgen konzentrieren. Einen Olympiasieg kann man auch nach drei, vier Tagen noch feiern."

Kjetil Jansrud (Silbermedaille): "Für uns bedeutet das alles. Wir haben viele Jahre hart gearbeitet als Team. Man muss super zufrieden sein. Manchmal geht es mit Fehlern, manchmal ohne. Ein tolles Erlebnis. Eine Fahrt von uns beiden zusammen wäre weiter vorne. Aber so läuft es nicht."

Beat Feuz (Bronzemedaille): "Ja, ich glaube es gibt beide Seiten. Auf einer Seite sind die 18 Hundertstel ärgerlich. Aber es sind olympische Spiele, da ist ein Podestplatz etwas Wunderbares. Im Mittelteil nach dem zweiten größeren Sprung bin ich fast am Innenski ausgerutscht. Dort habe ich sicher drei Zehntel verloren, die fehlen mir dann am Ende natürlich.

Vincent Kriechmayr (als Siebenter bester Österreicher): "Ich bin ganz gut gefahren, glaube ich. Bester Österreicher ist mir egal. Ich wollte um Medaillen kämpfen. Schade, dass es mir und den Kollegen nicht gelungen ist. Gratulation an Aksel. Die letzten Rennen, wo ich meine Leistung abrufen habe können, war ich trotz Fehlern dabei. Ich habe mich im Ziel fast erschrocken. Natürlich ist das bitter, aber morgen ist eine neue Chance. Im Super G waren wir diese Saison stark. Darauf müssen wir aufbauen."

Matthias Mayer (9.): "Es zipft mich brutal an. Das muss man jetzt abhaken. Im Training hat es gut gepasst. 1,2 Sekunden hinten war ich die ganze Saison nicht, ich muss mir das anschauen, speziell im Mittelteil haben wir sehr viel Zeit verloren. Natürlich habe ich die Verletzung gespürt, ich habe versucht, es so gut wie möglich auszublenden."

Max Franz (11.): "Ich hab ein bisschen viel Bewegung gehabt. Der Ski hat gezogen. Es ist ein bisschen viel Rückstand. Das zipft mich schon etwas an. Sie (die Medaillengewinner, Anm.) sind sehr gute Teilzeiten gefahren. Jansrud zum Beispiel war im oberen Teil sehr schnell. Aber auch jeder von uns (Österreichern) hat gute Teilzeiten gehabt. Mothl war oben gut dabei, Vincent und ich haben im Mittelteil gut mitgehalten. Es ist auf jeden Fall schade, dass wir heute nicht mitkämpfen haben können. Morgen ist die nächste Chance. Da geht es uns allen gleich: Da wollen wir was mitnehmen."

Hannes Reichelt (12.): Ich habe alles gemacht, was ich konnte. Mit so einer Fahrt bei den Klassikern in Wengen oder Kitzbühel bin ich sicher in den Top fünf. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles getan. Heute kann ich nicht mehr machen. An so einem Tag muss alles zusammen passen. Der Platz ist natürlich nicht zufriedenstellend. Wenn es Passagen gibt, wie die Steilhangausfahrt in Kitzbühel, trennt sich die Spreu vom Weizen, die gibt es hier nicht. Ich mag den Hang aber und gehe mit einem guten Gefühl in den Super G. Neuer Tag, neues Glück."

(red.)

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