Biathlon: Landertingers Rückkehr ins Rampenlicht

Vor fünf Monaten musste sich Dominik Landertinger, 29, noch einer Bandscheiben-OP unterziehen. Jetzt gewann er sensationell Bronze.

Dominik Landertinger
Dominik Landertinger
Dominik Landertinger – GEPA pictures

Die Biathlon-Arena, eingebettet in den nordischen Cluster dieser Winterspiele in Pyeongchang, war Donnerstagabend überraschend gut gefüllt. Ein Blick über die Tribünen löste ausnahmsweise einmal keinen Frust aus, Fans etlicher Nationen hatten sich zum 20-km-Bewerb der Biathleten versammelt. Fans schwangen deutsche, schwedische, amerikanische, vereinzelt auch österreichische Fahnen. Das Publikum hatte internationalen Touch, bloß Koreaner sah man wenige. Dabei machte der einzige Lokalmatador im 86-köpfigen Feld einen guten Job, er wurde 20. Sein Name: Timofei Lapschin, ein erst im Vorjahr eingebürgerter Russe. Lapschin war aber ohnehin nur eine Randfigur, die Bühne gehörte anderen.

Der älteste aller Biathlonbewerbe ist für Zuschauer eine durchaus zähe Angelegenheit. Er dauert länger als alle anderen, wird aufgrund der versetzten Startzeiten der Athleten schnell unübersichtlich und ist daher nicht nur für die Fernsehregie eine Herausforderung. Und er ist, vor allem im Vergleich zu Verfolgung und Massenstart, spannungsarm. Aus österreichischer Sicht hatte sich unter den kräftigen Flutlichtern im Alpensia Biathlon Center aber ein unerwartet spannendes Rennen entwickelt. Dominik Landertinger, für gewöhnlich eher als starker Läufer denn als sicherer Schütze bekannt, verfehlte keinen seiner 20 Schüsse. Das ist deswegen so bemerkenswert, weil es nur zwei weiteren Athleten gelang. Für jeden Fehlschuss verlangt das Regulativ über 20 km eine Strafminute. Hätte sich Landertinger auch nur einen geleistet, er hätte später nicht über Bronze gejubelt, sondern wäre als Siebenter mit leeren Händen und langem Gesicht dagestanden.

Wenig Hoffnung

So aber entwickelten sich die 20 Kilometer auf der Loipe zu einem Lauf ins Glück, obwohl der Oberösterreicher längst noch nicht die Laufform vergangener Tage erreicht hat. Erst im September hatte sich Landertinger einer Operation an den Bandscheiben unterzogen, Ende Oktober stieg er ins Training ein. Ein eigentlich uneinholbarer Rückstand gegenüber der Konkurrenz. Am 5. Jänner war Landertinger im Sprint von Oberhof in den Weltcup zurückgekehrt, wurde 51. Drei Wochen zuvor war er noch im zweitklassigen IBU Cup gestartet.

Für Pyeongchang hatten ihn eigentlich nur kühne Optimisten auf der Medaillenrechnung, die ersten beiden Bewerbe in Südkorea hatten wenig Hoffnung gegeben, am allerwenigsten dem 29-Jährigen selbst. Nach den Plätzen 25 (Sprint) und 26 (Verfolgung) war Landertinger der Verzweiflung nahe, es drohte eine Saison ohne jegliches Glücksgefühl zu werden. Dann folgten 20 Schüsse und 20 km zu Bronze. „Das vergangene Jahr war extrem hart, ich bin wirklich überwältigt“, sagte Landertinger, dessen Stern vor fast exakt neun Jahren an diesem Ort aufgegangen war.

Damals, 2009

Bei den Weltmeisterschaften 2009 in Pyeongchang triumphierte der gebürtige Braunauer im Massenstart, ohne davor ein Einzelrennen im Weltcup gewonnen zu haben. Ole Einar Bjørndalen, der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten, adelte ihn daraufhin zu seinem legitimen Nachfolger. Eine vage Prognose, der Vergleich hinkt. Landertinger hält mittlerweile bei zwei Weltcupsiegen, der 15 Jahre ältere Bjørndalen bei 94 (jeweils Einzel).

Während Bjørndalen diesen Spielen aber fernbleiben musste – er verpasste die interne Qualifikation – jubelte Landertinger über seine insgesamt vierte Olympiamedaille. Geschlagen wurde der Routinier nur vom achtfachen Saisonsieger Johannes Thingnes Bö (zwei Schießfehler) und dem fehlerfreien Slowenen Jakov Fak.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.2.2018)

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