Toni Giger: "Ich bin keiner, der davonläuft"

Drei Rennen ohne Medaille: ÖSV-Herrentrainer Toni Giger über Frust und was er dennoch am Team schätzt. "Die Kritik muss ich aushalten, sonst wäre ich als Chef auf dem falschen Posten."

(c) APA (Harald Schneider)

Drei Rennen ohne Medaille, da müssen doch auch im Trainerteam die Alarmglocken läuten?

Toni Giger: Wir sind hier, um Medaillen zu holen, und das hat bisher nicht geklappt. Für das Trainerteam gibt es aber eine andere Perspektive: Wir analysieren, warum es so gelaufen ist.

 

Und warum ist es so gelaufen?

Giger: Um Erfolg zu haben, müssen alle Details am TagX von oben bis unten zusammenpassen, das betrifft die Leistung der Trainer, der Läufer, der Serviceleute. Wir haben keinen einzigen Lauf zusammengebracht, der von oben bis unten so war, dass alles zusammengepasst hat.

 

Was kann man vor Riesentorlauf und Slalom für Lehren ziehen?

Giger: Bei den Rennen bislang haben wir bei den Übergängen ins Flache zu viel riskiert und zu selten das Tempo mitgenommen. Das wird auch ein bestimmendes Thema beim Riesentorlauf sein.

 

Sie haben in den elf Jahren als Cheftrainer auch ganz andere Zeiten erlebt, hätten sie nicht manchmal Lust alles hinzuwerfen?

Giger: Nein, ich bin keiner, der davonläuft. Die Kritik muss ich aushalten, sonst wäre ich als Chef auf dem falschen Posten. Zum einen haben wir bei Olympia noch zwei Rennen, zum anderen ist im Weltcup noch viel möglich. Am Tag nach dem Weltcup-Finale beginnt eine dreiwöchige Analysezeit, und dann werden wir sehen, was weiter passiert.

 

Sie sind sehr ehrgeizig und zielorientiert, da muss Sie ein Resultat wie im Super-G getroffen haben. Wie gehen Sie mit so einer Situation um?

Giger: Es war ganz schlimm. Zum Glück wohnen wir ein bisschen abseits, und so habe ich mich erst einmal eingesperrt und geschrien. Dann habe ich das Rennen auf Video analysiert und verstanden, was passiert ist. Aber eines gefällt mir sehr: Es hat schon Mannschaften gegeben, die in so einer Situation auseinandergefallen sind, das ist bei dem Team nicht so, da ist ein großer Zusammenhalt da.

ZUR PERSON

Toni Giger
(* 15. 3. 1963, Salzburg) ist seit 1999 Cheftrainer der ÖSV-Skiherren und gilt als einer der Väter des Wunderteams um Hermann Maier und Stephan Eberharter. Bei den Spielen in Vancouver hingegen blieb sein Team bislang ohne Medaillenerfolg.

Der ÖSV ist im heutigen Riesentorlauf (18.30, 22 Uhr/ORF1) mit Marcel Hirscher, Benjamin Raich, Romed Baumann, Philipp Schörghofer und Benjamin Raich vertreten. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2010)

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