Novak Djokovic: Der Alleinherrscher von Melbourne

Novak Djokovic wehrte im Finale den Angriff seines schottischen Freundes und Herausforderers Andy Murray in vier Sätzen ab. Der serbische Weltranglistenerste machte seinen Australian-Open-Hattrick perfekt.

Novak Djokovic
Novak Djokovic
Novak Djokovic – (c) EPA (MARK DADSWELL)

Melbourne/Wien. Auf Grand-Slam-Ebene ist es eine absolute Rarität, dass das erste Break in einem Match vorentscheidenden Charakter hat. Als Novak Djokovic beim Stand von 6:7, 7:6, 4:3 den Aufschlag seines Kontrahenten durchbrochen hatte, waren sich beide Spieler der Bedeutung dieses Breaks sofort bewusst. 33 Games hatte es gebraucht, ehe einer der beiden Akteure eine echte Schwäche offenbarte. „Novak hatte fortan das Momentum. Dann war es schwer, ihn zu stoppen“, gestand Andy Murray später.

Der Schotte hatte im Australian-Open-Finale Großes geplant. Noch wie war es einem Profi gelungen, seinem ersten Major-Titel beim unmittelbar nächsten Grand-Slam-Turnier Titel Nummer zwei folgen zu lassen. Auch der amtierenden US-Open-Champion scheiterte an diesem Vorhaben. Nach 3:40 Stunden war die 7:6, 6:7, 3:6, 2:6-Niederlage, seine fünfte in einem Major-Endspiel, besiegelt.

Nach dem gewonnenen ersten Satz und einem starken Beginn im zweiten Satz deutete vieles auf einen Erfolg Murrays hin, doch Djokovic, das Stehaufmännchen, hatte noch Reserven. Der Serbe beging mit Fortdauer des Spiels immer weniger Fehler, sein Gegner verzweifelte zunehmend. Mit dem ersten Break des Spiels im dritten Satz meldete sich Murrays strapazierter Körper zu Wort.

Erinnerungen an Roger

Der Weltranglistendritte war im Halbfinale am Freitag vier Stunden gegen Roger Federer auf dem Platz gestanden, wirkte zwei Tage später bei Weitem nicht so agil wie Djokovic, der einen Tag länger ruhen durfte. „Ich war doch etwas steif“, bestätigte Murray und ergänzte: „Es ist nicht so, dass du nach einem Vierstundenspiel wach wirst und dich großartig fühlst.“

Murrays elfte Niederlage gegen Djokovic im 18. Vergleich setzte ihm zwar zu, jedoch konnte er damit besser umgehen als in der Vergangenheit. Der Brite nahm seinen Silberteller schmunzelnd entgegen, bittere Finalniederlagen werfen ihn nicht mehr aus der Bahn. „Ich war nicht so nervös wie in den großen Matches zuvor“, bemerkte der 25-Jährige, der sein neues Selbstverständnis dem Sieg bei den US Open 2012 verdankt. „Dieser Triumph hat mir so vieles erleichtert.“ Der Brite wollte  sich nicht lange mit den möglichen Gründen für die Enttäuschung beschäftigen. Er zog es vor, seinem Freund zu gratulieren.

„Novak, es ist unglaublich, was du hier geleistet hast. Du hast es absolut verdient.“ Der Schützling von Ivan Lendl ist in den letzten zwei Jahren spielerisch wie menschlich gereift. Er weiß: „Alles geht in die richtige Richtung.“

Paris und Nadal können kommen

Djokovic, der nach dem verwandelten Matchball davon absah, sich wie nach dem letztjährigen Finale das Shirt vom Leib zu reißen, war also erneut nicht zu schlagen. Seit drei Jahren verzweifelt die Konkurrenz zu Jahresbeginn regelmäßig am Dauerläufer aus Belgrad. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, diesen Pokal wieder zu gewinnen. Ich liebe dieses Turnier, ich liebe diesen Platz“, flirtete „Nole“ gekonnt mit dem Publikum.

Der humorvolle Serbe genoss nicht immer das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen. Über Jahre bewegte er sich fast unsichtbar im Schatten von Roger Federer und Rafael Nadal. Erst im Juli 2011 übernahm Djokovic die Vorherrschaft. Das erfolgreichste Jahr seiner Karriere bescherte ihm drei Grand-Slam-Titel, einzig in Paris kam ihm Nadal zuvor. Aber Djokovic hat noch viele gute Jahre vor sich. „Ich bin 25, habe sechs Grand-Slam-Titel gewonnen und auch sonst noch ein paar Trophäen zu Hause“, lächelt der „Djoker“, zu dessen großen Zielen in dieser Saison natürlich auch der erstmalige Titel in Paris zählt.

Dort ist Nadal aber das, was Djokovic in Melbourne ist: der ultimative Favorit. „Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt“, weiß Djokovic, der ein direktes Duell mit dem siebenfachen French-Open-Triumphator, der Anfang Februar auf die Tour zurückkehrt, dennoch nicht scheut. „Wenn ich gesund bleibe und weiterhin auf diesem Level spiele, kann ich es schaffen.“

Auf einen Blick

Novak Djokovic triumphierte zum bereits dritten Mal in Folge bei den Australian Open. Der 25-Jährige kassierte damit über 1,9 Millionen Euro. Finalist Andy Murray musste sich mit der Hälfte begnügen.

Der Serbe hält nun insgesamt bei sechs Grand-Slam-Titeln. Neben den Australian Open (2008 sowie 2011–2013) gewann er in New York und Wimbledon (beide 2011). Für den Karriere-Slam fehlt Djokovic nur ein Titel bei den French Open.

Murray verlor bei seinem fünften Major-Endspiel zum sechsten Mal.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2013)

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