Dominic Thiem besiegt Sandplatz-"König" Nadal

Österreichs Jungstar Dominic Thiem, 23, bezwang im Viertelfinale von Rom Rafael Nadal mit 6:4, 6:3.Für den Spanier war es nach 17 Siegen die erste Sandplatzniederlage des Jahres.

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APA/AFP/OSCAR DEL POZO

Dominic Thiem hat Freitagnachmittag einen der größten Siege seiner noch jungen Karriere gefeiert. Der Niederösterreicher besiegte im Viertelfinale des ATP-1000-Turniers von Rom den Spanier Rafael Nadal nach 1:51 Stunden Spielzeit mit 6:4, 6:3 – es war der zweite Sieg Thiems gegen den Spanier im sechsten Aufeinandertreffen.

Thiem und Nadal, die beiden besten Sandplatzspieler der Saison, standen einander zum dritten Mal in den vergangenen 19 Tagen gegenüber. In den Endspielen von Barcelona (6:4, 6:1) und Madrid (7:6, 6:4) hatte der Iberer noch triumphiert, der Lichtenwörther aber zog aus den Niederlagen die richtigen Schlüsse, adaptierte sein Spiel und erkannte: „Gegen einen Nadal in dieser Form musst du mehr riskieren.“ Thiems Mut wurde belohnt, er schlug mehr Winner als sein Kontrahent (24 zu 21) und sprach später von „einer meiner besten Leistungen.“ Für Nadal war es nach 17 Siegen die erste Niederlage auf Sand in der laufenden Saison.

Noch ein Sieg für Platz sechs

Thiem, der im 29. Duell mit einem Top-10-Spieler zum achten Mal siegte, verzichtete auf große Jubelszenen. „Dafür ist es noch zu früh, ich stecke noch mitten in einem Turnier. Aber innerlich bin ich in Ekstase.“ Seinen nächsten Auftritt hat Thiem im Foro Italico bereits Samstagabend, unter Flutlicht kommt es zum Halbfinale gegen Novak Djokovic, der Juan Martin del Potro mit 6:1, 6:4 besiegte. Djokovic, aktuell die Nummer zwei der Weltrangliste, ist der einzige Spieler aus der Riege der Topleute, gegen den der 23-Jährige noch nie gewonnen hat (Head-to-Head 0:4).

Sollte Thiem wie in der Woche zuvor in Madrid das Finale erreichen, würde er in der Weltrangliste den Kanadier Milos Raonic überholen und erstmals auf Rang sechs vorstoßen. Die Top 5 bleiben auch im Falle eines Turniersiegs vorerst noch unerreichbar. Im zweiten Halbfinale treffen bereits am Nachmittag Deutschlands Jungstar Alexander Zverev (7:6, 6:1 gegen Raonic) und US-Aufschlagriese John Isner (7:6, 2:6, 7:6 gegen Marin Cilic) aufeinander.

Dass Thiem auf Sand aktuell zu jenem kleinen Kreis von Spielern gehört, die sogar Sandplatzkönig Nadal gefährlich werden können, ja ihn sogar schlagen können, war seinem Langzeittrainer Günter Bresnik schon vor dem Spiel bewusst. „Dominic hat gute Voraussetzungen, weil er ein ziemlich schnelles und ein komplettes Spiel hat. Er serviert gut, spielt eine schnelle Vor- und Rückhand, und bewegt sich sehr gut.“

Thiems stetiger Aufstieg kommt auch für die Konkurrenz nicht überraschend. Nadals Onkel und Trainer Toni, der im Herbst 2013 beim Turnier in Wien unter den begeisterten Zuschauern war, hat die knappe Niederlage des damals 20-jährigen Thiem gegen Jo-Wilfried Tsonga (6:7 im dritten Satz) noch in lebhafter Erinnerung. „Er hat damals am gleichen Abend noch Rafael angerufen und gesagt: Da ist ein junger Bursche, der ist gut“, berichtete Bresnik.

Thiems Schläge, das ist längst kein Geheimnis mehr, sind für jeden seiner Gegner höchst unangenehm, weil schnell und mit enormen Topspin versehen. Gegen Nadal erreichten seine Winner erneut Spitzen über 160 km/h. „Und seine Bälle haben noch mehr Drall als jene von Nadal.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2017)

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