Tennis: Spielereien, abseits des Daviscups

Dominic Thiem und Sebastian Ofner stoßen erst heute, mit zwei Tagen Verspätung, zum Daviscup-Team nach Wels. Die Gründe dafür sind ambivalent – und nicht für alle nachvollziehbar.

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Dominic Thiem.
Dominic Thiem. – (c) GEPA pictures

Wels/Wien. Es war schon ein etwas skurriles Bild, das sich in den vergangenen beiden Tagen auf der Anlage des UTC Wels geboten hat. Hier, wo ab Freitag Österreichs Daviscup-Team gegen Rumänien um den Klassenerhalt in der Euro-Afrika-Zone I spielt, sollte sich das Team rund um Kapitän Stefan Koubek auf die bevorstehende Aufgabe vorbereiten, bloß: In den ersten beiden Trainingstagen fehlten mit Dominic Thiem und Sebastian Ofner gleich zwei der vier von Koubek nominierten Spieler.

Also stand dem Kärntner Ex-Profi, der das Kapitänsamt seit Jänner 2014 bekleidet, an zwei vollen Trainingstagen nur ein Rumpfteam zur Verfügung. Neben Gerald Melzer und Doppel-Spezialist Philipp Oswald stellte sich der in den vergangenen Monaten über Ellbogenschmerzen klagende Jürgen Melzer in den Dienst der Mannschaft, obwohl er dieser ausnahmsweise gar nicht angehört.

Melzer, 36, ist seit wenigen Tagen schmerzfrei. Dass er in Wels für Trainingszwecke zur Verfügung steht, ist dem heimischen Rekorddaviscupspieler (72 Matches) nicht zuletzt angesichts des personellen Engpasses hoch anzurechnen.

Koubek ist angesichts der Spaltung seines Teams freilich nicht euphorisch. „Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass alle Spieler von Anfang an beisammen sind“, erklärt der 40-Jährige. Allerdings, ihm sind in gewisser Weise die Hände gebunden. „Dass Dominic erst am Mittwoch zum Team stößt, wusste ich schon länger“, sagt Koubek der „Presse“.

 

Der Gedanke des Teamsports

Eine Teilnahme Thiems am Daviscup ist also an gewisse Bedingungen geknüpft, mit denen sich Mitspieler und Kapitän arrangieren müssen. Montagmittag hatte Österreichs zweiterfolgreichster Tennisspieler nach Thomas Muster noch einen Pressetermin für das Wiener Stadthallenturnier zu absolvieren. Dass er nicht anschließend nach Wels aufbrach, hatte aber einen anderen Grund: Thiem wollte Dienstagabend dem Spiel seines 2016 gegründeten, eigenen Fußballklubs, jenem des 1. TFC (Tennis- und Fußballclub) in Bad Fischau-Brunn gegen eine slowenische Tennisauswahl beiwohnen. Auch ein Kommen Ofners hatte Thiem via Facebook am Tag zuvor angekündigt.

Koubek wollte das verspätete Eintreffen Thiems bei der Mannschaft nicht überbewertet wissen, versuchte zu beruhigen. „Ich habe damit kein Problem, er ist das ganze Jahr viel unterwegs.“ Er sei vielmehr froh, dass ihm „der zweitbeste Sandplatzspieler der Saison hinter Nadal“ überhaupt zur Verfügung stünde. Ofner, er hatte in Wimbledon als Qualifikant sensationell die dritte Runde erreicht und war in Kitzbühel bis ins Halbfinale vorgestoßen, hatte erst Montagabend sein Kommen für Mittwoch angekündigt. Der 21-Jährige zog es vor, in der Südstadt mit Coach Wolfgang Thiem zu trainieren, nachdem die vergangenen Wochen nicht nach Wunsch verlaufen waren.

Thiem Senior erklärte das Vorgehen auf „Presse“-Nachfrage: „Wie man beim ÖTV darüber denkt, interessiert mich nicht. Wir wollten individuell trainieren, diese beiden Trainingstage hat Sebastian gebraucht. Und dass ein Spieler mehr Vertrauen in seinen eigenen Trainer als in den Daviscup-Kapitän hat, ist auch klar.“ Koubek wird heute Abend die Spieler über die Aufstellung informieren, Thiem ist in Einzel und Doppel (mit Oswald) gesetzt. Als zweiter Einzelspieler dürfte Gerald Melzer auflaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2017)

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