Borg gegen McEnroe: Ein Duell der Elemente

Der Kinofilm „Borg/McEnroe“ behandelt Rivalität und Freundschaft zweier Tennisgrößen.

Bjorn Borg und John McEnroe.
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Bjorn Borg und John McEnroe.
Bjorn Borg und John McEnroe. – (c) Professional Sport

Wimbledon-Finale 1980. Die Tenniswelt fieberte im Südwesten Londons dem Endspiel zwischen Björn Borg und John McEnroe um die begehrteste aller Trophäen entgegen. Dieses Duell elektrisierte wie kein Spiel zuvor in der Geschichte des Sports. Vor allem deshalb, weil es ein Vergleich der Gegensätze war. Auf der einen Seite der kühle Schwede Borg, der das Spiel mit seiner Eleganz und Schlagkraft neu definiert hatte. Und auf der anderen Seite der hitzige US-Amerikaner McEnroe, der Inbegriff eines Flegels, der doch mit so viel Talent gesegnet war.

„Ice“-Borg“ gegen „Super-Brat“ (Super-Rüpel), Grundlinienspieler gegen Angriffsspieler – es war eine Schlacht der Elemente. „Wir waren wie Feuer und Eis“, sagte der um drei Jahre jüngere McEnroe, der vor Tausenden Zuschauern und laufenden TV-Kameras in regelmäßigen Abständen Schläger in Serie zertrümmerte oder durch die Gegend warf, Bälle auf Balljungen schoss oder – und das war seine Paradedisziplin – Schiedsrichter beschimpfte. Sein Ausspruch „You cannot be serious“ wurde bald zum Markenzeichen und viele Jahre später sogar in einigen Werbespots verwendet. Die „New York Times“ schrieb über McEnroe, er sei „die schlechteste Werbung für amerikanische Werte seit Al Capone“. An McEnroe schieden sich die Geister.

Borg hingegen war das genaue Gegenteil. Er zeigte auf dem Tennisplatz keinerlei Gefühlsregung, weil ihm in seiner Jugend eingebläut worden war, sich einzig auf das Spiel und den nächsten Ballwechsel zu fokussieren, wie der am 13. Oktober in die Kinos kommende Film „Borg/McEnroe“ offenbart. Den Vorzeigeprofi aus Stockholm, er verkörperte den ersten Popstar unter den Tennisspielern, plagten Versagensängste. Auf dem Weg zu seinem fünften Wimbledon-Titel in Folge drohte er an seiner eigenen Erwartungshaltung und jener der Öffentlichkeit zu scheitern, in besagtem Jahr 1980 aber konnte er den Angriff seines Herausforderers im fünften Satz noch erfolgreich abwehren. Es sollte Borgs letzter Triumph in Wimbledon sein, im Jahr darauf gewann McEnroe erstmals.

14 Mal standen sich die beiden Rivalen gegenüber, und es passte perfekt ins Bild, dass der direkte Vergleich mit 7:7-Siegen keinen Sieger kannte. Als Borg 1983 mit nur 26 Jahren sein Karriereende verkündete, war die Tenniswelt nicht nur um einen der bis heute besten Spieler der Geschichte ärmer, sondern auch um eine außergewöhnliche Rivalität. „Wenn du deinen größten Gegner verlierst, verlierst du auch einen Teil deiner selbst“, sagte McEnroe, den mit Borg bald auch eine enge Freundschaft verband. „Nach ein paar Showmatches haben wir festgestellt, dass wir uns mögen.“

Erst vor Kurzem waren die beiden Freunde dann doch wieder Rivalen. Beim neu initiierten Laver Cup, einem Kontinentalvergleich, fungierte Borg als Kapitän der siegreichen europäischen Auswahl, McEnroe betreute das Team „Welt“. Übrigens: John McEnroe selbst hat der Kinofilm nicht gefallen. Er kritisierte die fehlende Kontaktaufnahme der Schauspieler und empfand die Geschichte als teils zu dramatisch dargestellt. „You cannot be serious . . .“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2017)

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