„Ich weiß nicht, wie oft ich zusammengebrochen bin“

Eine Geburt, die Spuren hinterließ: Serena Williams spricht offen über schwere erste Monate als Mutter und ihre geplante Rekordjagd.

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Serena Williams. – (c) REUTERS (Thomas Peter)

Serena Williams ist die große Abwesende der Australien Open, ein aktuelles Interview der 36-Jährigen aber sorgt auch weit über die Tenniswelt hinaus für Aufsehen. Für die Vorjahressiegerin kommt das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres (ab Montag) noch zu früh, erst am 1. September 2017 hat sie ihre Tochter Alexis Olympia zur Welt gebracht. Damals hieß es nur, es habe Komplikationen bei der Geburt gegeben, nun hat die US-Amerikanerin in der Zeitschrift „Vogue“ das gesamte Ausmaß ihres persönlichen Dramas geschildert, samt Fotostrecke mit dem Töchterchen und bemerkenswerten Gedanken zu ihrer weiteren Karriere.

Was Verletzungen betrifft hatte die jüngere der beiden Williams-Schwestern ohnehin schon einiges durchgemacht: Schwächeanfälle, eine hartnäckige Fußverletzung, eine Lungenembolie, ihre Karriere ist eine Geschichte von Operationen und Comebacks. Auch an Depressionen hat sie gelitten, wie sie Jahre später offenbarte. Doch die Aufsteigerin aus Compton, Los Angeles, war stets eine Kämpferin, die ihr Schicksal selbst zu bestimmen wusste.

Die Schwangerschaft sei zwar völlig problemlos verlaufen, erzählt Williams nun, selbst beim Notkaiserschnitt habe es keine Probleme gegeben. „Dann wurde alles ganz schlimm.“ Tags darauf verspürte sie plötzlich Atemnot, dachte sofort an ein erneutes Blutgerinsel. Tatsächlich wurde ein solches in ihrer Lunge festgestellt. Hustenattacken ließen die Kaiserschnittnarbe wieder aufplatzen, bei der Operation fand sich auch noch ein Hämatom im Bauchbereich.

Die ersten sechs Wochen ihrer Mutterschaft konnte Williams das Bett nicht verlassen, die folgenden Monate bezeichnet sie als ihre größte Prüfung. „Niemand spricht über die emotionalen Tiefs, den Druck, den du fühlst, die unglaubliche Enttäuschung jedes Mal, wenn das Baby schreit. Ich weiß nicht, wie oft ich zusammengebrochen bin.“ Ständig habe sie sich gefragt: „Warum bin ich so traurig, wenn ich doch ein wundervolles Baby habe? Diese Gefühle sind verrückt.“


Trost bei Djoković und Co. Williams' Karriere verlief im Gleichschritt mit jener von Roger Federer, 36 und Vater von zwei Zwillingen. „Es ist unfair. Er hat vier Babys produziert und kaum ein Turnier verpasst. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wo ich heute mit Zwillingen wäre. Wahrscheinlich am Grund des Pools“, sagt sie. Die Familie, ihr Ehemann, der Reddit-Gründer Alexis Ohanian, auch ihre Tennisfreunde, vor allem Väter auf der Tour wie Stan Wawrinka oder Novak Djoković, dessen Tochter Tara ebenfalls im September geboren wurde (er und Williams scherzen bereits über ein künftiges Doppel), hätten sie sehr unterstützt.

Dass sie zurückkehren wird, steht trotz allem außer Zweifel. „Ich will auf jeden Fall mehr Grand Slams. Es ist kein Geheimnis, dass ich meine Augen auf Nummer 25 geworfen habe.“ Mit 25 Major-Titeln hätte sie die australische Legende Margaret Court (24) überholt und wäre die größte Spielerin der Geschichte. Derzeit hält Williams bei 23. Im März will sie in Indian Wells wieder auf dem Court stehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2018)

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