„Tennis ist wieder in aller Munde“

Der Daviscup in Graz gegen Australien bewegt Massen. ÖTV-Geschäftsführer Thomas Schweda sieht enormes Potenzial und hofft auf den Bau einer Multifunktionsarena.

Dominic Thiem sorgte bei den US Open in New York für Schlagzeilen und begeistert nun Tausende heimische Tennisfans in Graz.
Dominic Thiem sorgte bei den US Open in New York für Schlagzeilen und begeistert nun Tausende heimische Tennisfans in Graz.
Dominic Thiem sorgte bei den US Open in New York für Schlagzeilen und begeistert nun Tausende heimische Tennisfans in Graz. – APA/ERWIN SCHERIAU

Vor fünf Jahren spielte Österreichs Daviscup-Team zuletzt im Konzert der Großen mit, war noch Bestandteil der 16 besten Mannschaften der Welt. Fans erinnern sich an das packende Duell im Hangar 3 des Flughafens Schwechat gegen Frankreich (2011) oder den Aufmarsch der US-Stars rund um Andy Roddick im Dusika-Stadion (2008). Mit dem Abstieg aus der Weltgruppe 2013 haben die Auftritte der heimischen Auswahl aber arg an Strahlkraft verloren. Die Europa-Afrika-Zone I, in der sich die ÖTV-Equipe in den vergangenen Jahren getummelt hat, ist zwar nicht das sportliche Niemandsland, die große Bühne sieht jedoch anders aus.

Mit dem dieswöchigen Heimspiel gegen Australien auf dem Grazer Messegelände ist Rot-Weiß-Rot wieder in den „Relevanzbereich des Sportinteressierten“ vorgedrungen, wie Thomas Schweda, Geschäftsführer des ÖTV, erfreut feststellt. Täglich 6000 Fans auf den Tribünen, beste Stimmung, dazu nicht nur sportliche Höchstleistungen, sondern auch österreichische Siege. „Tennis ist wieder in aller Munde“, sagt Schweda. Der Faktor Dominic Thiem ist bei diesem Erfolgspuzzle unbestritten groß. Der Weltranglistenachte bewegt die Massen, dient als Testimonial und Vorbild für Tausende Jugendliche und Kinder. Dass der Daviscup in Graz für Veranstalter und Verband auch „ein gutes Geschäft“ wird, ist nicht zuletzt Thiems Antreten geschuldet.

Weil sich der 25-Jährige relativ früh zu einem Start in der Steiermark entschlossen hat, konnte die Werbetrommel dementsprechend gerührt werden, haben Sponsoren und VIP-Gäste größeres Interesse signalisiert. Das Heimspiel gegen Weißrussland im Februar in St. Pölten war verglichen zu Graz „eine Gratwanderung“, erinnert sich Schweda. „Dominic hat erst sehr spät zugesagt, bis zu diesem Zeitpunkt war es ein Nullsummenspiel. Ein gewisses Restrisiko bleibt immer.“ Für die Spieler selbst war der Daviscup in finanzieller Hinsicht übrigens nie ein sonderlich gutes Geschäft. Über genaue Vertragsinhalte wird nicht gesprochen, „aber niemand spielt des Geldes wegen.“ Grand Slams und ATP–Turniere sind da schon weitaus lukrativer. Hätte Thiem im US-Open-Viertelfinale gegen Rafael Nadal gewonnen, hätte er schlagartig 450.000 US-Dollar zusätzlich verdient – eine Summe, die der Niederösterreicher wohl während seiner gesamten Daviscup-Karriere nicht wird einspielen können.

Winken Österreich in Zukunft wieder öfters Heimspiele der Grazer Größenordnung, so wiederholt sich die Frage nach der Heimstätte. Ein mitunter mühsames Unterfangen, das die nationalen Mängel der Sportinfrastruktur wieder einmal offenlegt. „Wir haben kein Stadion, das wir aufsperren und in das wir einfach hineinmarschieren“, sagt Schweda, der die Idee einer Multifunktionsarena unterstützt. Nicht nur der Tennisverband könnte in einer solchen eine Heimstätte für den Daviscup finden, auch anderen Ball- und Schlägersportarten wäre geholfen. „Das wäre mein Wunsch an die Politik. Ein Sportland wie Österreich benötigt eine solche Arena.“ Ein erstes Gespräch mit Sportminister Heinz-Christian Strache sei „sehr positiv“ verlaufen, Schweda ist aber auch Realist. „Jeder Verband wünscht sich Verbesserungen, aber es gibt nur begrenzte Mittel.“

Die Entwicklung des heimischen Daviscup-Teams sieht der Wiener positiv, angeführt von Dominic Thiem sei alles möglich. „Ich sehe enormes Potenzial. Wenn sich die drei, vier besten Spieler gegenüber dem Bewerb verpflichten, dann ist im neuen Finalmodus mit nur zwei Einzeln und einem Doppel alles möglich. Dann könnten wir sogar Daviscup-Sieger werden.“

Steckbrief

Thomas Schweda ist seit Anfang Januar 2017 Geschäftsführer des Österreichischen Tennisverbands. Einst spielte er in der Eishockey-Bundesliga beim WEV, war unter anderem für das Sportmarketing des ATP-Events in der Wiener Stadthalle zuständig und Teil der Turnierleitung.

Frankreich steht als erster Finalist des Daviscups fest. Die Franzosen führen gegen Spanien in Lille nach zwei Tagen uneinholbar mit 3:0, nach Einzelsiegen von Penoit Paire und Lucas Pouille gewann die Equipe Tricolore auch das Doppel mit Julien Benneteau/Nicolas Mahut.

Im zweiten Halbfinale führt Kroatien gegen die USA mit 2:0, das Doppel war bei Redaktionsschluss noch im Gange.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2018)

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