Frust der etwas anderen Art

Dominic Thiem (25) verlor in Rom auch das vierte Duell mit dem Spanier Fernando Verdasco. Danach echauffierte er sich über die Turnierorganisatoren: „Eine bodenlose Frechheit.“

Dominic Thiem ließ die Hochform von Barcelona und Madrid in Rom vermissen.
Dominic Thiem ließ die Hochform von Barcelona und Madrid in Rom vermissen.
Dominic Thiem ließ die Hochform von Barcelona und Madrid in Rom vermissen. – (c) REUTERS (STRINGER)

Rom/Wien. Dominic Thiem hat seine Generalprobe für die am 26. Mai beginnenden French Open in Paris verpatzt. Der Niederösterreicher scheiterte in der zweiten Runde des ATP-1000-Turniers in Rom nach 2:43 Stunden mit 6:4, 4:6, 5:7 an Fernando Verdasco. Auch im Vorjahr war Thiem im Foro Italico bereits zum Auftakt gescheitert.

Der 34-jährige Spanier erwies sich Donnerstagvormittag – Thiem hätte im Falle eines Erfolgs sein Achtelfinale noch am Nachmittag bestreiten müssen – als die erwartet schwere Prüfung. Nach verheißungsvollem Beginn (4:1-Führung) fand Verdasco immer besser ins Spiel, Thiem hingegen haderte vermehrt mit Eigenfehlern, spielte längst nicht sein bestes Tennis. „Es war kein gutes Match. Es hat der gewisse Punch in meinen Schlägen gefehlt, ich habe zu viel herumgesudert, war unzufrieden mit allem Möglichen.“

Auch der vierte Vergleich mit dem Routinier aus Madrid ging letztlich verloren, eine ähnlich schlechte Bilanz hat Thiem nur gegen den Südafrikaner Kevin Anderson (2:7, die ersten sechs Matches verloren) und den Belgier David Goffin (3:7, die ersten drei Matches verloren) vorzuweisen. Den 25-Jährigen ärgerte später aber weniger die Niederlage denn die schlechte Organisation in Rom. Er schlug ungewöhnlich raue Töne an. „Ich bin sehr schwer verärgert, weil es mir einfach nicht taugt, wie mit uns Spielern bei dem Turnier umgegangen wird. Gestern war für mich eine bodenlose Frechheit.“

Am Mittwoch war an Tennis in Rom nicht zu denken. „Jeder Spieler und jedes Wetterradar hatte gewusst, dass es unmöglich war, auch nur einen Ball zu spielen“, kritisierte Thiem. Die Spieler aber wurden bis in die Abendstunden auf der Anlage gehalten. Die Matches wurden erst dann vertagt, als der italienische Fußball-Cup im sehr nahe gelegenen Olympiastadion begonnen hatte. Das Verkehrschaos hatte dann sein Übriges getan, der Transfer von der Anlage ins Hotel hat laut Thiem fast zwei Stunden gedauert. „Die Organisation des ganzen Tags war katastrophal. Ich war irgendwann spät im Bett. Mich dann am nächsten Tag um zehn Uhr auf den Platz zu holen, ist witzlos.“

 

Paris ruft

Die Turnierverantwortlichen hatten bei Thiem schon am Montag keine Sympathiepunkte gesammelt. Der Lichtenwörther musste zunächst einen kleinen Marathon an Terminen absolvieren. „Das stört mich auch nicht, es gehört dazu, aber trotzdem rauben sie dir Energie. Dass ich dann jedoch nicht mehr als eine Stunde allein auf dem Trainingsplatz kriege, weil sie einfach nicht genug davon haben, ist nicht professionell und eines 1000er-Turniers nicht würdig“, beklagte der Schützling von Nicolás Massú, der sich trotz des abermals frühen Ausscheidens in Rom auf dem richtigen Weg gen Paris sieht.

Die vergangenen Wochen, speziell der Turniersieg in Barcelona, hätten ihm Mut gemacht, so Thiem. „Ich habe wirklich gute Matches gespielt in letzter Zeit, eines wie heute gegen Verdasco wird das nicht ändern.“ Thiem hatte 2016 und 2017 jeweils das Halbfinale bei den French Open erreicht, 2018 scheiterte er erst im Finale an Rafael Nadal. Diesmal soll es mit dem ganz großen Coup klappen, 24 Jahre nach Thomas Musters Erfolg im Stade Roland Garros. „Es wartet mein Saisonhighlight, ich bin bereit.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2019)

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