US Open: New Yorks magische Tennisshow

Im „Big Apple“ weiß man den Tennissport zu feiern. Tausende Fans beobachteten Roger Federer und Dominic Thiem beim Training, der Zuschauerrekord aus dem Vorjahr soll fallen.

Roger Federer bewegt in Flushing Meadows auch bei Trainings und Medienterminen die Massen.
Roger Federer bewegt in Flushing Meadows auch bei Trainings und Medienterminen die Massen.
Roger Federer bewegt in Flushing Meadows auch bei Trainings und Medienterminen die Massen. – (c) APA/AFP/JOHANNES EISELE

Das Turnier hatte noch nicht begonnen, da war der 8000 Plätze fassende Grandstand schon gut gefüllt. Öffentliche Trainings mit den Superstars hatten die Organisatoren der US Open erstmals im Vorfeld des letzten Grand Slams des Jahres angesetzt, bei freiem Eintritt. Als dann Roger Federer und Dominic Thiem die Rackets schwangen, herrschte auf der Anlage bereits Partystimmung. Autogrammjäger brachten sich in Stellung, sie waren eher hinter dem Schweizer Superstar denn dem Österreicher her. Geduldig hielt Federer nach dem einstündigen Training für weitere 20 Minuten die Stellung.

Geht es nach den Veranstaltern, soll die Tenniseuphorie in New York nun zumindest zwei Wochen lang anhalten, der Zuschauerrekord aus dem Vorjahr muss fallen. Mehr als 800.000 Menschen traten 2018 zum 50-jährigen Jubiläum des wohl schillerndsten Tennisturniers der Welt die Reise nach Flushing Meadows an. Knapp 100.000 davon besuchten die sogenannte “Fan Week”, die bereits vor dem offiziellen Start über die Bühne geht. Die Organisatoren zogen dieses Spektakel heuer völlig neu auf, verlegten die Auslosung und zahlreiche Auftritte der Superstars allesamt von Manhattan direkt auf die Anlage im Stadtteil Queens. Da zeigte sich Andy Roddick, einst der Liebling der US-Fans und Gewinner von 2003, um sich den Fragen von Kindern zu stellen. Da spielten Altstars wie John McEnroe, Lindsay Davenport und Martina Navratilova Exhibitions. Da hielten praktisch alle Spitzenspieler ihre Trainings öffentlich ab. Bereits im Vorfeld wurden dafür alle drei Stadien – Arthur Ashe, Louis Armstrong und Grandstand – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

So konnten Fans auch die Wimbledonsieger Simona Halep und Novak Djoković, die Nummer eins bei den Herren und neben Federer und Rafael Nadal der Topfavorit, beobachten. Interessantes Detail: Während der Serbe am Grandstand Hunderte Returns schlug, sammelte sein neuer Coach, Goran Ivanišević, die Bälle ein. Der Ex-Wimbledonsieger, bereits im Juli in London an der Seite von Djoković, wirkte locker, scherzte mit den Zuschauern und unterbrach Djoković immer wieder, um ihm Anweisungen zu geben. Die Chemie zwischen den beiden scheint zu passen, die Zusammenarbeit länger anzudauern.

 

Stadt vs. Verband

Am Rahmenprogramm mag sich für das heurige Turnier viel geändert haben, sportlich bleibt im Prinzip alles beim Alten. Die bedeutendste Änderung der vergangenen Jahre, die 2018 erstmals eingeführte Shot-Clock, die den Spielern die Zeit bis zum nächsten Service anzeigt, hat sich etabliert. Sie wird auch heuer zum Einsatz kommen und für so manch hitzige Diskussion sorgen.

Dazu trägt auch der Australier Nick Kyrgios bei. Manche hassen ihn, andere lieben ihn: Wird er wie zuletzt in Cincinnati neuerdings wegen der Shot-Clock die Beherrschung verlieren? Wird er wie im Vorjahr bei den US Open wegen seiner öffentlich vorgetragenen Lustlosigkeit für einen Eklat sorgen? Oder kann er endlich auch bei einem Grand Slam zeigen, was in ihm steckt? Das Enfant terrible trifft zum Auftakt auf den Amerikaner Steve Johnson: Für die tennisverliebten New Yorker ist das einer der Schlager der ersten Runde.

Übrigens: Zwar verkaufen die Veranstalter die US Open als grandiose Show und betreiben erfolgreich die Rekordjagd nach Zusehern. Alles eitel Wonne spielt es trotzdem nicht. So ist zwischen der Stadt und dem amerikanischen Tennisverband Usta, der das Turnier organisiert, ein erbitterter Streit ausgebrochen. Es geht um die Miete für die gigantische Anlage in Flushing Meadows.

Das Büro des Bürgermeisters fordert mehr als 300.000 Dollar an Mietnachzahlungen. Es beschuldigt die Usta, Umsätze, die als Basis für die Miete herangezogen werden, in Millionenhöhe verheimlicht zu haben. Scott Stringer, der Finanzchef der Stadt, hielt deshalb eine eigene Pressekonferenz vor dem Eingang in Flushing Meadows ab. Freilich: An einen Umzug des weltgrößten Tennisturniers denkt vorerst noch niemand. „Wir lieben dieses Turnier und werden uns einigen”, glaubt auch Stringer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2019)

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