US-Open: Federer scheitert im Viertelfinale an Dimitrow

Roger Federer hat völlig unerwartet sein Viertelfinale bei den Tennis-US-Open verloren. Serena Williams steht zum 13. Mal im Halbfinale. Marach/Melzer verpassten das Halbfinale knapp.

Roger Federer verlor ggen Grigor Dimitrow in fünf Sätzen
Roger Federer verlor ggen Grigor Dimitrow in fünf Sätzen
Roger Federer verlor ggen Grigor Dimitrow in fünf Sätzen – USA TODAY Sports

Roger Federer ist bei den US Open völlig unerwartet im Viertelfinale ausgeschieden. Der 38-jährige Tennisprofi aus der Schweiz verlor am Dienstag (Ortszeit) in New York gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow mit 6:3,4:6,6:3,4:6,2:6. Leichtes Spiel hatte dagegen Serena Williams bei den Damen: Die US-Amerikanerin deklassierte die Chinesin Wang Qiang mit 6:1,6:0.

Federer musste sich beim letzten Grand-Slam-Turnier der Saison nach 3:12 Stunden geschlagen geben. Dimitrow, für den es im achten Duell mit Federer der erste Sieg war, trifft im Halbfinale am Freitag auf den Russen Daniil Medwedew, der Federers Landsmann Stan Wawrinka mit 7:6(6),6:3,3:6,6:1 besiegte.

Im Verlauf des Spiels klagte Federer über Nackenprobleme und musste vor dem entscheidenden Satz behandelt werden. "Ich hatte gehofft, dass es dadurch etwas lockerer wird. Das war leider nicht der Fall", sagte der Schweizer, der als zweiter großer Favorit in New York scheiterte. Zuvor war bereits Novak Djokovic im Achtelfinale gegen Wawrinka von einer Verletzung gestoppt worden.

Federer hatte im Arthur Ashe Stadium zunächst alles im Griff. Dem Rekord-Grand-Slam-Turniersieger gelang ein schnelles Break, nach nur 29 Minuten holte er sich den ersten Satz mit 6:3. Alles schien so zu laufen, wie in den bisherigen Vergleichen zwischen Federer und Dimitrow, die der Schweizer allesamt gewonnen hatte.

Aber dieses Mal ließ sich der Bulgare nicht so einfach abschütteln. Mit mutiger Spielweise brachte er den großen Favoriten, der in New York von 2004 bis 2008 triumphiert hatte, in Bedrängnis und schaffte nach insgesamt 1:07 Stunden den Satzausgleich. Doch Federer schüttelte sich nur kurz und übernahm dann wieder die Kontrolle über das Spiel. Der 20-malige Grand-Slam-Turnier-Sieger nahm seinem Gegner zwei Mal das Service ab und ging wieder mit 2:1-Sätzen in Führung.

Allerdings wirkte Federer insgesamt nicht so frisch wie in der Runde zuvor, als er den Belgier David Goffin im Schnelldurchgang besiegt hatte. Gleich zu Beginn des vierten Satzes gab er seinen Aufschlag ab und lief diesem Rückstand fortan vergeblich hinterher. Beim stand von 4:5 konnte er vier Breakbälle nicht nutzen, wenig später verwandelte Dimitrow seinen ersten Satzball.

Die Entscheidung musste so im fünften Durchgang fallen. Doch zuvor verschwand Federer für einige Minuten vom Centre Court und ließ sich behandeln. Im fünften Satz war er schließlich völlig chancenlos. Dimitrow gelangen zwei schnelle Breaks, Federers Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes. Mit dem ersten Matchball machte Dimitrow die große Überraschung perfekt.

Für die 37-Jährige Williams lebt hingegen der Traum vom 24. Grand-Slam-Titel weiter. Gegen Wang Qiang vollbrachte sie ihren insgesamt bereits 100. Sieg bei den US Open. Nur ihre Landsfrau Chris Evert hat in Flushing Meadows mehr Partien gewonnen (101). Williams benötigte gerade einmal 44 Minuten für ihren Erfolg. "Ich habe nie gedacht, dass ich 100 erreichen werde", sagte Williams nach der Partie. "Es ist so besonders." Im Kampf um den Finaleinzug trifft sie nun am Donnerstag auf die Ukrainerin Elina Switolina.

Marach/Melzer verpassen Halbfinale

Beide hätten am Dienstag zum fünften Mal in ihrer Karriere das Doppel-Halbfinale eines Major-Turniers erreichen können. Doch für Oliver Marach und Jürgen Melzer ist im Viertelfinale der US Open in New York Endstation gewesen. Das Österreicher-Duo unterlag der als Nummer 8 gesetzten Paarung Marcel Granollers/Horacio Zeballos (ESP/ARG) nach 1:43 Stunden mit 6:7(4),4:6.

Marach/Melzer, die seit der Rasen-Saison zusammenspielen, teilen sich ein Preisgeld von 91.000 US-Dollar (brutto). "Die zwei Burschen haben nichts anbrennen lassen. Unser bestes Match war das heute, es ist traurig, wenn man das sagen muss, wenn man verliert. Es waren nur ein, zwei Punkte, die gefehlt haben, dass wir als Sieger vom Platz gehen", resümierte Marach, der sich Mitte des zweiten Satzes am Rücken behandeln lassen musste, im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

"Ich habe mir beim Aufwärmen leicht das Kreuz verrissen. Natürlich hat es ein bisserl behindert, aber es war nicht der Grund, warum wir verloren haben", sagte der 39-jährige Steirer und fügte hinzu: "Jetzt sind wir nicht so happy, aber es waren gute eineinhalb Wochen, die wir hier gespielt haben."

Sein 38-jähriger Partner stimmte dem Wahl-Panamesen aus Graz zu. "Natürlich überwiegt jetzt die Enttäuschung, weil wir knapp dran waren. Vor allem im ersten Satz waren wir im Satz das bessere Team. Aber so ist Doppel, wenn sich zwei Teams auf dem Niveau bekämpfen."

Für das steirisch-niederösterreichische Duo wäre auch ein Halbfinaleinzug möglich gewesen, zumindest ein dritter Satz. Im ersten Durchgang vergaben der 39-jährige Marach und der 38-jährige Melzer bei 4:4 zwei Breakchancen und mussten dann selbst bei 4:5 zwei Break- und Satzbälle abwehren, ehe es ins Tiebreak ging. In diesem wehrten sie bei 2:6 noch zwei weitere Satzbälle ab, ehe mit einem 0:1-Satzrückstand die Seiten gewechselt wurden.

Im zweiten Durchgang gelang den Österreichern als erstem Team im Match ein Break zum 4:2, unmittelbar davor hatte sich Marach die angesprochene medizinische Auszeit nehmen müssen. Er musste dann aber bei 4:2 seinen Aufschlag abgeben, und als Melzer bei 4:4 selbst mit einem Doppelfehler sein Service verlor, waren die Weichen zur Niederlage der ÖTV-Spieler gestellt.

Für beide wäre es übrigens ihr insgesamt fünftes Grand-Slam-Halbfinale im Doppel gewesen. Am Dienstag stand Marach in seinem 10. Major-Viertelfinale, Melzer in seinem 9. (jeweils Doppel). Marach hat 2018 die Australian Open, Melzer 2010 Wimbledon und 2011 die US Open im Doppel gewonnen.

Marach hätte mit einem Sieg im Doppel-Ranking auch die Rückkehr in die Top Ten schaffen können. "Ich schaue nicht drauf, wir spielen jetzt zusammen. Wenn die Resultate passen, kommen wir beide nach vorne." Lediglich für Olympia 2020 wäre ein Top-Ten-Platz ein Vorteil. Aber weder Marach noch Melzer denken zu sehr an Tokio 2020. "Es ist viel zu früh. Wir haben jetzt wieder Punkte gemacht, die uns der Qualifikation näher bringen, aber bis dorthin sind noch so viele Großereignisse, dass es im Moment noch Null in meinem Kopf ist."

Wesentlich mehr im Kopf der beiden ist freilich der Auswärts-Davis-Cup am 13./14.9. in Finnland respektive in Espoo. "Generell für den österreichischen Tennissport ist Finnland sehr wichtig. Wir können uns wieder die Chance erspielen, uns nächstes Jahr für die Endrunde im Davis Cup zu qualifizieren", sagte Melzer. "Da geht es um sehr viel Kohle für den Verband und auch für die Spieler. Für Tennis Österreich wäre ein Sieg nächste Woche nicht verkehrt."

Nach Finnland stehen zwei Wochen Pause sowie die Turniere in Peking, Shanghai sowie Antwerpen oder Stockholm auf dem Programm, außerdem auch noch das Heimturnier in Wien und Paris-Bercy.

(APA)

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