Eine Macht unter dem Korb

Basketball. Jakob Pöltl, 22, plaudert über seine zweite NBA-Saison in Toronto. Das Playoff-Aus schmerzt, sein Wurf muss noch besser werden. VIDEO:

BASKETBALL: NBA PROFI JAKOB POeLTL
BASKETBALL: NBA PROFI JAKOB POeLTL
APA/HANS PUNZ

Wien. Das Hinterzimmer im Cafe Museum in der Wiener Operngasse ist prall gefüllt. TV-Kameras surren, Fotoapparate klicken und Mikrofone schmücken einen kleinen Tisch. Dahinter sitzt Österreichs größter Basketballer. Jakob Pöltl, 2,13 Meter groß, 104 Kilogramm schwer und Spieler der Toronto Raptors. Er erzählt über seine zweite Saison in der National Basketball Association. Der Wiener, 22, dribbelt in der besten Liga der Welt und hat 91 Saisonspiele bestritten. In den Playoffs klappte es nicht mehr ganz nach Wunsch. Das Aus gegen Cleveland Cavaliers kam wieder einmal eher deutlich. 0:4-Siege, Aus der Traum. „Aber ich habe sehr viel gelernt. Und aus Fehlern lernt man.“

Pöltl war der einzige Raptors-Spieler, der alle Partien im Grunddurchgang (82) absolviert hat. 6,9 Punkte, 4,8 Rebounds und 1,2 Blocks standen da noch in der Statistik. In den Playoffs hingegen war nicht mehr jeder Wurf ein Treffer.

Bleibt Pöltl in Toronto?

„LeBron James ist sicher einer der besten Spieler der Welt. Ich dachte, wir sind als Team besser. Wir waren das beste Team der Eastern Conference. Wir haben es in den Playoffs aber nicht mehr gezeigt.“ Den Klubchefs war das viel zu wenig, Trainer Dwane Casey wurde entlassen und zuletzt häuften sich Spekulationen über Wechsel, Tauschgeschäfte und Abgänge.

Pöltl beteuerte, dass er „ruhig“ bleibe, Spekulationen nicht kommentiere. Eigentlich rechne er damit, nach Urlaub, Summer-League und Trainings-Camp im September in Toronto wieder das Training aufzunehmen. Sein Vertrag laufe ja noch eine Saison. Aber: „Wenn der richtige Trade auf dem Tisch liegt, kann es jeden treffen. So ist das Business.“ Das gilt aber auch für die Stars wie DeMar DeRozan.

Dass mittlerweile Boston mit 2:0-Siegen gegen Cleveland führt und Golden State im Duell mit Houston ins Hintertreffen geraten ist, schien an Pöltl vorbeigelaufen zu sein. Er wollte abschalten, die Saison abhaken. „Ich schaue mir auch kein Saisonspiel mehr an“, sagt er trocken. Ob Cavs, Celtics, Rockets, Warriors, ihm ist egal wer Champion wird – weil seine Raptors nicht gewonnen haben.

Pöltl werfe jetzt besser von der Freiwurflinie, habe Kraft getankt für Rebound-Duelle unter dem Korb und stemme trotzdem weiter Gewichte. Zwei Dreier, sagt er, habe er diese Saison versenkt. Dass das ausbaufähig ist, wisse er. „Ich bin noch nicht annähernd dort, wo ich hinwill.“ Dreier, Rebounds. Samt Trash-Talk und Körpereinsatz. All das verlangt der Basketball der Gegenwart. Aber ohne plumpe Fouls, die ihn auch in dieser Saison noch zu oft zurück auf die Bank geführt hatten.

Weiterhin im Nationalteam

Er gelobte, den Sommer zu nützen, um weiter an seinem Wurf zu feilen. Dass Individualtrainer Stefan Weissenböck, 44, neuerdings auch in der NBA arbeiten wird, „taugt mir total.“ Bambergs Co-Trainer wird den Brooklyn Nets sein Wissen weitergeben, „eine gewaltige Chance“ laut Pöltl. Nur ob Weissenböck noch mit ihm üben wird?

Weil er Österreich sehr verbunden ist, spielt Pöltl weiter im ÖBV-Team. In der WM-Qualifikation gegen Deutschland (29. Juni) und Georgien (2. Juli) wolle er dabei sein, wenngleich die Turnierchancen theoretischer Natur sind. Davor wartet noch der Urlaub in Tel Aviv. Vielleicht riskiert er dann einen Blick in die Medien. Wer sein neuer Coach wird, wer das Finale gewonnen hat, ob sein Name im Transfergeflüster fällt. Denn, aus Fehlern lernt man.

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