Mario Innauer: Im Namen des Vaters

Wie der Vater so der Sohn – doch nicht immer gelingt das. Am Bergisel versucht der 19-jährige Mario einmal mehr in die Fußspuren seines Papas Toni Innauer zu treten. "Der schafft es nicht, der wird nichts mehr."

(c) (Andreas Reichart)

Papa ist mein größtes Vorbild.“ Welches Kind schwärmt nicht von seinen Eltern? Sie werden angehimmelt und ihre Verhaltensweisen übernommen. Oft auch ihre Hobbys, manchmal der Beruf. Im Profisport gibt es zahlreiche Beispiele, die belegen, dass Kinder ihren Eltern nacheifern. Entweder getrieben von Spaß und eigenem Ehrgeiz, oder weil es sich ein Elternteil unbedingt einbildet. Der Begriff „Eiskunstlaufmama“ kommt nicht von ungefähr.

Sportfamilien sind in allen Sparten zu finden. Damon Hill und Jacques Villeneuve erfüllten in der Formel 1 mit dem WM-Titel ihre „Vorgaben“. Alexander Wurz und Philipp Peter sorgten im Sportwagen für Aufsehen, die Rallyedrift wagen Manfred Stohl und Franz Wittmann jr. Matthias Lauda hingegen konnte nie aus dem langen Schatten seines Vaters Niki, des dreifachen Weltmeisters, fahren. Während Andreas Dittert und Laura Magelinskas (Handball), Dieter Kalt jr., Kevin Puschnig (Eishockey), Marcus Jordan (Basketball) oder Resi Stiegler, Felix Neureuther und Tina Weirather (Ski alpin) ihren Vätern in der gleichen Sportart alle Ehre machen, feiern Marc Janko (Fußball, Sohn von Speerwerferin Eva) oder Joakim Noah (Basketball, Sohn von Tennislegende Yannick) Erfolge in einer anderen Disziplin. Der Beispiele gäbe es noch sonder Zahl.


Eigener Antrieb. Nicht jeder Versuch, den Vater zu übertrumpfen, ist automatisch von Erfolg gekrönt. Manchmal sind die Fußstapfen eindeutig zu groß und die „Kinder“ stoßen an ihre Grenzen. Das wird etwa im Fall der Familie Innauer deutlich. Der 19-jährige Mario übt sich seit vielen Jahren im Skispringen. Doch nicht sein Vater Toni, der in Österreich längst als Skisprunglegende gilt, hat ihn zum Skispringen gebracht, sondern der Wunsch kam von ihm. Er wollte es „probieren. Nur für mich, nicht für ihn.“ Anfangs hatten die Eltern Bedenken, schließlich ist Mario ihr jüngstes Kind und Skispringen nicht ganz ungefährlich. Nach langen Diskussionen aber stand dem Absprung nichts mehr im Weg.

Über den Skiklub Bergisel-Innsbruck schaffte es Innauer jr. auch in das ÖSV-Team. Bei der WM 2007 in Sapporo, stand er sogar im Aufgebot. „Skispringen ist mein Leben, das gibt mir Berge“, sagte er damals. Auch mit dem Satz „Papas Karriere war nur ein Katzensprung“ ließ er aufhorchen. Freilich bezog sich das nicht auf die Leichtigkeit des Seins und die zahlreichen Siege, sondern die eher kurze Karriere. Schon im Alter von 21 Jahren erzwang eine Verletzungsserie die Aufgabe. Für Innauer sen. ein Fluch, für die ihm nachfolgenden Generationen ein Segen.

An die Erfolgsserie des Vaters konnte Mario bislang nicht anknüpfen, Platz fünf in Titisee-Neustadt blieb das Maximum seiner Weltcupausbeute. Als er zu Höhenflügen ansetzen wollte, zog er sich bei der Junioren-WM 2008 einen Muskelfaserriss zu. Er fiel buchstäblich aus allen Wolken und schaffte nach der Verletzung nicht mehr den Sprung zurück ins Adlerteam.

Da nützte ihm auch sein Name nichts, im Gegenteil. Dass einem Innauer auf allen Schanzen sehr hohe Erwartungen entgegenschlagen, war Mario immer bewusst. Nach der Verletzung kam aber noch ein weiterer, störender Faktor hinzu. „Der schafft es nicht, der wird nichts mehr. Und, sein Vater war ohnehin viel besser.“ Diese Worte kann Mario Innauer nicht mehr hören. „Ich habe viel Blödsinn trainiert“, sagt er heute kleinlaut, seine Energie ging ungenützt verloren. Dass ihm sein Vater mit wichtigen Tipps stets zur Seite stand, war zwar hilfreich, doch springen musste immer noch er selbst.

Nach zwei Jahren im „Untergrund“ meldet sich Mario Innauer nun auf dem Bergisel zurück. Über das nationale Kontingent sicherte er sich sein Tourneeticket und will zeigen, dass er das Wort „Aufgabe“ nicht kennt und weiterhin seinen Traum verwirklichen will. „Ich war lange Zeit auf dem falschen Weg. Jetzt versuche ich den Neubeginn.“ Wohin ihn aber der neu gefundene Weg führen wird? Zumindest ist die Schanze wieder frei für ihn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2010)

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