Marc Girardelli über Marcel Hirscher: "Weltwunder"

Interview mit Ex-Skifahrer Marc Girardelli, dessen Marke von 46 Weltcupsiegen Marcel Hirscher am Sonntag in Beaver Creek egalisiert hat. "Was soll's, er wird noch mehr Kugeln anschleppen."

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Wolfgang Grebien)

Marcel Hirscher hat Ihre Siegesmarke eingestellt. Überrascht?

Marc Girardelli: "Überhaupt nicht. Gott sei Dank sogar. Rekordmarken sind ja da, um sie zu brechen. Es ist nur nicht absehbar gewesen, dass er es so schnell schafft."

Was sagen Sie dazu, dass er nach dem Knöchelbruch schon im zweiten Rennen wieder gewonnen hat?

"Es ist beeindruckend, dass er trotz der Verletzung und kurzen Vorbereitungszeit gleich wieder die oberste Stufe im Riesentorlauf erklommen hat. Es ist wirklich ein Weltwunder, was Marcel in den letzten Jahren und vor allem am Sonntag in Beaver Creek geboten hat."

Wie war das Ihrer Meinung nach möglich?

Girardelli: "Aksel Lund Svindal hat das hier gut erklärt. Für einen Topathleten ist es einfacher als für einen Jungen. Wenn du über Jahre so erfolgreich bist wie Marcel oder Svindal, kommst du schneller wieder auf ein Topniveau. Es ist wie eine Blaupause, die im Körper gespeichert ist. Dann reichen im Prinzip einige Trainingstage, der Rest spielt sich im Kopf ab."

Trauen Sie Hirscher mehr als seine sechs Weltcup-Gesamtsiege zu?

"Ich traue ihm sehr viel zu. Er ist ja nicht einmal 30 Jahre alt. Er kann noch mehrere große Kugeln anschleppen. Die Konkurrenz ist noch nicht so gut, dass sie über vier Monate der Kampfkraft eines Marcel Hirscher Paroli bieten kann. Es wird schwer werden für jemand anderen, die große Kugel zu gewinnen."

Also sollte Hirscher trotz Trainingsrückstand schon in der laufenden Saison in der Lage sein, zum siebenten Mal Gesamtsieger zu werden?

"Natürlich. Die großen Kontrahenten sind noch nicht so weit weg mit den Punkten und damit in Reichweite. Mit der Konstanz, die Marcel normalerweise an den Tag legt, kommt kein anderer als Weltcup-Gesamtsieger infrage."

Ist ein Sieg nach so kurzer Vorbereitung nicht eine Ohrfeige für seine Konkurrenten?

"Das hat die Konkurrenz doch schon in Levi gesehen. Sie haben sich daran gewöhnt, dass sie ein, zwei Kategorien schlechter sind als Marcel. Sonst hätte er nicht schon dort im ersten Lauf Dritter werden können. Das war der Hammerschlag für jeden Rennläufer, der sich monatelang vorbereitet hat. Und dann kommt einer aus der Verletzung, hat noch Schmerzen und fährt allen davon. Sowas habe ich noch nie erlebt."

Marc Girardelli (54) ist Vorarlberger aus Lustenau und während seiner Karriere stets für das Großherzogtum Luxemburg gestartet. Derzeit ist Girardelli als Ski-Experte für das Schweizer Fernsehen tätig und hat zudem zusammen mit Michaela Grünig seinen zweiten Ski-Kriminalroman geschrieben. "Abfahrt in den Tod", eine in Wengen, Kitzbühel Crans Montana und St. Moritz spielende Fiction-Geschichte war so erfolgreich, dass kürzlich "Mordsschnee" erschienen ist.

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