Die liebste Achterbahn der Abfahrer

Hannes Reichelt wähnt sich auf seiner Lieblingspiste, dem Lauberhorn, stets für einen neuen Abfahrtscoup bereit. Kitzbühel-Chef Michael Huber kam zur Kombination, der Nostalgie wegen.

Vincent Kriechmayr überraschte mit der Bestzeit in der Kombi-Abfahrt von Wengen.
Vincent Kriechmayr überraschte mit der Bestzeit in der Kombi-Abfahrt von Wengen.
Vincent Kriechmayr überraschte mit der Bestzeit in der Kombi-Abfahrt von Wengen. – (c) APA/AFP/FABRICE COFFRINI (FABRICE COFFRINI)

Wengen. Wenn Hannes Reichelt nur an Wengen denkt, geht dem Salzburger schon das Herz auf. Er liebt am Alpendorf im Berner Oberland nicht nur das Flair, sondern vor allem die Abfahrtsstrecke. „Ich stehe oben und denke mir, das ist wie Achterbahnfahren. Du freust dich drauf, weil keine Kurve gleich ist. Das macht es so speziell“, schwärmte Reichelt über den Lauberhorn-Klassiker. „Es ist eine der schönsten Abfahrten für mich im ganzen Jahr, eine meiner liebsten!“

Reichelt, 37, gewann hier 2015. 2012, 2014 und 2016 war er jeweils Zweiter, 2013 Dritter – 2017 fiel das Rennen aus. Weshalb er gerade auf dieser Strecke so gut unterwegs sei, könne er nicht sagen – genauso wenig, warum es woanders nicht laufe.

 

Und was macht Svindal?

Ein paar Details, die ihm lägen, zählte er dann doch auf. „Die Abfahrt ist lang, ich kann meinen physischen Vorteil ausspielen, habe am Schluss noch die Kraft für das Ziel-S, kann Gas geben. Und da sind Passagen, die du nicht im Fernsehen siehst. Lang gezogene Kurven, in denen du Gefühl brauchst.“ Ein spezielles Erfolgsrezept hat Reichelt trotzdem nicht. „Ich fahre immer gleich runter.“ Und freilich würden auch Faktoren wie Wetter, die richtige Linie und Glück eine ganz eigene Rolle spielen, um ganz oben zu stehen.

Bühne frei heißt es heute auch für Topfavorit Aksel Lund Svindal. Der Norweger muss heute (12.30Uhr, live, ORF eins) zwar mit Gegenwehr rechnen, aber seine Form ist beachtlich. In der zu Trainingszwecken absolvierten Kombi-Abfahrt musste er sich nur Vincent Kriechmayr geschlagen geben, der das Brüggli-S perfekt erwischte.

Die Wetterprognose sagt blauen Himmel und Windstille voraus, womit einem Rennen mit Start in 2315 Metern Seehöhe und über 4270 Meter Länge nichts im Wege stehen dürfte. „Ein Rennen von ganz oben, schönes Wetter, die Piste in gutem Zustand – das wäre perfekt“, sagt Reichelt. Und auch wichtig – wer will denn schon seine Achterbahnfahrt im Blindflug bestreiten?

 

Streif-Crew auf Streifzug

Da für die Hahnenkammrennen alles auf Schiene ist, konnte Michael Huber mit ruhigem Gewissen einen Abstecher nach Wengen wagen. Der Chef des Organisationskomitees in Kitzbühel und K.S.C.-Präsident berichtete, dass die Slalom-Asse ein gelungenes Training auf dem Ganslernhang absolvierten. Auch die Österreicher, angeführt von Marcel Hirscher, bereiteten sich vor. „Es war wirklich viel los am Ganslerngang, alle waren begeistert über die Verhältnisse, es gab nur positive Rückmeldungen“, berichtete Huber.

Gleich in der Früh seien die Österreicher da gewesen, auch die Teams aus England, Russland, Deutschland und Italien zogen dort ihre Schwünge. Nicht gesichtet wurde hingegen Norwegen mit Henrik Kristoffersen. Bis Sonntag soll es in Kitzbühel kalt bleiben, für die zweite Hälfte der Hahnenkammwoche wird durchmischtes Winterwetter mit Sonne und Schneefall erwartet.

Hubers Ausflug nach Wengen hatte keinen Spionagezweck, es hatte vor allem nostalgische Gründe. „Wegen der Tradition möchte ich mir die Kombination in Wengen anschauen, wenn es sie schon bei uns nicht mehr gibt. In Wengen gibt es sie ja auch nicht mehr ewig.“ 2016 wurde sie in Kitz letztmals ausgetragen, in Wengen fällt die Klappe 2019.

 

Kriechmayr schied aus

Der erste Sieger des Wengen-Wochenendes heißt Victor Muffat-Jeandet. Der Franzose gewann die Lauberhorn-Kombination und damit sein erstes Weltcup-Rennen. Vincent Kriechmayr, Schnellster der Abfahrt am Vormittag, schied im Slalom aus.

Die kleine Kristallkugel in dieser Disziplin gewann der Italiener Peter Fill. In dieser Saison wurden nur zwei Kombinationen ausgetragen. Das ist die im Regelwerk vorgegebene Mindestanzahl. (red.)
Heute: Abfahrt (12.30 Uhr, ORF eins)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Die liebste Achterbahn der Abfahrer

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.