Die große Lindsey-Vonn-Show

Lindsey Vonns erster Auftritt in Pyeongchang geriet zur großen Show mit Tränen, Hündin Lucy und persönlichen Bekenntnissen. Die Amerikanerin, 33, will ihr zweites Olympiagold gewinnen – für ihren verstorbenen Großvater.

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Lindsey Vonn strahlt, die Amerikanerin will zweites Olympiagold gewinnen.
Lindsey Vonn strahlt, die Amerikanerin will zweites Olympiagold gewinnen. – (c) REUTERS (MICHAEL DALDER)

Den Raum für die Pressekonferenz hat man schon gewechselt, aber auch der größte Saal war am Ende fast zu klein: Als Lindsey Vonn in Begleitung ihrer Hündin Lucy zum ersten Medientermin in Pyeongchang gebeten hat, da bekam man den Unterschied zwischen alpiner Bekanntheit und internationalem Starkult schnell zu sehen.

Und Vonn lieferte, was gewünscht wurde und was sie am besten kann: die große Lindsey-Show. Samt Tränenausbruch und Unterbrechung der Fragestunde, als ein US-Reporter nach ihrem kürzlich verstorbenen Großvater gefragt hat. Aber sie fand auch in diesem Schicksalsschlag etwas Gutes: „Er sieht mir hier zu, er beschützt mich von anderer Stelle aus“, meinte Vonn. Das habe sie schon neulich in Garmisch gespürt. „Da sind viele Läuferinnen gestürzt, aber ich habe gewusst, mich beschützt da einer.“ Zur Erinnerung: Vonn hat dann beide Rennen gewonnen, es waren Weltcupsieg 80 und 81.

 

Vonns vierte Winterspiele

Doch der Weltcup ist für Vonn heuer nur Nebenschauplatz, ihre Bühne ist Olympia. „Ich denke seit dem Sommer jeden Tag daran, am Morgen, am Abend, immer.“ Sie habe sich ganz fokussiert auf diese Titelkämpfe vorbereitet. 2010 gewann Vonn Gold in Vancouver, 2014 verpasste sie die Spiele nach einer Knieverletzung. Pyeongchang sind dennoch ihre vierten Winterspiele, 2002 debütierte sie als 17-Jährige in Salt Lake City. „Dieses Gefühl, das ich damals beim Einmarsch in das Stadion hatte, werde ich nie vergessen. Ganz Amerika ist jetzt stolz auf dich“, habe ich gedacht, „ich habe es regelrecht aufgesogen.“ Deswegen nahm sie auch am Freitag bei der Eröffnung in Korea teil.

Vonn ist Favoritin in der Abfahrt und im Super-G, setzt aber auf die Abfahrt. „Der Super-G ist so unberechenbar, da kann alles passieren.“ Ganz offen sprach sie auch über den Druck, der auf ihr lastet. „Ich habe lange gebraucht, um damit umgehen zu können. Ich weiß, was mich erwartet, wenn ich in das Starthaus gehe.“

Vorher will sie noch von Aksel Lund Svindal Informationen über die Abfahrt einholen. „Ich frage ihn oft, er ist mein Lebenscoach, und er hat mich immer mit Respekt behandelt, und er hilft mir auch in meinen Plan, einmal gegen die Männer zu fahren.“ Doch jetzt hat er auch eine ganz schwierige Aufgabe: „Ich habe ihm gesagt: Finde mir einen neuen Freund.“ Sie sprach es und blickte verlegen zu ihrer Medienbetreuerin – aber Megan Harrod weiß längst, das Pressekonferenzen mit Vonn einen völlig anderen Verlauf als geplant nehmen. (smej)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2018)

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