Norwegische Abfahrtspremiere: Gold für Comeback-König Svindal

Ski alpin. Aksel Lund Svindal, 35, kürte sich zum ältesten Alpin-Sieger. Gestillt ist sein Siegeshunger damit aber noch lange nicht: „Du willst so oft gewinnen, wie du kannst.“

Aksel Lund Svindal kostet nach 2010 wieder den Geschmack von Olympia-Gold.
Aksel Lund Svindal kostet nach 2010 wieder den Geschmack von Olympia-Gold.
Aksel Lund Svindal kostet nach 2010 wieder den Geschmack von Olympia-Gold. – (c) APA/AFP/DIMITAR DILKOFF (DIMITAR DILKOFF)

Viel war im Vorfeld der Olympia-Abfahrt über die Piste in Jeongseon diskutiert, ja gar geschimpft worden. Zu wenig anspruchsvoll, langweilig, kein Speed – am Ende hatten aber selbst die Weltbesten zu kämpfen, als die Durchführung schließlich im zweiten Anlauf am Donnerstag über die Bühne ging. Statt mehr oder weniger großer Überraschungen wie Matthias Mayer (2014), Didier Defago (2010) oder Antoine Dénériaz (2006) teilten sich diesmal die dominierenden Abfahrer der vergangenen Jahre das Podest: Aksel Lund Svindal sicherte Norwegen das erste Abfahrtsgold in der Geschichte; vor seinem Landsmann Kjetil Jansrud und dem Schweizer Beat Feuz.

„Bei Olympia um Gold mitzufahren, dieses Gefühl ist stärker als alle historischen Details. Die haben mich ehrlich gestanden nicht interessiert, ich wollte nur gewinnen“, erklärte Svindal. Nach verhaltener Fahrt im oberen Teil und einem wackligen Sprung habe er gar nicht mit dem Sieg gerechnet. „Als ich gesehen habe, wie Kjetil fährt, war ich sicher, dass es Silber werden würde. Und eigentlich war das Gefühl auch ein gutes. Aber Gold macht es natürlich noch spezieller.“

 

Streif-Sieg reizt immer noch

Mit 35 Jahren und 51 Tagen löste Svindal Mario Matt als ältesten Olympiasieger bei den Alpinen ab, zudem hat er als einziger Profi neben Michaela Dorfmeister (Turin 2006) das olympische Speed-Double aus Abfahrt und Super-G (Vancouver 2010) geschafft. Noch in der Nacht hatte der „Super-Elch“ die Chance, in Pyeongchang im Super-G nachzulegen. Mit 35 Weltcupsiegen, zwei großen und acht kleinen Kristallkugeln (2006/07 sogar im Riesentorlauf) zählt er jedenfalls zu den Größen des Sports. Ob Abfahrtsgold seine Karriere vollkommen gemacht hat? „Ich habe nie Kitzbühel gewonnen, deshalb ist sie nicht komplett“, scherzte der Routinier, um mit ernsterem Ton hinzuzufügen: „Keine Karriere ist jemals komplett, du versuchst immer, so viel zu gewinnen, wie du kannst.“

Genau dieser Siegeswille und Biss sind es, die den Modellathleten (189 cm, 98 kg) aus Lørenskog nach einer unglaublichen Verletzungsserie jetzt auch auf den Olympia-Thron geführt haben. 2007 erlitt er bei einem Trainingssturz einen Jochbein- sowie einen doppelten Nasenbeinbruch und derart tiefe Schnittwunden am Gesäß, dass ihm zwischenzeitlich ein künstlicher Darmausgang gelegt werden musste. 2014 riss bei einem Spaßkick in der Vorbereitung die Achillessehne, 2016 warf ihn die Streif ab, Diagnose: Kreuzbandriss. Wegen anhaltender Beschwerden folgte im Jänner 2017 ein Eingriff am Meniskus.

Svindals Rückkehr zu alter Stärke nötigt deshalb auch der Konkurrenz Respekt ab, zumal der Norsker als einer der fairsten und freundlichsten Athleten im Skizirkus geschätzt wird. „Gratulation an den Olympiasieger, an den Aksel. Ich glaube, wenn es wer richtig verdient hat, dann ist es er, wenn man die letzten Jahre so hernimmt“, sagte Sotschi-Sieger Matthias Mayer, und Kitzbühel-Gewinner Thomas Dreßen adelte den Rivalen: „Es gibt kein größeres Vorbild als Svindal. Was er erreicht hat, ist unglaublich.“

 

Pech mit der Kulisse

Aus Svindal selbst sprach die ehrliche Freude darüber, immer noch auf der Piste zu stehen. „Ich bin einfach sehr glücklich. Es ist seit Jahren das erste Mal, dass ich im Februar überhaupt noch Ski fahre“, erzählte er. Training und Rennen muss er aus Rücksicht auf seine geschundenen Kniegelenke inzwischen freilich mit Bedacht kalkulieren. Vom Karriereende wollte Svindal nicht sprechen, hielt aber fest: „Ich bin alt, das ist der Anfang vom Ende. Das ist definitiv mein letztes Olympia. Nichts ist hundertprozentig sicher, aber das ist nahe dran.“ Dass einer seiner größten Karrieremomente fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit – trotz strahlend blauen Himmels waren die Tribünen verwaist – erfolgte, nahm Svindal in gewohnt ruhiger Art zur Kenntnis. „Das ist ein bisschen traurig. Aber Olympia ist größer als Skifahren. Pech für uns.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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