Die Medaillenflut im Eiskanal

Gold, Silber und Bronze – der ÖRV-Verband feiert sein Medaillenset. Markus Prock will seinen Sport in Österreich noch populärer machen.

OLYMPISCHE WINTERSPIELE PYEONGCHANG 2018: MEDAILLENFEIER IM AUSTRIA HOUSE: GLEIRSCHER / PENZ / FISCHLER / EGLE
OLYMPISCHE WINTERSPIELE PYEONGCHANG 2018: MEDAILLENFEIER IM AUSTRIA HOUSE: GLEIRSCHER / PENZ / FISCHLER / EGLE
Der Jubel der österreichischen Rodler-Familie: Egle, Gleirscher, Fischler und Penz waren Medaillengaranten. – APA/HELMUT FOHRINGER

Gold, Silber, Bronze – der Medaillensatz ist komplett, damit sind die Winterspiele 2018 für Österreichs Rodler auch schon wieder vorbei. Fortan, das versprach Sportdirektor Markus Prock sofort, werde man seine Mannschaft vorwiegend beim Feiern im Österreich-Haus antreffen. Jetzt gebe es kein Halten mehr, nun gelte es, die Freude für vier Jahre harter Arbeit zu genießen.

David Gleirscher gewann Einzel-Gold und Staffel-Bronze mit Madeleine Egle und Peter Penz/Georg Fischler. Die Doppelsitzer eroberten am Tag zuvor Silber; und damit wurde Procks Vorgabe sogar übertroffen, der mit zwei Medaillen heimfahren wollte, nun aber deren drei vorweisen kann, wenn er bei Fördergebern, Politikern oder Sponsoren um die Gunst des Rodelsports in Österreich bitten muss bzw. will.

 

„Eine gewaltige Leistung“

Gold ging wie schon 2014 in Sotschi an den haushohen Favoriten Deutschland. Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig und Tobias Wendl/Tobias Arlt lagen am Ende 0,355 Sekunden vor Kanada und 0,471 Sekunden vor Österreich. Geisenberger und Wendl/Arlt avancierten mit ihren jeweils vierten Goldmedaillen zu den erfolgreichsten Rodel-Olympioniken der Geschichte.

Doch auch für die Österreicher gab es Grund zur Freude. Als vorletztes Team ins Rennen gestartet, legte Egle einen starken Lauf hin und übergab nur mit einem minimalen Rückstand auf Kanada an Gleirscher. Der Olympiasieger präsentierte sich neuerlich in Topform – bei seiner Zielankunft lag das ÖRV-Team sogar in Führung. Penz/Fischler hingegen leisteten sich kleine Fehler, Cheftrainer René Friedl wollte die jedoch nicht überbewertet wissen. „Wir haben eine gewaltige Leistung abgeliefert“, erklärte der Deutsche. „Diese Medaille zeigt die Stärke unseres Teams. Wir haben von Anfang an gleich in den Flow gefunden und sind überglücklich.“

 

„Rodler-Herz“, was jetzt?

Für den Rodelverband gingen mit der Teamstaffel die zweiterfolgreichsten Winterspiele der Historie zu Ende. Besser war der ÖRV nur 1992 in Albertville mit einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze. 1964 in Innsbruck gab es ebenfalls den kompletten Medaillensatz. Allerdings war damals die Teamstaffel noch nicht im olympischen Programm.

„Mit einem semiprofessionellen Umfeld gewinnt man keine Medaillen“, erklärt Prock und lässt damit hinter die Kulissen seiner Arbeit beim Rodelverband blicken. Wichtigster Baustein sei der, dass viele Exsportler, etwa Tobias Schiegl (Material), mitarbeiten würden, kein (sündhaft teures) Know-how verloren gegangen sei. Jeder in seiner Truppe habe ein „Rodler-Herz“, sei mit Herzblut dabei, wolle etwas bewegen und verbessern. Dass man auch abseits der Rinne Deutschland oder Kanada hinterherfahre, sei zudem sehr leicht belegt. Dort gebe es mehr Scouting- und Jugendprogramme, habe man mehr Geld zur Verfügung, um auch im Materialsektor feineres, besseres Equipment zu erlangen. „Wir haben ein Jahresbudget von zwei Millionen Euro. Es braucht nicht die doppelten Gelder, aber doch 600.000, 700.000 Euro mehr“, sagt Prock. „Die brauchen wir, um weiterhin ein Medaillenlieferant zu sein.“ Mit diesem Anliegen wird er bei Vizekanzler Heinz-Christian Strache vorstellig werden, da er sich ja um Sportagenden kümmere.

Prock sehe aber auch noch Verbesserungsbedarf bei der Infrastruktur. „Wir brauchen eine neue Startanlage in Igls. In Imst möchte ich vier Kurven bauen lassen und ein zweites Leistungszentrum errichten.“ Die Spiele sind zwar für die Rodler vorbei, aber das Spiel hinter den Sportlern hat soeben erst begonnen. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2018)

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