Ski alpin: Hirscher setzt in Adelboden Rekordgeschichte fort

Marcel Hirscher gewann nach dem Riesentorlauf auch den Slalom auf dem Chuenisbärgli. Der Halbzeitführende Marco Schwarz fiel im zweiten Durchgang aus.

Marcel Hirscher
Marcel Hirscher
Marcel Hirscher – KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Adelboden/Wien. Marcel Hirscher schreibt die nächsten Superlative im Ski-Weltcup. Der Salzburger gewann nach dem Riesentorlauf am Sonntag auch den Slalom in Adelboden und jubelte damit über sein drittes Double nach 2012 und 2018 im Berner Oberland. Es war zudem sein neunter Sieg auf dem Chuenisbärgli, so oft hat an einem einzigen Weltcuport kein anderer Athlet triumphiert. Fünf Slalomsiege an selber Stelle wie er haben zuvor nur Ingemar Stenmark (Kitzbühel, Madonna) und Alberto Tomba (Sestriere) geschafft. Hirschers 67. Sieg war gleichbedeutend mit seinem 16. Stockerlplatz in Adelboden, auch das ist eine neue Bestmarke. Die Rekorde ließen den ÖSV-Star nicht kalt. „Hier habe ich meinen ersten Top-Ten-Platz erreicht, jetzt habe ich 16 Kuhglocken und neun Siege. Das ist wirklich ein spezieller Platz.“

Wie schon zuletzt in Zagreb lag Hirscher zur Halbzeit nicht voran, sondern diesmal hinter Landsmann Marco Schwarz und dem Norweger Henrik Kristoffersen. Im zweiten Durchgang markierte der 29-Jährige mit einer entfesselten Fahrt bei starkem Schneetreiben Laufbestzeit und sah seine Rivalen zurückfallen: Kristoffersen konnte nach einem schweren Fehler im oberen Teil nicht mehr zulegen, Schwarz fädelte wie in Zagreb ein. „Im zweiten Lauf war ich wacher und aufgeweckter“, analysierte Hirscher und lieferte die Erklärung dafür: „Es ist nicht meine Zeit in der Früh. Ich bin normal ein Langschläfer.“

„Sauwetter“ getrotzt

Hirscher hatte sich bis zuletzt auf der Reiteralm vorbereitet und war erst am Freitagabend nach Adelboden angereist. Seine Siegesfahrt war wieder ein Kraftakt mit hohem Risiko. „Nach der Besichtigung habe ich gewusst, dass mehr möglich ist. Das muss man aber auch erst nützen und das Sauwetter hat es echt schwer gemacht.“
Die für Außenstehende nicht so leicht nachvollziehbare Selbstkritik der letzten Wochen versuchte er zu erläutern: „Im Vergleich zu vergangenen Jahren waren es gleich viele Skitage, aber weniger gute. Die Produktivität fehlt.“ Im Training hätten sich einige Baustellen aufgetan, die es nun zu bearbeiten gelte. „Ich bin mitten in einem Prozess, in dem es heißt, den nächsten Schritt zu machen.“

Nichtsdestotrotz ist Hirscher mit den Siegen in Zagreb und Adelboden ein perfekter Start in die traditionelle Slalom-Hochzeit im Jänner gelungen. In Wengen (20. Jänner), Kitzbühel (27.) und Schladming (29.) dürfte eine Entscheidung in der Disziplinenwertung fallen, der Titelverteidiger liegt voll auf Kurs für das sechste Kristall. Auch im Gesamtweltcup hat Hirscher den Vorsprung auf Kristoffersen ausgebaut.

Hinter Hirscher klaffte ein großes Loch, da Shootingstar Schwarz zum zweiten Mal in Folge als Halbzeitführender einfädelte. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, haderte der Kärntner, der am Neujahrstag in Oslo seinen ersten Weltcupsieg gefeiert hatte. An den Nerven habe es nicht gelegen. „Ich weiß, dass ich gut und schnell skifahren kann.“ Auch Manuel Feller schied aus, Michael Matt verpatzte den ersten Lauf völlig und verpasste als 34. den zweiten. Dennoch hat dieses Trio seinen Startplatz für die WM in Are neben Titelverteidiger Hirscher sicher, die nächsten Rennen bieten Bewerbungschancen für das fünfte Ticket.

Auch im Riesentorlauf hat der ÖSV dank Hirscher fünf Plätze zu vergeben, hier ist das Rennen noch offener. Feller dürfte nach Platz vier in Alta Badia ebenso wie Schwarz als Adelboden-Siebenter gesetzt sein, um die weiteren Nominierungen rittern Vizeweltmeister Roland Leitinger, Stefan Brennsteiner, Philipp Schörghofer und Johannes Strolz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2019)

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