In der Familie liegt der Erfolg

In den Karrieren von Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin spielen die Eltern ähnliche und heute doch unterschiedliche Rollen. Ferdinand Hirscher liest Ski und Schnee, Eileen Shiffrin die Gedankenwelt ihrer Tochter.

Vater Ferdinand (hinten rechts) ist essenzielles Mitglied in Marcel Hirschers Erfolgsteam.
Vater Ferdinand (hinten rechts) ist essenzielles Mitglied in Marcel Hirschers Erfolgsteam.
Vater Ferdinand (hinten rechts) ist essenzielles Mitglied in Marcel Hirschers Erfolgsteam. – EXPA / APA / picturedesk.com

Åre. Hinter jedem erfolgreichen Athleten steckt immer ein Team, im Fall der Ausnahmekönner Marcel Hirscher und Mikaela Shiffrin sogar ein ganz auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmtes. Beide touren mit Privattross durch den Weltcup, haben von ihren Verbänden einen persönlichen Trainer zur Seite gestellt bekommen. Und beide legen großen Wert auf Unterstützung aus der Familie. Vater Ferdinand Hirscher ist inzwischen unumstrittene Instanz in Set-up-Fragen, testet – soweit ihn die Flugangst reisen lässt – die Ski des ÖSV-Superstars vor Ort.

Wenn Super-G-Weltmeisterin Shiffrin am Donnerstag (14.15/17.45 Uhr, ORF eins, live) im WM-Riesentorlauf nach dem zweiten Gold in Åre greift, steht ihr Mutter Eileen zur Seite. Als Mutter, Trainerin, Freundin, Managerin, Psychologin und Organisatorin, die ihr hilft, im Kopf klar und mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, beschrieb der US-Star die 59-Jährige: „Sie ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen meiner Karriere und denen der anderen.“

 

Wege zum sauberen Schwung

Wie Hirscher senior, der als staatlich geprüfter Skilehrer nach wie vor ganz selbstverständlich in Annaberg Kurse für Kinder gibt, wurde auch im Hause Shiffrin in Avon, einer Gemeinde in den Rocky Mountains, der Skisport großgeschrieben. Shiffrins Eltern bestritten ebenso wie ihr zwei Jahre älterer Bruder, Taylor, Rennen, in Eigenregie eignete sich Mutter Eileen das Fachwissen dahinter an. Stundenlang studierte sie Videos der Weltmeister, allen voran jener aus Österreich, und verschlang Fachbücher über die Wissenschaft der Carvingkurve oder Skipräparierung. „Man muss den Sport studieren, wie man es bei Mathematik oder Physik machen würde“, erklärte sie ihren Zugang.

Für ihre Kinder entwickelten die Shiffrins ein ganz eigenes Trainingsprogramm: Schon als Kleinkind wurde Mikaela auf Skiern durch das Wohnzimmer gezogen, später jagte sie auf Langlauflatten über den Golfkurs. Auf den Pflug, heute Pizzaschnitte genannt, als klassische Anfängertechnik wurde bewusst verzichtet, gleich nach dem sauberen Parallelschwung gestrebt. Jugendrennen erachteten die Eltern ob des Aufwands als Zeitverschwendung, setzten lieber auf intensives Training und fanden im Direktor der Burke Mountain Academy einen Gleichgesinnten. Dort erhielt Shiffrin den Feinschliff.

Konventioneller, jedoch ebenfalls mit klaren Vorstellungen begleitete auch Ferdinand Hirscher die Entwicklung seines Sohnes parallel zur Skihotelfachschule in Bad Gastein. Als dieser nach einem Lehrgang wie die Weltcup-Generation um Mario Matt oder Manfred Pranger „ganz breithaxert“ gefahren ist, hat er ihm alles wieder zurückgelernt – und sich dafür mit den Nachwuchstrainern angelegt. „Meine wichtigste Aufgabe war, dass ich aus ihm einen technisch guten, stimmigen Skifahrer mache“, verriet der 63-Jährige.

 

Emotionaler und fachlicher Rat

Bereits mit 15 stieß Shiffrin zum US-Weltcupteam, und für Eileen war klar, dass sie ihre Tochter nicht allein lassen würde. Sie hatte Geschichten über Alkohol und Männer gehört. „Sie war ein Kind. Wäre ich nicht dabei gewesen, wäre sie mitgegangen, um Teil der Gruppe zu sein“, erklärte sie. Inzwischen ist die Tochter fast 24, Olympiasiegerin und Weltmeisterin, trotzdem begleitet die Mutter sie als engste Vertraute nach wie vor zu allen Rennen. Ihre ständige Anwesenheit sorgt manchmal für Spannungen im US-Team, für Shiffrin ist das jedoch kein Thema: „In meiner Idealwelt akzeptieren die Leute einfach, dass sie zu mir gehört.“ Kürzlich hat sie sich in Colorado ein Haus gekauft, die Eltern werden miteinziehen. „Ich möchte sie bei mir haben, wenn ich einmal daheim bin.“

Marcel Hirscher ist sechs Jahre älter und führt als Jungvater ein ganz anderes Leben. In Sachen Ski und Schnee bleibt Vater Ferdl, längst selbst fast eine Berühmtheit, aber wichtigste Ansprechperson. Seit Dienstag weilt der Senior in Schweden und sondiert die Verhältnisse, um im Riesentorlauf und Slalom zuzuschlagen. Nach dem legendären wie emotionalen Telefonat zu Olympia-Gold im Live-TV im Vorjahr wollen Vater und Sohn diesmal gemeinsam in Åre jubeln.

HIRSCHER SCHONT SICH

Marcel Hirscher reiste am Mittwoch im Privatjet nach Åre an. Aufgrund einer Erkältung und von Halsweh sagte er vorsichtshalber alle Medientermine ab. Pressesprecher Stefan Illek beruhigte: „Er liegt nicht im Bett und wird am Donnerstag das normale Programm absolvieren.“ Auch bei der WM 2017 erkrankte Hirscher, holte aber noch Kombi-Silber und Gold in RTL und Slalom.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2019)

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