Eishockey-WM: Ein Sieg rettet die Erstklassigkeit

Nach erwarteten Abreibungen gegen Puck-Großmächte warten jetzt Norwegen und Italien auf Österreich. Gegen sie muss der Klassenerhalt fixiert werden.

Bratislava. Für Österreichs Eishockeyteam gab es bei der A-WM in Bratislava bislang nichts zu holen. Niederlagen gegen Lettland (2:5), Russland (0:5), die Schweiz (0:4) und Schweden führten die Mannschaft von Roger Bader dorthin, wo man sie schon vor WM-Start gesehen hatte: in den Kampf um den Klassenerhalt. Wer zu träumen gewagt hat, Österreichs Eishockey hätte sich verbessert, dessen Emotionen wurden einmal mehr auf das Normalmaß reduziert.

Es bleibt dabei: In den Partien gegen Norwegen (heute, 16.15 Uhr, live, ORF Sport+) und Italien (Montag, 20.15 Uhr) gilt es, den Verbleib im A-Pool sicherzustellen. Und um auch diese Rollenverteilung zurechtzurücken: In der Ondrej Nepela Arena ist Norwegen der leichte Favorit, aber nach vier teils ebenso heftigen Niederlagen wie Österreich noch punktelos.

Im A-Team konnte sich neben Keeper David Kickert – er verhinderte mit teils großartigen Paraden beim 0:4 gegen die Schweiz eine höhere Abfuhr – vor allem Raphael Wolf für weitere Aufgaben empfehlen. Der Verteidiger, knapp zwei Meter groß und zuletzt für Dornbirn im Einsatz, ist eines der wenigen Beispiele, das zeigt, dass Österreicher in der Erste Bank Liga durchaus heranreifen und sich gegen mittelklassige Legionäre behaupten können. Bei der WM zeigt der Salzburger, 23, Ruhe und Übersicht, ob er ins Ländle zurückkehren wird, bleibt abzuwarten.

 

„Dürfen uns nichts vormachen“

Im Gegensatz zu Österreich, dessen größtes Ziel es seit jeher ist, die eine essenzielle Partie bei der WM – egal ob früher in der Vierergruppe oder jetzt im Achter-Pool – zu gewinnen, um in den Top 16 der Welt zu bleiben, ist Norwegen seit 2006 Stammgast in der A-WM.

Drei Viertelfinal-Teilnahmen können die Skandinavier vorweisen. Aktuell hat nur der Klassenerhalt Vorrang, bewerkstelligen sollen ihn NHL-Stürmer Andreas Martinsen (Chicago Blackhawks) und zwölf Spieler aus europäischen Topligen. „Wir dürfen uns nichts vormachen. Sie sind Favorit, aber es ist ein anderes Niveau als die Schweiz und Lettland“, sagt Österreichs Teamchef, Roger Bader, und blickte in sein „Büchli“, in dem Notizen zu Spielern, Statistiken und Ideen vermerkt sind. Ob er die zündende Idee für einen geregelten Spielaufbau findet, bleibt jedoch fraglich. Auch gegen die Schweiz waren Offensivaktionen zuletzt absolute Mangelware.

Gegen die Norweger – bei ihnen spielt mit Sondre Olden (Vienna Capitals) der einzige Ebel-Legionär bei dieser WM, der nicht aus Österreich (15), Italien (1) oder Südtirol (5) kommt – nur zu mauern wäre der falsche Ansatz. „Es war vorhersehbar, dass alles so kommt. Wenn man sich das Ranking anschaut, stehen wir dort, wo wir hingehören“, stellte Thomas Raffl nüchtern fest. „Wir müssen die positiven Dinge mitnehmen. Mit Norwegen und Italien kommen die Mannschaften, die wir schlagen können.“ Gelingt das, sei „alles gut“. Aber besser wird alles deshalb vermutlich wieder nicht. (fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2019)

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