Skispringen: Kofler gewinnt in Lillehammer

Andreas Kofler gewinnt auch das dritte Weltcup-Springen in dieser Saison. Gregor Schlierenzauer wird in Lillehammer Vierter.

Andreas Kofler ist in dieser Saison noch ungeschlagen.
Andreas Kofler ist in dieser Saison noch ungeschlagen.
(c) EPA (Geir Olsen)

Miran Tepeš konnte gar nicht hinschauen. Der ehemalige Skispringer und Bronzemedaillengewinner von Calgary 1988 bedient seit vielen Jahren die Ampel, die den Athleten auf der Schanze grünes Licht für den Abflug erteilt. Normalerweise hat Tepeš auch Nerven aus Stahl, nur am Sonntag war ihm so richtig mulmig zumute. Was ihm in 132 Anläufen nicht gelungen war, hätte sein 22-jähriger Sohn Jurij auf dem Lysgardsbakken zu Lillehammer verwirklichen können - den ersten Weltcupsieg der Familie. Doch der Wind, der schon zuvor den ganzen Bewerb durchgebeutelt hatte, spielte Vater und Sohn einen Streich. Sieben Meter fehlten dem nach dem ersten Durchgang ebenso überraschend wie überlegen führenden Slowenen und er fiel auf Rang neun zurück. Darum blieb im Skisprung-Weltcup der Herren auch nach dem dritten Saisonbewerb alles wie gehabt - und Andreas Kofler gewinnt.

Der 27-jährige Stubaier besticht nicht nur durch das Können, nach dem Absprung sofort enorm an Höhe zu gewinnen und sich den Mitstreitern gegenüber damit den entscheidenden Vorteil zu verschaffen, sondern hat auch das nötige Glück auf seiner Seite. Ihm spielte der Wind nicht übel mit, der Polizist setzte zwei souveräne Sprünge (125,5/129 Meter) sicher in den Kunstschnee und durfte sich über den nächsten, 8100 Euro schweren Siegerscheck und sein Gelbes Trikot freuen.

Erfolg mit vollen Hosen

Der Vorsprung im Gesamtweltcup auf den nächsten Verfolger, es ist Gregor Schlierenzauer, ist mit 130 Punkten äußerst beruhigend. Hält seine Serie an, ist er unumstritten der Favorit auf den Gewinn der am 30. Dezember in Oberstdorf beginnenden Vierschanzentournee. Kofler selbst nimmt den Erfolg gelassen, lässt sich nicht irritieren, sondern behält seine lockere, vollkommen unbekümmerte Art bei. „Ich bin einfach gut drauf. Aber es ist auch leicht, mit vollen Hosen zu stinken."

Während sich Kofler weiterhin darüber ausschweigt, was er an seinem Training verändert hat, weil ihn zwei Monate lang Rückenschmerzen plagten und er folglich nicht wie gewohnt mit allen anderen ÖSV-Adlern zum üblichen Mattenspringen vor dem Saisonstart antreten konnte, hatte ÖSV-Direktor Ernst Vettori einen Ansatz parat, um Koflers Überlegenheit zu erklären. „Er springt vom Tisch einfach explosiv ab", sagt Vettori und glaubt nicht an Geheimrezepte oder anderen Schnickschnack. „Er gewinnt schneller Tempo als alle anderen, und - er fliegt sehr gut." Skispringen kann so einfach sein.

 

Lillehammer, 3. Saisonbewerb:

1. Andreas Kofler (AUT) 252 (125,5/129 Meter)
2. Anders Bardal (NOR) 249,2 (125/140,5)
2. Severin Freund (GER) 249,2 (132/124)
Weiters, 4. Schlierenzauer 248,7 (121,5/135), 6. Morgenstern 240,5 (121,5/135,5); 26. Koch 193,2 (119/110,5), 34. Loitzl, 42. Zauner.

Weltcup: 1. Kofler 300 2. Schlierenzauer 170 3. Freitag (GER) 154 5. Morgenstern 122.

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