Ski-WM: Gold für Deutschland - "Watschn" für Österreich

Die große Favoritin Maria Riesch ist Slalom-Weltmeisterin 2009, die ÖSV-Damen erleben ihre größte WM-Schlappe seit über 30 Jahren: Keine Österreicherin schaffte es in den zweiten Lauf.

Kathrin Zettel nach dem Ausfall
Kathrin Zettel nach dem Ausfall
(c) AP (ALESSANDRO TROVATI)

Nach Gold im Riesentorlauf durch Kathrin Hölzl darf sich Deutschland im Slalom erneut über einen WM-Titel freuen: Die große Favoritin Maria Riesch, nach dem ersten Lauf noch Sechste, stürmte mit einem fehlerlosen zweiten Durchgang auf Platz eins.

Dabei profitierte die Deutsche von den Ausfällen der Italienerin Manuela Mölgg und Lindsey Vonn aus den USA, die nach dem ersten Lauf Platz eins und zwei belegt hatten. Die französische Lokalmatadorin Sandrine Aubert, zur Halbzeit Dritte, hatte im entscheidenden Durchgang einen Fast-Ausfall, stieg die Piste wieder hinauf und kam schließlich mit fast 50 Sekunden Rückstand ins Ziel.

Riesch hält dem Druck stand

Für Maria Riesch ist es nach all den Rückschlägen der letzten Tage, angefangen mit dem schweren Sturz im Abfahrts-Training, endlich der ersehnte erste WM-Titel. Die 24-Jährige Deutsche hatte mit vier Slalomsiegen in dieser Weltcupsaison schon bisher in dieser Disziplin dominiert. Dem daraus resultierenden Druck der Topfavoritin, der auf ihr lastete, hielt sie souverän stand: "Ich war bei der WM einfach nicht so gut, wie ich es sein wollte. Nach dem ersten Lauf habe ich nicht mehr daran gedacht, ich habe mir schon Phrasen zurecht gelegt, für den Fall, wenn es nicht klappt. Jetzt bin ich Weltmeisterin - ein Wahnsinn", jubelte die Garmisch-Partenkirchenerin.

Riesch ist damit auch die erste deutsche Slalom-Weltmeisterin seit 33 Jahren. 1976 war Rosi Mittermaiers Olympiasieg in Innsbruck auch als WM-Titel gewertet worden.

Sarka Zahrobska holte mit dem Respektabstand von 77 Hundertstel Silber und damit die erste Medaille für Tschechien. Bronze gewann die Finnin Tanja Poutiainen (+1,09 Sekunden). Großes Pech hatte Denise Karbon: Die viertplatzierte Italienerin verpasste um nur eine Hundertstelsekunde Bronze.

Debakel in rot-weiß-rot

Österreichs Athletinnen wurden vernichtend geschlagen: Der zweite Durchgang ging ganz ohne rot-weiß-rote Beteiligung über die Bühne. Kathrin Zettel fiel im ersten Lauf nach wenigen Fahrsekunden aus und auch Michaela Kirchgasser scheiterte nach kurzer Zeit am anspruchsvollen Kurs. Elisabeth Görgl und Anna Fenninger schafften mit sehr schwachen Fahrten nicht die Qualifikation für den zweiten Lauf. Görgl wurde mit 4,88 Sekunden Rückstand 35., Fenninger landete noch eine Platz dahinter (+5,37 Sekunden).

Es ist das schlechteste österreichische WM-Slalom-Ergebnis - ebenfalls seit Innsbruck 1976. Auch bei Olympia 2002 in Salt Lake City war keine ÖSV-Fahrerin in die Slalom-Wertung gekommen.

Pum: "Sehr schade"

Österreichs Alpinchef Hans Pum fand das Ergebnis im vorletzten WM-Bewerb "sehr schade", da Zettel und Kirchgasser zum Favoritenkreis gezählt hatten. "Durch den Ausfall haben die zwei anderen den Mut ein bisserl verloren und nicht mehr attackiert", hatte Pum erkannt.

Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Marlies Schild und Nicole Hosp hatte der ÖSV damit spekuliert, junge Slalomläuferinnen mit zur WM zu nehmen, dann aber dagegen entschieden. Und so kamen Fenninger und Görgl, die in dieser Saison noch keinen einzigen Weltcuppunkt im Slalom erobert hat, zum Einsatz, damit alle Startplätze ausgeschöpft wurden. Das Fehlen der großen zwei Technikerinnen konnten sie aber freilich auch nicht kompensieren. Dass der Slalom die aktuelle Schwachstelle im österreichischen Damenteam ist, ist seit längerem bekannt.

Gesamtbilanz dennoch "positiv"

Die Gesamtbilanz für das Frauenlager fällt bei Pum aber "positiv" aus. "Unsere Läuferinnen haben hier alles gegeben, sie haben auch bei widrigen Bedingungen gekämpft und waren auch erfolgreich. Es hat sehr gut angefangen. In Disziplinen, in denen wir uns nicht so viele Chancen ausgerechnet haben, haben wir Medaillen gemacht. Und wo wir sie erwartet und erhofft haben, hat es nicht funktioniert. Mit den Medaillen müssen wir zufrieden sein. So was wie heute kann passieren." Nachsatz: "Der Sport kann so schön sein, aber auch brutal und hart. Wenn man weiß, wie eng alles beieinander liegt, versteht man es leichter."

Zettel mit seelischen und körperlichen Schmerzen

Zettel stürzte voll auf die Rippen und klagte über einen schmerzenden Brustkorb. "Das schmerzt momentan fast mehr als das Seelische", sagte die 22-jährige Niederösterreicherin, der am Sonntag auf dem Dorfplatz in Göstling ein großer Empfang bereitet wird (18.30 Uhr). "Ich habe den Ski einfach ein bisschen zu weit durchfahren lassen, dadurch war ich mit dem Schwerpunkt hinten nach und habe im nächsten Schwung zu früh am Innenski angesetzt", erklärte die Niederösterreicherin ihren Fehler.

Zettels persönliches WM-Resümee? "Angefangen hat es traumhaft schön für mich, da ich unerwartet Gold gemacht habe. Im Riesentorlauf habe ich ein bisserl Pech mit dem Wetter gehabt. Und heute war es leider schnell vorbei, dabei hätte ich mich sehr wohl gefühlt, denn es taugt mir da herunter", meinte Zettel, die nun die kleine Kristallkugel für den Riesentorlauf anpeilt.

Kirchgasser: "Man kann auch andere Rennen gewinnen"

Michaela Kirchgasser sah ihr Ausscheiden pragmatisch: "Was soll ich nachweinen, das bringt eh nichts. Ausfall ist Ausfall. Ich wusste, ich hätte da heute mitfahren können" Sie versuchte, das Positive aus Val d'Isere mitzunehmen: "Ich bin in einer guten Form - auch ohne Medaille. Fünfte im Riesentorlauf schaut schlecht aus, weil es keine Medaille ist, aber wenn ich den ersten Durchgang hernehme, wo ich nicht gut gefahren bin und dann trotzdem vorne dabei war, dann ist es wieder ein guter Platz. Ich weiß, dass ich schnell bin." Und auch die Salzburgerin hat noch Ziele für die restliche Saison. "Es sind noch einige Rennen, es gibt noch einige Punkte. Man kann auch andere Rennen gewinnen - nicht nur die WM." Zudem hat sie mit 23 Jahren noch viele Großereignisse vor sich: "In zwei Jahren kommt wieder eine WM und nächstes Jahr Olympia. Da bin ich wieder dabei."

Görgl und Fenninger "hat der Mut verlassen"

Görgl, die in diesem Winter im Weltcup noch keinen Slalompunkt gemacht hat, ist nach eigenen Angaben "viel gerutscht" und hatte sich selbst "im Sprunggelenk gesperrt", Fenninger blieb doch etwas unter den Erwartungen. "Zettel hat gut begonnen, im Steilen aber viel probiert und Hektik bekommen, dann ist sie blöd mit dem Ski hängengeblieben. Das ist sicher enttäuschend, wir hätten zwei schnelle Mädels am Start gehabt. Görgl und Fenninger hat nach dem Out der zwei Vorderen völlig der Mut verlassen", hatte ÖSV-Damencheftrainer Herbert Mandl bemerkt. Nach den Ausfällen von Hosp und Marlies Schild seien Zettel und Kirchgasser auf sich alleine gestellt gewesen.

 

Endstand im WM-Slalom der Damen:


1. Maria Riesch GER 1:51,80
2. Sarka Zahrobska CZE 1:52,57
3. Tanja Poutiainen FIN 1:52,89
4. Denise Karbon ITA 1:52,90
5. Nicole Gius ITA 1:52,93
6. Denise Feierabend SUI 1:53,49
7. Ana Jelusic CRO 1:53,67
8. Fanny Chmelar GER 1:53,76
9. Anja Pärson SWE 1:53,78
10. Aline Bonjour SUI 1:53,84
11. Sanni Leinonen FIN 1:54,04
12. Anna Goodman CAN 1:54,27
13. Nastasia Noens FRA 1:54,29
14. Rabea Grand SUI 1:54,44
15. Frida Hansdotter SWE 1:54,48
16. Sandra Gini SUI 1:54,80
17. Marusa Ferk SLO 1:55,20
18. Kathrin Hölzl GER 1:55,89
19. Resi Stiegler USA 1:56,34
20. Marina Nigg LIE 1:56,46
21. Karen Persyn BEL 1:57,56
22. Jelena Lolovic SRB 1:58,01
23. Katarzyna Karasinska POL 1:58,03
24. Aleksandra Klus POL 1:59,67
25. Brigitte Acton CAN 2:07,24
26. Sandrine Aubert FRA 2:40,37

 

Ausgeschieden u.a.:

Manuela Mölgg (ITA), Lindsey Vonn (USA), Marion Bertrand (FRA), Kathrin Zettel (AUT), Michaela Kirchgasser (AUT/beide im ersten Durchgang)

(APA/Red.)

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