Ski-WM: Pranger holt zweites Gold für Österreich

Der Tiroler behielt in einem Slalom mit vielen Ausfällen die Nerven und verwies den Franzosen Julien Lizeroux auf Platz zwei. Alle anderen Österreicher schieden aus.

Manfred Pranger
Manfred Pranger
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Walter Luger)

Österreich gewinnt im letzten WM-Rennen 2009 das zweite Gold: Manfred Pranger, der schon nach dem ersten Durchgang geführt hatte, behielt auch im zweiten Lauf die Nerven und siegte vor Lokalmatador Julien Lizeroux, Bronze ging an Michael Janyk aus Kanada.

Auf der bei minus 20 Grad eisigen Piste stießen zahlreiche Fahrer an ihre Leistungsgrenzen: Schon im ersten Lauf schied mehr aus die Hälfte aller Athleten aus, darunter auch die Österreicher Mario Matt, Reinfried Herbst und Marcel Hirscher. Im zweiten Durchgang ging es in ähnlicher Weise weiter: Von 30 Läufern kamen nur 17 durch.

Unter den Ausgeschiedenen war mit Benjamin Raich, zur Halbzeit Siebenter, auch der vierte Österreicher. In der Folge fielen dann auch der Schwede Johan Brolenius (im ersten Lauf 2.), Jean-Baptiste Grange aus Frankreich (3.), der Amerikaner Ted Ligety (5.) und Manfred Mölgg aus Italien (6.) aus. Manfred Pranger legte seinen zweiten Lauf eher defensiv an und gewann in 1:44,17 Minuten 31 Hundertstel vor Lizeroux, der im zweiten Durchgang auch einen gröberen Fehler hatte. Für den 31-jährigen Tiroler, der erst drei Weltcuprennen (alle Slalom) gewinnen konnte, ist es der erste WM-Titel.

Für Österreich war es nach dem Super-Kombi-Triumph von Kathrin Zettel die zweite Goldmedaille beim Saisonhöhepunkt in Frankreich. Damit schloss das ÖSV-Team mit fünf Medaillen (2 Gold, 1 Silber, 2 Bronze) die Medaillenwertung hinter der Schweiz auf Platz zwei ab. Österreich ist zum ersten Mal seit der WM 1997 in Sestriere nicht die Nummer eins im Medaillenspiegel.

Pranger taktiert sich zum Sieg

Der neue Weltmeister begriff im ersten Moment nicht, wie ihm geschah: "Ich hab es mir schon zweimal vorgesagt - es ist so unglaublich. Ich hab immer davon geträumt. Ich habe mir immer gedacht: Wenn ich nur mal Weltmeister werden könnte! Ich habe gesehen, dass die anderen vor mir rausgeflogen sind und habe mir gedacht: Hauptsache eine Medaille. Ich fahre nur ins Ziel, habe nichts riskiert. Dass es noch gereicht hat, ist unglaublich", sagte Pranger, der erst vor kurzem zum zweiten Mal Vater geworden war, in seiner ersten Emotion.

Raich: "Gewaltig!"

Nach dem Rennen von Pranger konnte auch Raich nur noch den Hut ziehen: "Gewaltig! Manni war der letzte, der von uns noch oben war, alle anderen sind ausgeschieden. Dass er das runtergebracht hat ist traumhaft", sagte der Pitztaler, der mit Riesentorlauf-Silber in Val d'Isere aber auch nicht leer ausgegangen war. Er sei im zweiten aggressiver gefahren, habe sich besser gefühlt, aber bei der Haarnadel eingefädelt.

Alpinchef Pum erleichtert

Auch ÖSV-Alpinchef Hans Pum war die Erleichterung deutlich anzusehen. "Die Anspannung war ja sehr groß, mich freut es für die ganze Mannschaft, dass das noch geglückt ist. Und es freut mich für den Manni, er hat sich das verdient nach dieser Verletzung. Die Leistung ist sehr hoch einzuschätzen, denn so viele Favoriten sind ausgefallen - leider auch unsere. Es war sehr, sehr schwer."

Lizeroux: "Manfred war stärker"

Für Lizeroux war es nach Silber in der Kombination die zweite Medaille bei seiner Heim-WM, obwohl es zum ersehnten Gold für die Gastgebernation nicht reichte, war er sehr zufrieden. "Ich bin stolz, zwei Medaillen sind großartig", jubelte Lizeroux, der am Start die vielen Menschen schreien gehört hatte. "Ich hatte großen Vorsprung, aber Manfred war noch stärker", musste er neidlos anerkennen.

Janyk mit Kanadas zweiter Medaille

Der aus Whistler Mountain stammende Janyk wusste, dass ein Erfolg von ihm nur eine Frage der Zeit gewesen sei, denn vom Können her sei er gut dabei. Kanada holte damit nach Gold in der Abfahrt durch John Kucera zwei Medaillen - und das ein Jahr vor den Olympischen Heimspielen 2010 in Vancouver. Ein großer Erfolg auch für den österreichischen Alpindirektor Max Gartner. Wie die US-Amerikaner haben auch die Kanadier ein Winterquartier in Kirchberg in Tirol aufgeschlagen und erst kürzlich ihre Appartements für die nächsten Winter gebucht.

Herbst hat "nicht ins Konzept gepasst"

"Das hat man davon, wenn man Favorit ist, nämlich gar nichts", sagte der ausgeschiedene Medaillenkandidat Reinfried Herbst, für den der Medaillentraum bereits nach nur vier Toren zu Ende war. Der 30-jährige Salzburger, der im Jänner in Adelboden und Schladming gewonnen hatte, sprach von einem Slalom mit "extrem hohen" Tempo. Sein Resümee: "Es war ein toller Hang, tolle Stimmung und ich hatte tolles Material. Nur ich habe heute nicht ins Konzept gepasst."

Matt nach Ausfall sauer

Für Matt löste sich der Traum von der dritten WM-Slalom-Goldenen nach 2001 und 2007 ebenfalls sehr rasch in Luft auf, der Tiroler hatte zwei Steher und gab daraufhin entnervt auf. "Ich konnte mich überhaupt nicht halten und bin nur gerutscht. Das ist mühsam", war Matt über seine Probleme mit der Materialabstimmung für derlei Eisverhältnisse sauer. Dabei läuft es für den Arlberger im Training wie am Schnürchen. "Da fahre ich eine Bestzeit nach der anderen. Aber wenn es dann im Rennen noch eisiger wird, habe ich keinen Halt."

Hirscher war "total überfordert"

Ähnlich klang das Resümee von Hirscher, der zum Abschluss seiner sehr arbeitsreichen ersten WM ausschied. "Das war viel zu eisig für mich. Ich war total überfordert, das muss ich klar und deutlich sagen", gestand der 19-Jährige. Hirscher wollte keine "blöden Ausreden" suchen, merkte jedoch an, dass die Verhältnisse in Val d'Isere aufgrund der starken Schneefälle lange Zeit "tiefschneemäßig" gewesen sind. Die Umstellung aufs blanke Eis vom Sonntag sei ihm dementsprechend schwer gefallen.

 

 

Endstand des WM-Slaloms der Herren:


1. Manfred Pranger AUT 1:44,17
2. Julien Lizeroux FRA 1:44,48
3. Michael Janyk CAN 1:45,70
4. Felix Neureuther GER 1:45,89
5. Mattias Hargin SWE 1:46,23
6. Steve Missillier FRA 1:46,46
7. Patrick Thaler ITA 1:46,54
8. Krystof Kryzl CZE 1:46,57
9. Urs Imboden MDA 1:46,72
10. Jimmy Cochran USA 1:46,83
11. Lars Elton Myhre NOR 1:47,46
12. Alexandr Horoshilov RUS 1:47,95
13. Sandro Viletta SUI 1:48,96
14. Natko Zrncic-Dim CRO 1:49,61
15. Stepan Zuev RUS 1:50,77
16. Stefan Georgiev BUL 1:53,71
17. Noel Baxter GBR 1:54,04

 

Ausgeschieden u.a.:

Benjamin Raich (AUT), Reinfried Herbst (AUT), Marcel Hirscher (AUT), Mario Matt (AUT), Thomas Grandi (CAN), Silvan Zurbriggen (SUI), Manfred Mölgg (ITA), Ted Ligety (USA), Jean-Baptiste Grange (FRA), Johan Brolenius (SWE), Bode Miller (USA)

(APA/Red.)

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