Die verpasste Chance an Svindals großem Tag

FIS-Renndirektor Markus Waldner kontert Kritik an Herren-Abfahrt. „Machen Rennen auch bei Schneefall.“

Aksel Lund Svindal auf Abschiedstour.
Aksel Lund Svindal auf Abschiedstour.
Aksel Lund Svindal auf Abschiedstour. – (c) APA/EXPA/DOMINIK ANGERER

Åre. Ein wenig anachronistisch mutet es an, wenn während der Ski-WM allabendlich FIS-Vertreter und Mannschaftsführer zur Teamsitzung zusammentreffen. Im Holiday Club im Ortszentrum von Åre trennen mobile Wände den Sitzungsraum ab, draußen wuseln die Leute herum. Der Geräuschpegel war also bereits hoch, als am Sonntagabend als traditionell erster Punkt die Anwesenheit der Nationenvertreter abgefragt wurde. Sie haben an langen Tischreihen Platz genommen, die dazu aufgestellten kleinen Fähnchen vermitteln Konferenzflair aus vergangenen Zeiten.

Es folgte eine kurze Analyse des letzten Rennens, dann der Auftritt von WM-Meteorologin Pia Hultgren. Ihre Prognosen stehen seit dem Wochenende stark im Fokus, auch im Hinblick auf die unsteten Bedingungen für die Herren-Kombination wurde ihren Ausführungen ganz besonders aufmerksam gelauscht. Eine kurze Power-Point-Präsentation zeigte Satellitenbilder und Diagramme, eine Vorschau auf die möglichen Zeitfenster zwischen Sonnenschein und Schneewolken – man fühlte sich ganz kurz ein wenig wie in ein Uni-Seminar zurückversetzt.

Als weiterer Programmpunkt wartete die Startnummernvergabe für das Rennen. Auf der Leinwand war diese computerunterstützt zu verfolgen, im Saal selbst kam es zur Umsetzung auf ganz klassische Art und Weise: Händisch wurden die aufgeklebten Namensschilder an einer Pinnwand in die richtige Reihenfolge sortiert.

 

Überraschungsgast

Zur Überraschung aller schaute bei dieser Sitzung ein prominenter Gast vorbei: Aksel Lund Svindal ließ es sich nicht nehmen, sich vor seiner großen Abschiedsparty persönlich von den Anwesenden zu verabschieden. „Das wird mein erster und letzter Besuch sein“, scherzte der Norweger. Er bedankte sich für die großartige Zusammenarbeit in seiner Zeit im Weltcup und überreichte Mike Kertesz, der im Ziel die technische Kontrolle der Athleten vornimmt, eine Uhr. „Du warst immer der Erste, den wir nach einem Lauf gesehen haben. Damit hoffe ich, dass du noch oft an mich denkst.“

Eine große Geste von Svindal, die auch FIS-Renndirektor Markus Waldner sehr zu schätzen wusste. Die Kritik an der Durchführung der Abfahrt am Sonntag, wie sie danach etwa Christof Innerhofer oder Beat Feuz geäußert hatten, konnte er nicht nachvollziehen. Es sei von den Pistenbedingungen am Limit, aber keinesfalls gefährlich gewesen. „Wir machen Skirennen auch bei Schneefall, weil Winter ist“, sagte der Südtiroler der „Presse“. Er erklärte, die emotionale Reaktion einiger Läufer im Ziel verstehen zu können, dennoch bedauerte er die Wortmeldungen. Denn damit hätten diese eine einmalige Gelegenheit verpasst. „Die hätten nicht jammern, sondern dem Herrn, der mit einem Haxen nicht mehr auftreten kann, es ihnen allen aber in seinem letzten Rennen gezeigt hat, mehr Respekt zollen sollen.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2019)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Die verpasste Chance an Svindals großem Tag

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.