Der harte Weg des Hirscher-Besiegers

Bei der WM 2017 überraschte der Belgier Dries van den Broecke gegen Marcel Hirscher. 2019 kämpft er nach wie vor gegen Hürden und träumt von Olympia.

Dries van den Broecke (Archivbild von 2012).
Dries van den Broecke (Archivbild von 2012).
Dries van den Broecke (Archivbild von 2012). – (c) imago sportfotodienst

Åre. Den bislang größten Moment seiner Karriere erlebte Dries van den Broecke vor zwei Jahren bei der WM in St. Moritz. In der ersten Runde des Teambewerbs schlug er im direkten Duell niemand geringeren als Marcel Hirscher. „Er hat gesagt, dass ich saugut gefahren bin“, frohlockte der Belgier damals im Ziel. Dass für ihn und seine Landsleute dennoch mit 1:3 das Auftakt-Aus kam, konnte den persönlichen Erfolg selbstredend nicht schmälern.

2019 in Åre war van den Broecke mit dem belgischen Team wieder am Start. Diesmal reichte es nicht zur Sensation, van den Broecke stürzte und Belgien verabschiedete sich ohne Punkt in Runde eins. Der Sieg über Hirscher ist für ihn aber nach wie vor ein Highlight, an das er sich gern und oft zurück erinnert. „Das bleibt mir für immer. Jeder weiß es, alle sprechen mich darauf an“, sagt er der „Presse“. Für die anstehenden Technik-Qualifikationen ist der 23-Jährige zuversichtlich: „Das Schwierigste daran ist, durchzukommen.“

Auf den WM-Coup folgte allerdings der bittere Rückschlag: Die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang fanden ohne van den Broecke statt. „Ich war einfach nicht gut genug. Ein anderer war besser, das andere eine politische Entscheidung“, sagt er zu seiner Nicht-Nominierung. Die Vergangenheit aber hat er längst abgehakt, sein Blick ist schon in die Zukunft gerichtet: Bei Olympia 2022 in Peking will er dabei sein.

 

Karriere als Familienprojekt

Als Teenager lebte van den Broecke einige Jahre in Stams und im Pitztal und saugte die österreichische Ski-Kultur in vollen Zügen auf. Mit neuem Wissen und großer Leidenschaft kehrte er zurück nach Belgien und strebte dort eine Professionalisierung des Skiverbands an, um sich seinen Profi-Traum zu erfüllen. Die Bilanz jedoch fällt ernüchternd aus. „Da ist gar nichts professionell. Wir bekommen keine Förderungen, sondern müssen uns alles selbst organisieren“, erzählt er.

Wie andere Läufer kleinerer Verbände hat sich der Belgier deshalb dem Global Racing Team angeschlossen, um sich bessere Trainingsbedingungen zu schaffen. Das hat seine Kosten, die mit den derzeitigen Sponsoren noch nicht abzudecken sind. „Die ganze Familie investiert in meine Karriere“, sagt er. Wenn nicht gerade WM ist, fährt van den Broecke im Europacup. „Die Richtung stimmt: Ich werde schneller, stabiler, besser“, ist er überzeugt. Bei der WM-Generalprobe in Gstaad verpasste der 23-Jährige aber beide Male den zweiten Slalom-Durchgang. Im Weltcup will er sich nach fünf gescheiterten Anläufen erst wieder versuchen, „wenn ich Punkte machen kann.“

Davor möchte van den Broecke in ?re aufzeigen. Ob es – abseits der Piste – zu einem Wiedersehen mit Hirscher kommen wird? „Das wird, glaube ich, sehr schwierig“, so der Belgier. „Er hat sein eigenes Programm. Selbst wenn er das Rennen fährt, wirkt es wie wenn er gar nicht da wäre.“ (swi)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2019)

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