Studie: YouTube als Gefahr für Handynetze

2020 werden 90 Prozent der Weltbevölkerung ein Handy haben. Der mobile Datenverkehr wird bis dahin um 40 Prozent pro Jahr steigen, verantwortlich dafür sind Videos.

(c) REUTERS (ERIC GAILLARD)

Wien/Stockholm. Wer mit seinem Handy telefoniert oder SMS verschickt, dürfte schon fortgeschrittenen Alters sein – oder ein altes Telefon haben. Smartphone-Besitzer nutzen ihre Mobiltelefone nämlich in erster Linie für Datendienste. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken, wie eine Studie des weltweit größten Mobilfunkausstatters Ericsson zeigt („Ericsson Mobility Report, November 2014“). Und diese Entwicklung wird zu einer Belastungsprobe für die mobilen Datennetzwerke.

Die Durchdringung der Welt mit Handys nimmt rapide zu. Derzeit werden weltweit 7,1 Milliarden Mobiltelefone genutzt (manche Personen besitzen mehrere). Im Jahr 2020 werden 90 Prozent der Über-Sechsjährigen ein Handy besitzen (insgesamt 9,5 Milliarden Mobiltelefonverträge). Der Anteil der Smartphones wird sich in den kommenden sechs Jahren mehr als verdoppeln: von zur Zeit 2,7 Milliarden Stück auf 6,1 Milliarden.

Die steigende Anzahl der Smartphone-User wird dafür verantwortlich sein, dass der mobile Datenverkehr (inklusive PC und Tablets) exorbitant steigt. Allein von 2013 auf 2014 (drittes Quartal) legte er um 60 Prozent zu. Bis 2020 wird die Steigerung weitere 40 Prozent pro Jahr betragen. Umgelegt auf den einzelnen Nutzer bedeutet das einen monatlichen Datenverbrauch von 3,5 Gigabyte statt bisher 900 Megabyte pro Monat. Die Steigerungsraten für europäische Smartphone-Nutzer werden laut Ericsson noch beachtlicher sein. Derzeit lädt jeder 1,2 Gigabyte pro Monat auf sein Handy, in sechs Jahren werden es 4,6 Gigabyte sein.

 

75 Prozent LTE-Netze

Für die Betreiber von Mobilfunknetzen wird das zu einer Herausforderung. Sie müssen mehr in die Datennetze investieren, um den steigenden Verbrauch bewältigen zu können. In Österreich berichtet Drei von einer Verdoppelung des monatlichen Datenverkehrs „alle ein bis zwei Jahre“ (exakte Zahlen wollte der Betreiber nicht nennen). Man könne dies mit dem laufenden Ausbau des schnelleren Standards LTE abfangen. Die Technik werde auch die erwarteten Steigerungen bewältigen können, meint Drei. In Westeuropa wird der schnelle Datenstandard in sechs Jahren stark verbreitet sein. Derzeit können nur etwa zehn Prozent der Handybesitzer LTE nutzen, 2020 werden es bereits 75 Prozent sein. Nur die USA haben dann eine noch größere Reichweite: Etwa 80 Prozent des US-Netzes wird LTE-fähig sein.

Hauptverantwortlich für die Zunahme des Datenverkehrs sind Videos, ihre Datenmenge wird sich bis 2020 verzehnfachen und dann etwa 55 Prozent des weltweiten mobilen Datenverbrauchs ausmachen. Dominierend ist dabei die Videoplattform YouTube: Je nach Region wird sie für 40 bis 60 Prozent des monatlichen mobilen Datenverkehrs verantwortlich sein. Dazu kommt die steigende Popularität von Video-on-Demand-Diensten wie Netflix. Sie machen in den USA zur Zeit 15 Prozent der monatlich gestreamten Videodaten aus.

Stabil bleibt der Anteil von sozialen Netzwerken (wie etwa Facebook oder Instagram) am monatlichen Datenverbrauch: Er liegt 2020 wie jetzt schon 2014 bei 15 Prozent. Musikstreaming bleibt konstant bei zwei Prozent, nur eines wird abnehmen: Man nutzt sein Handy immer weniger, um damit im Internet zu surfen: Der Anteil des Webbrowsens am Datenverbrauch halbiert sich von zehn auf fünf Prozent. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.11.2014)

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