HTC steckt tiefer in der Krise als angenommen

Die Umsatzprognosen wurden kürzlich deutlich nach unten korrigiert. Nun ermittelt auch die taiwanesische Finanzaufsicht.

REUTERS

Dem Smartphone-Hersteller HTC laufen die Anleger in Scharen weg. Am Montag reagierten sie mit Massenverkäufen auf die negativen Geschäftsaussichten des Konzerns aus Taiwan. Der Kurseinbruch der HTC-Aktie fiel mit fast zehn Prozent so deutlich aus wie nie zuvor. Der aktuelle Ausblick ruft jetzt sogar die taiwanesische Finanzaufsicht auf den Plan. Zu lange soll das Management mit der Veröffentlichung der tatsächlichen Geschäftslage des Unternehmens gewartet haben.

Am Freitag wurde für das laufende Quartal eine neue Umsatzprognose präsentiert, die nahezu 30 Prozent unter der bisherigen liegt. Mit jedem neuen Topmodell des Herstellers herrscht gleichzeitig auch Aufbruchsstimmung, dass dieses Modell nun eben die Trendwende mit sich bringen würde. Auch beim HTC One M9 (hier geht es zum Testbericht: "Der Heißläufer im Test") war dies der Fall. Ersten Prognosen zufolge wollte man einen Umsatz von 1,49 bis 1,66 Milliarden Dollar erzielen. Mittlerweile wurden diese deutlich nach unten korrigiert. Der tatsächliche Umsatz soll zwischen 1,07 und 1,17 Milliarden Dollar liegen. Dieser Betrag reicht längst nicht aus, um das Unternehmen in diesem Quartal wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Ein gutes Gerät reicht längst nicht mehr aus

Branchenexperten sehen im derzeitigen Angebot die größte Schwachstelle des Unternehmens. Die Produktauswahl sei zu gering und die Schwächen im Software- und Dienstleistungsangebot unübersehbar. Konkurrenten wie Apple und Xiaomi könnten sich hier erheblich besser präsentieren. Vor allem Xiaomi als Güntiganbieter von Smartphones und Tablets ist für HTC eine große Konkurrenz. "Traditionelle Smartphone-Hersteller wie HTC denken, solange sie die beste Hardware produzieren, werden sie gute Absätze erzielen", sagte Analyst Wanli Wang vom Wertpapierhandelshaus CIMB Securities. Dies sei aber nicht mehr der Fall.

Der Niedergang des 1997 gegründeten Unternehmens ist eklatant: Wang schätzt den weltweiten Marktanteil von HTC auf inzwischen unter zwei Prozent. Zu Spitzenzeiten im Jahr 2011 waren es fast zehn Prozent. Damals war die HTC-Aktie noch etwa 15-mal so teuer wie mittlerweile. Im März entschloss sich der Konzern zu einem Führungswechsel. Doch auch die neue Firmenchefin Cher Wang konnte die Anleger bislang nicht überzeugen. Im Gegenteil: Der HTC-Börsenwert ist seitdem um 28 Prozent geschrumpft.

 

 

(Reuters/Red.)

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