Cambridge Analytica: "Es ist Zeit für Fakten"

Cambridge Analytica nimmt erstmals Stellung zu den Vorwürfen. Die Firma behauptet, die Facebook-Daten nie verwendet zu haben. Die Aussagen stehen im Widerspruch zu jenen von Ex-Chef Alexander Nix - und von Whistleblower Christopher Wylie.

APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS

Cambridge Analytica hat die Online-Strategie für Donald Trumps Wahlkampf entwickelt und geführt. Auch an der Brexit-Kampagne soll die Analysefirma maßgeblich beteiligt gewesen sein. Im Mittelpunkt dieser Causa steht Facebook. Doch nun meldet sich auch der eigentliche Hauptakteur Cambridge Analytica zu Wort und will das falsche Bild, das angeblich in der Öffentlichkeit entstanden sei, korrigieren. Cambridge Analytica bestreitet die Vorwürfe - und will die Aussagen von Whistleblower Christopher Wylie ins Wanken zu bringen.

Cambridge Analytica veröffentlichte auf seiner Webseite eine Mitteilung und eine eigene Seite nur mit Fakten zum Unternehmen und ihrer Arbeitsweise. Man wolle damit "falsche Anschuldigungen" korrigieren.

Cambridge Analytica hatte nur 30 statt 87 Millionen Datensätzen

Cambridge Analytica hat sich Zugang zu mehr als 87 Millionen Facebook-Userdaten verschafft. In Kombination mit anderen eingekauften Daten von Bonuskarten, Vereinsinformationen und offiziellen Wählerdatenbanken baute sich die Firma so eine umfassende Profiling-Datenbank auf. Aufgedeckt wurden diese Machenschaften von einem ehemaligen Mitarbeiter, Christopher Wylie. Ein Vorgehen übrigens, mit dem sich der im Zuge der Causa suspendierte Alexander Nix auf Vorträgen öffentlich rühmte.

Davon will Cambridge Analytica nun aber nichts mehr wissen: Auf der Webseite heißt es, dass man "nur" 30 Millionen Datensätze von US-Nutzern lizenziert habe. Sobald Facebook auf einen Vertragsbruch hingewiesen habe, seien diese Daten gelöscht worden. Ein externer, unabhängiger Bericht solle dies nun beweisen.

Die Behauptungen von Wylie und auch die Aussagen von Nix werden in der Stellungnahme als unwahr hingestellt: "Cambridge Analytica hat bei den US-Präsidentschaftswahlen weder die GSR-Daten noch irgendwelche Derivate dieser Daten verwendet." Zur Erklärung: Global Science Research (GSR) ist das Forschungsunternehmen, das dem Psychologen Aleksandr Kogan gehört, der die App "thisisyourdigitallife" entwickelt und über die Facebook-API zig-Millionen User-Daten gesammelt hat.

"Christopher Wylie ist kein Whistleblower"

"Die Behauptungen, wir hätten GSR-Daten für die Trump-Kampagne verwendet, sind einfach falsch", heißt es weiter. Ebenfalls falsch sollen die Aussagen von Christopher Wylie sein, der nämlich "kein Whistleblower" sei: "Er hat wiederholt behauptet, einer der Gründer von Cambridge Analytica zu sein. In Wirklichkeit war er Auftragnehmer von SCL Elections." Außerdem schreibt das Unternehmen, dass Wylie nur von 2013 bis 2014 direkt bei Cambridge Analytica gearbeitet habe und so gar nicht im Besitz von Insiderwissen gewesen sein könne.

Weiters schreibt das Unternehmen, dass Wylie mit seiner gegründeten Firma Eunoia Technologies die Daten von Cambridge Analytica mitgenommen und diese entgegen der Geheimhaltungsvereinbarung verwendet habe.

Wylie nahm bereits Ende März zu seiner Firma und zu dem Vorwurf, dieselben Daten wie Cambridge Analytica verwendet zu haben, Stellung. Er erklärte, dass die Daten nie zum Einsatz gekommen seien und "gegen Ende 2015 gelöscht wurden".

 

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