Weihnachtsbasteln mit Nintendo

Nintendos Switch bleibt ein Hit. Doch Zelda, Mario und Pokémon lassen wenig Platz für Innovationen. Nintendo Labo, der Hybrid aus Bastelbogen und Konsole, verdient eine Chance.

Analog trifft auf digital mit Nintendo Labo. Das System ist ausbaufähig.
Analog trifft auf digital mit Nintendo Labo. Das System ist ausbaufähig.
Analog trifft auf digital mit Nintendo Labo. Das System ist ausbaufähig. – (c) Nintendo

Der Startschuss für das heurige Weihnachtsgeschäft ist gefallen, Cyber Monday und Black Friday sind überstanden. Japans Konsolenbauer Nintendo blickt dennoch nicht ganz sorgenfrei in Richtung Weihnachtssaison. Zwar feierte das Unternehmen gerade erst das 1000. Spiel für seinen Überraschungserfolg Nintendo Switch, aber richtig große Neuerungen blieben bisher aus. Altbewährte Klassiker wie Pokémon, Super Mario Party und Super Smash Bros. Ultimate sollen das Geschäft in diesem Winter treiben. Für manch gute Idee rund um die Switch wird die Luft daneben dünn. Für sie könnte dieses Weihnachten die letzte Chance sein.

Nintendo Labo ist so ein Fall. Der Kombination aus Kartonbastelbogen und Spielkonsole ist nach dem Start zu Jahresbeginn rasch die Luft ausgegangen. Im Sommer gab es kaum Verkäufe. Auch in der „Presse“-Redaktion hat es gedauert, bis die Anfangseuphorie über das Konzept in Aktion umgesetzt wurde. Nun, wir haben es getan. Wir haben geknickt, gefaltet, Klaviere, Angelruten und Motorräder aus Pappkarton gebaut, Display und Joy-Con-Controller der Switch eingebaut und die Werke damit zum Leben erweckt. Fazit: Die Idee hat Potenzial und keinen schnellen Tod verdient.

Mehr Spielzeug als Videospiel. Natürlich, vergleicht man den „Spielspaß“ beim Falzen von dickem Papier mit einer gepflegten Runde Super Mario Kart, schaut es für die Neigungsgruppe „Nintendo Weihnachtsbasteln“ eher schlecht aus. Aber wer sich an die langsamen Anleitungsvideos gewöhnt hat, und ein erstes funktionierendes ferngesteuertes Auto oder einen Roboteranzug aus Papier erschaffen hat, wird verstehen, dass es hier um mehr geht.

Mit dem Labo-System erweitert Nintendo die Switch zu einem haptischen Erlebnis abseits aller Displays und beschert den Spielern die Genugtuung, selbst etwas zu kreieren, statt nur zu konsumieren. Nintendo selbst ist guter Dinge. Die Absatzflaute im Sommer sei kein Problem, versichert das Unternehmen. Nintendo Labo sei nicht mit klassischen Computerspielen zu vergleichen, auch nicht beim Verkaufsrhythmus. Videospiele würden im Grunde ganzjährig gekauft – und zwar meist in der Sekunde, in der sie auf den Markt kommen. Nintendo Labo hingegen sei eher mit klassischem Spielzeug zu vergleichen, das kurz vor der Weihnachtszeit die größte Nachfrage hat.

Ein Problem bei dieser optimistischen Sicht der Dinge: Nintendo hat die letzten Monate damit verbracht, die Switch als echte Gamer-Konsole zu positionieren (wohl auch, weil das „Familien-Gerät“ Wii U davor so phänomenal gefloppt ist). Doch damit fehlt dem Unternehmen genau die Anhängerschaft, die sich für Nintendo Labo begeistern könnte. Kinder und ihre Eltern, die wohl am ehesten gemeinsam basteln, sind noch eine Minderheit in der Switch-Fanbase.


Vom Spieler zum Entwickler. Das soll sich ändern. Gemeinsam mit dem „Institute of Play“ bringt der Konzern Nintendo Labo in Amerikas Schulklassen. Zehn- bis Zwölfjährige sollen so einen spielerischen Zugang zu Technologie und Informatik bekommen. Kern des Schulkonzepts sind nicht die vorgefertigten Bastelbögen, die Nintendo bisher beworben hat, sondern die eher unterbeleuchtete „Toy-Con-Garage“.

Dabei handelt es sich um eine vereinfachte Programmiersoftware, mit der Labo-Nutzer eigene Designs entwerfen und programmieren können. Nintendo Labo ebnet den Weg vom Spieler zum Spieledesigner. Wenn das keinen zweiten Blick wert ist . . .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2018)

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