Fin-Tech in Asien: "Es ist von Vorteil, Ausländer zu sein"

Der WU-Absolvent Gerald Eder konnte eben eine Investition von 40 Millionen US-Dollar für sein Start-up in Asien sicherstellen. Mit der Compare Asia Group will er nun den asiatischen Finanzmarkt revolutionieren.

Wieso gründet man als Europäer ein Start-up in Asien?

Gerald Eder: Ich habe an der WU Wien Betriebswirtschaft studiert und dann im Investmentsektor in London bei Morgen Stanley angefangen. Es war eine sehr gute Schule, letztendlich wollte ich aber immer ein Unternehmen aufbauen. Also fing ich bei Rocket Internet in Asien an und war einer der Ersten hier vor Ort. Wir bauten einige der größten E-Commerce-Firmen in Asien auf: Zalora und Lazada, die vergleichbar mit Zalando sind. Es war eine ungeheure Lernkurve und eine tolle Erfahrung. Ich kannte europäische Finanzvergleichsfirmen, wie Check24 oder Money Super Market, und war schockiert, dass es so etwas in Asien noch nicht gibt. Also verließ ich Zalora als Geschäftsführer, um meine Firma zu starten. Ich fing ganz allein in einem Kaffeehaus in Kuala Lumpur an und bekam dann Seed-Gelder von einem Inkubator namens Nova Founders Capital. Wir stellten ein Team zusammen und wurden die Compare Asia Group. Nun haben wir so ein hochkarätiges Team zusammen, dass wir letztendlich auch hochkarätige Investoren an Bord bringen konnten, wie Goldman Sachs.

Hatten Sie in diesem Kaffeehaus in Kuala Lumpur schon eine genaue Vorstellung von der Firma, die Sie gründen würden?

Ich musste einfach die Punkte verbinden. Sogar meine Mutter hat Check24 verwendet, es war ein sehr grundlegendes Service, und deshalb war ich so verwundert, dass niemand in Asien das aufgegriffen hatte. Wenn man eine Firma von null aufbaut, ist es wichtig zu erkennen, dass kein Markt perfekt ist. Mir ist aber klar geworden, dass sich jeder Trend zu unseren Gunsten entwickelt. Asien hat die größte Internetbevölkerung der Welt. Außerdem wächst der private Wohlstand in Asien, und das schafft einen höheren Bedarf an finanziellem Schutz, Investment- und Sparprodukten. Die Banken und Versicherungen in Asien wollen auch mehr Präsenz online, allerdings ist es nicht ihre Expertise. So kam alles zusammen.

 

Gab es in der Entstehungsphase Momente, in denen Sie gezweifelt haben?

Es gibt natürlich auf dem Weg viele Rückschläge, Momente des Zweifelns und schlaflose Nächte. Ich habe meine gesamten Ersparnisse in dieses Projekt gesteckt. Ich war quasi „all in“. Man muss seine Zweifel ignorieren und durchpushen. Wenn man am Nullpunkt steht, scheint der Weg zum Ziel unmöglich. Wo fängt man an? Letzten Endes muss man die große Aufgabe in mehrere kleine aufteilen. Zum Beispiel haben wir vorgehabt, nach Indonesien zu expandieren. Also lautet die Aufgabe: „Buche ein Ticket nach Indonesien.“ Als Nächstes setzte ich mich in die Lobby eines Fünfsternehotels, dann schrieb ich Menschen an. Keiner dieser kleinen Schritte ist unmöglich. Ich kann ein Hotelzimmer buchen, ich kann mit der Regulierungsbehörde sprechen, ich kann die Bank anrufen. Schritt für Schritt kommt man vorwärts, die Firma wächst, und die Schritte werden größer.

 

Wenn Sie selbst nicht die passende Expertise hatten, wie gingen Sie dann vor?

Am Anfang hatte ich keine Ahnung vom Business-Model, oder wie man mit der Firma Geld macht. Ich habe daher versucht, so viel wie möglich zu lernen. Ich habe auf LinkedIn Menschen kontaktiert, die bereits bei Vergleichsseiten gearbeitet haben. Ob es nun Versicherungen, Banken oder Vergleichsportale waren, ihr Job ist vielleicht nicht der spannendste der Welt, aber wenn jemand an ihre Tür klopft und ihr Wissen wahrhaft zu schätzen weiß, wollen sie das auch mit einem teilen. Das ist ein Weg. Der zweite entscheidende Punkt ist, wenn man etwas nicht kann und es sich leisten kann, sollte man Menschen einstellen, die es können.

 

Wollen Sie die 40 Millionen ins Wachstum und in neue Partnerschaften investieren?

Wir wollen eine sehr vertrauenswürdige Konsumentenmarke aufbauen, also wird ein Großteil ins Marketing investiert. Wir haben vor eineinhalb Jahren begonnen und haben bereits Teams in acht Ländern und daher eine gute Startposition, um in mehreren Ländern gleichzeitig zu erweitern. Wir konzentrieren uns auch auf finanzielle Bildung. Im Gegensatz zu entwickelten Märkten wie Europa haben 60 Prozent der Konsumenten in Südostasien noch keine direkte Bankbeziehung. Es bietet sich daher eine enorme Gelegenheit für Banken und Versicherungen, mehr Kunden zu gewinnen. Es heißt aber auch, dass es eine große Wissenslücke gibt, wenn es um die Vor- und Nachteile eines Kredites geht oder worauf man bei Finanzprodukten achten soll.

 

Wie hat Sie das Leben in Asien als Gründer geprägt?

Ich habe gelernt, dass es als Gründer in einem neuen Markt von Vorteil ist, Ausländer zu sein. Man ist dadurch sogar die beste Person, um ein Problem in einem etablierten Markt zu lösen. Wenn man keine Ahnung hat, fängt man an, Fragen zu stellen, und schafft so eine andere Realität als ein Ortsansässiger. Denn der hat schon gefestigte Vorstellungen: Gewisse Dinge funktionieren, andere wiederum nicht. Als Ausländer fordert man alles heraus, damit schafft man eine neue Realität.

Steckbrief

Gerald Eder ist 30 Jahre alt, Österreicher und vor zwei Jahren nach Asien ausgewandert, um ein Internet-Vergleichsportal für Finanzprodukte, die Compare Asia Group mit Sitz in Hongkong, zu gründen.

Investiert

Compare Asia Group heißt das Start-up mit Sitz in Hongkong, mit dem Konsumenten in Asien Bank und Versicherungsprodukte online vergleichen können.

40 Millionen US-Dollar hat das Start-up eben von Investoren eingesammelt. Unter ihnen die Investmentbank Goldman Sachs, Marc Pincus, Gründer von Zynga, und Owen Van Natta, ehemaliger COO von Facebook.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2015)

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